Wie sich Betrüger der Zielgruppe 70 plus nähern / 2 400 Briefe

Alle wollen nur das Eine

Brief-Aktion als Beitrag zur Sensibilisierung (v.l.): Bürgermeister Daniell Bastian, Polizeichef Thomas Eck und Erster Stadtrat Michael Gerheim.
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Brief-Aktion als Beitrag zur Sensibilisierung (v.l.): Bürgermeister Daniell Bastian, Polizeichef Thomas Eck und Erster Stadtrat Michael Gerheim.

Seligenstadt – So lange es Enkel gibt, gibt es auch den sogenannten Enkeltrick. Für Kriminalisten eine frustrierende Prognose. Und weil Betrüger ebenfalls davon ausgehen und wissen, dass er in allen möglichen Abwandlungen immer wieder funktioniert, berichten die Medien weiterhin regelmäßig (und vergeblich) über haarsträubende Schicksale. Fälle, bei denen ältere Menschen oft tausende Euro Lehrgeld zahlen - für ihre Gutmütigkeit, Arglosigkeit, Naivität und ihre Angst um Angehörige.

Es wird also weiter Anrufer geben, die sich am Telefon als Enkel ausgeben, die angeblich plötzlich in Geldnot geraten sind und ganz dringend finanzielle Unterstützung brauchen. Weiterhin werden angebliche fürsorgliche Polizisten versuchen, Angstgefühle zu wecken und Druck auszuüben, um dann ihre Hilfe anzubieten und gefährdete Geldbeträge oder Wertgegenstände „in Sicherheit“ zu bringen. Neuerdings melden sich sogar „Mitarbeiter“ des Gesundheitsamts mit Corona-Masken an der Tür, angeblich um Hygienevorschriften zu überprüfen, führen aber Übles im Schilde. Überraschte, in die Enge getriebene Opfer werden auch in Zukunft kopflos und irrational reagieren, oft später ob ihrer Leichtgläubigkeit und Manipulierbarkeit lange an sich selbst zweifeln.

All das kennt Seligenstadts Polizeichef Thomas Eck zur Genüge. Für ihn Grund genug, um zusammen mit der Stadt eine große Aufklärungskampagne zu starten. In 2400 Briefen an die Generation „70 plus“ beschreiben Eck und Bürgermeister Daniell Bastian, wie sich Betrüger als Handwerker, Polizisten, Hausmeister oder eben Enkel ausgeben. Wie sie ihre Opfer aus Telefonbüchern, Zeitungen und Kirchenblättern anhand von Vornamen aussuchen, welche Lügen sie erzählen. Und schließlich, an wen sich Senioren in Verdachtsfällen wenden können: Beratungsstellen der Polizei, die Seligenstädter Dienststelle, den Offenbacher Polizeiladen bis hin zum städtischen Meldeamt, um eine Auskunftssperre zu beantragen.

Natürlich gibt es auch jede Menge Verhaltensmaßregeln dazu (siehe Kasten). Kernsätze lauten: „Die Polizei wird nie um die Herausgabe von Geld bitten“ oder „Die Polizei ruft niemals unter der Notrufnummer 110 zurück“ oder „Nutzen Sie bei dubiosen Telefonaten niemals die Rückruftaste ihres Telefons“.

Polizeihauptkommissar Eck betont, es gelte nicht nur die Zielgruppe, also ältere Menschen, zu informieren und zu warnen. Auch Angehörige sollten wachsam sein, sich interessieren - Stichwort „Vier-Augen-Prinzip“: In der Familie vereinbarte Kontrollmechanismen können vor Schaden schützen.

Auch Bürgermeister Bastian appelliert an die Senioren, bei entsprechenden Kontaktaufnahmen besonders wachsam zu sein. Den Brief sieht er als „Beitrag zur Sensibilisierung“, handele es sich für die Kriminellen, deren Drahtzieher oft vom Ausland aus operieren, doch „um ein lukratives Geschäft“. Der Rathauschef verweist zur Warnung auf eine ältere Seligenstädter Frau, die vor nicht allzu langer Zeit solchen Betrügern aufgesessen sei und „einen hohen Geldbetrag“ verloren habe.

Von Michael Hofmann

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