Aktion „Rauchzeichen“

Kampf gegen Nikotin: „Sieht angefressen aus“

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Gemeinsam gegen den „blauen Dunst“ (von links): Asklepios-Chefarzt Dr. Nikos Stergiou, Sonja Müller-Schamell (stellvertretende Leiterin der Einhardschule), Katja Jansen (Konrektorin Merianschule), Thomas Zeiske (Assistenzarzt), Brigitte Kössl (Beratungslehrerin) und Jule Thomas (Herzstiftung).

Seligenstadt - Im Kampf gegen den „blauen Dunst“ setzt die Einhardschule seit Jahren auf Prävention. Bei der Aktion „Rauchzeichen“ erfuhren Schüler der Jahrgangsstufe sieben nicht nur, wie schädlich das Qualmen ist, sondern auch viel Wissenswertes über den menschlichen Körper. Von Oliver Signus

Ein Raunen geht durch die Reihen der Schüler, als Thomas Zeiske, Assistenzart an der Asklepios-Klinik in Seligenstadt, erklärt, dass eine auseinander gefaltete Lunge etwa die Größe eines Fußballfeldes hat. „Und wenn man raucht, verkleinert sie sich auf die Größe des Strafraums von Manuel Neuer“, beschreibt er vor den 28 Jungen und Mädchen der siebten Jahrgangsstufe der Einhardschule bildhaft die Veränderung. Die Schüler nehmen an der Aktion „Rauchzeichen“ teil, einem Präventionsprogramm, das die Deutsche Herzstiftung ins Leben gerufen hat.

Seit zehn Jahren ist die Stiftung damit regelmäßig an der Schule, um die jungen Menschen davon abzuhalten, zum Glimmstängel zu greifen. Unterstützt wird Jule Thomas vom Projektmanagement „Rauchzeichen“ dabei von Dr. Nikos Stergiou, Chefarzt an der Asklepios-Klinik, und insgesamt vier jungen Medizinern. Assistenzarzt Zeiske ist das erste Mal dabei und wartet mit sowohl erstaunlichen als auch erschreckenden Fakten auf. Dass Gifte wie Nickel, Kadmium, Teer („Das, was auf der Straße liegt, kommt dann auch auf die Lunge“), Blei oder Blausäure in den Zigaretten enthalten ist, ist hinlänglich bekannt. Dass sich die Summe der Schadstoffe in einer einzigen „Fluppe“ auf 4800 summiert, weiß keiner der Schüler.

„Sieht angefressen aus“, meint ein Schüler, als Zeiske auf eine Wand das Bild einer Raucherlunge projiziert. „Verschrumpelt“, wirkt sie auf einen anderen Schüler, dabei ist sie eher vergrößert, erklärt der Arzt, denn durch das Rauchen sei die Lunge dauerhaft entzündet.

Brigitte Kössl unterrichtet Biologie und Chemie an der Schule und hat als sogenannte Beratungslehrerin auch die Aufgabe, sich um alle Formen von Süchten zu kümmern. Aus ihrer Sicht hat sich das Projekt in der siebten Klasse bewährt. Die Zwölf- bis 13-jährigen haben meist noch keine Erfahrungen mit dem Qualmen gemacht. „Wenn sie erst mal rauchen, wird es schwierig“, sagt sie.

Unterdessen bereitet Jule Thomas einen Versuch vor, um den Jungen und Mädchen zu zeigen, was beim Rauchen passiert. Dazu hat sie eine gläserne Lunge mitgebracht. Sie zündet eine Zigarette an, und befestigt sie im Inneren des durchsichtigen Behältnisses. Obwohl die Fenster weit geöffnet sind und aus dem Gefäß nichts nach außen dringt, hängt sofort der unangenehme Geruch des glimmenden Tabakstängels im Raum. Einige Schüler hüsteln theatralisch und schauen gebannt auf den Glaskörper, in dem sich der Rauch ausbreitet. Mithilfe einer Pumpe simuliert Jule Thomas das Ziehen an der Zigarette. Etwas schneller frisst sich die Glut nun an dem dünnen Tabakstäbchen entlang. Der Qualm türmt sich zu einer regelrechten Wolke auf und füllt längst das Volumen des Glaskörpers. Im Inneren liegt ein größerer Wattebausch, der die Lunge simuliert. Als die Zigarette fast abgebrannt ist, löscht sie Jule Thomas und zieht den Bausch aus. Gelblich-schmierige Rückstände sind auf ihm zu sehen: „Und das wäre jetzt auf Eurer Lunge, wenn ihr eine Zigarette geraucht hättet“, sagt sie. Wenn es zwei wären, dann wäre der Fleck doppelt so groß, rechnet sie den Schülern vor, von denen einige ziemlich angewidert wirken.

So sind an diesem Vormittag alle siebten Klasse der Schule an der Reihe und werden von dem „Rauchzeichen“-Team aufgeklärt. Dr. Stergiou und seine jungen Kollegen wechseln sich ab, jeder referiert vor einer anderen Klasse. Auch an der Merianschule waren sie bereits zu Gast. Die Resonanz, sagt Stergiou, sei gleichermaßen positiv, das Projekt werde von Gymnasiasten ebenso gut angenommen wie von Real- und Hauptschülern. Zunächst fragen die Ärzte, was die Schüler über das Rauchen wissen, bevor sie sie über das Thema Sucht und die Folgen des Konsums aufklären. Ziel sei es, dass die jungen Leute in der Lage sind, selbst zu entscheiden, ob sie rauchen wollen oder nicht, sich dabei aber auch der Konsequenzen bewusst sind.

Mit dem Projekt „Rauchzeichen“ ist die Deutsche Herzstiftung regelmäßig an rund 110 überwiegend hessischen Schulen zu Gast, sagt Initiatorin Jule Thomas. Mittlerweile gibt es auch ein fortführendes Projekt für Schüler der neunten Klassen. Dabei geht es dann nicht nur um den Zigarettenkonsum, sondern auch ums Kiffen. Auch das bei jungen Menschen sehr beliebte Shisharauchen rauchen wird thematisiert. Es sei noch schädlicher, da bei einem einzigen Zug der Rauch von sieben Zigaretten inhaliert werde.

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