Allen zur Freude, Einhard zu Ehren

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Eintrag ins Goldene Buch (von links): Bürgermeister Stephan Kelbert (Michelstadt), Staatssekretär Michael Bußer, Karl Weber (hinten) und Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams.

Seligenstadt - Dort, wo alles begann nach der Schenkung von Obermulinheim an Stadtgründer Einhard, im altehrwürdigen Kloster, startete 1200 Jahre später am Sonntag die Festversammlung im Jubiläumsjahr 2015. Von Thomas Hanel

Geistliche Würdenträger und Vertreter aus Politik sowie zahlreiche Ehrengäste fanden sich in der ehemaligen Benediktinerabtei ein, um dem Stadtgründer Einhard ihre Ehrerbietung auszusprechen. Ein Ensemble der Stadtkapelle Seligenstadt gestaltete die kleine Zeremonie unter freiem Himmel musikalisch. Die Musiker waren es auch, die die offizielle Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr im Rathaussaal weiter würdig umrahmten. Viel Gedränge gab es ob der vielen Gäste, die dem Anlass beiwohnten. „Die großzügige Einladung von Pfarrer Selzer, in der Basilika alle Gottesdienstbesucher zum Kommen aufzufordern, hat für eine gewisse Stuhlknappheit gesorgt“, nahm es Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams charmant und humorig. Eine Vesper (in Michelstadt) und ein Gottesdienst hatten am Wochenende in der jeweiligen Basilika stattgefunden, der Sonntag gehörte der Historie, den Grußworten und Botschaften.

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„Die Schenkung von Obermulinheim, dem heutigen Seligenstadt, an Einhard verbindet Michelstadt-Steinbach und Seligenstadt für immer“, machte Bürgermeisterin Nonn-Adams in ihrem kurzen Vortrag klar. Beides Wirkungsstätten von Einhard, einem der großen Gelehrten und Intellektuellen der karolingischen Zeit. „Die Erinnerung an Einhard wachzuhalten ist Auftrag und eine Frage der Ehre“, so die Bürgermeisterin. Auf das Jubiläumsjahr freue sie sich: „Allen zur Freude, Einhard zur Ehre.“ Staatssekretär Michael Bußer, in Seligenstadt aufgewachsen, spannte in seinem Grußwort den weiteren Bogen zu einem universellen und geeinten Europa. Es gehe um Identität, Zusammenhalt und Zukunft – ganz im Sinne Einhards.

An historischer Stätte in der ehemaligen Benediktinerabtei beginnen die Feierlichkeiten zum Auftakt des Stadtjubiläums. 1200 Jahre liegt die erste urkundliche Erwähnung von Obermulinheim, dem heutigen Seligenstadt, zurück.

Der Direktor der Staatlichen Schlösser und Gärten, Karl Weber, ging ebenfalls auf die historische Verbundenheit von Seligenstadt, dem Kloster Lorsch als übergeordnetem geistlichen Standort und Steinbach bei Michelstadt ein. „Unsere Verpflichtung ist es, unser Wissen aus dieser Zeit um das Wirken Einhards weiterzugeben“, sagte Weber. Kurzweilig wurde es bei dem eigentlichen Festvortrag, gehalten vom Chef des Weltkulturerbes Kloster Lorsch, Dr. Hermann-Josef Schefers. Zwar liege historisch einiges in der Grauzone, „aber Einhard wird Ober- und Untermulinheim gut gekannt haben“, so der Historiker. Einhard, der als einer der wenigen Berater auch nach dem Tod seines Mentors Kaiser Karl am Hof verblieb, sei ein einflussreicher und loyaler Diplomat gewesen. „Mächtig und einflussreich war Einhard, dem die Leitung von sieben Klöstern im ganzen Reich oblag. Mit 30 hervorragend ausgebildeten Geistlichen an seiner Seite erfüllte er diese Aufgabe. „Er bezog auch ein nicht unansehnliches Gehalt für diese Tätigkeit“, so Schefers.

Im Jahr 819 habe Einhard noch Michelstadt im Fokus gehabt, dem späteren Seligenstadt dennoch eine zentrale Rolle zugedacht. In einer zweitägigen Prozession wurden am 16. und 17. Januar 828 dann die Reliquien der Märtyrer und Heiligen Marcellinus und Petrus hierin verbracht. „Und der Überlieferung nach hat es sofort in Seligenstadt ein Heilungswunder gegeben“, berichtete Dr. Schefers. Den Aufstieg des Klosters in Seligenstadt, die Fertigstellung der beeindruckenden, nach ihm benannten Basilika erlebte Einhard nicht mehr. „Was er noch vor seinem Todestag erlebt hat, war die Umbenennung der Gemarkung in Seligenstadt.“

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