Die andere Seite der Bibel

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„Die Bibel ist ein schräges Buch“, sagt der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius.

Seligenstadt - Für den in Seligenstadt lebenden Georg Magirius ist die Buchmesse schon vorbei. Wenn jetzt am Wochenende Zehntausende über das Frankfurter Messegelände drängeln, sitzt er entspannt zu Hause. Magirius besuchte die Messe während der Fachtage. Von Thomas Hanel

Da findet er als freier Schriftsteller und Hörfunkjournalist Zeit und Muße, seine Gesprächspartner von Verlagen und andere Autoren zu treffen. „Natürlich ist der Buchmarkt ein wirtschaftlicher Markt“, sagt der gebürtige Rüsselsheimer. Aber Bücher seien halt viel mehr als Ökonomie. „Sie können verzaubern, mitnehmen, inspirieren.“

Magirius´ Bücher sind spirituell ausgerichtet, handeln von Alltäglichkeiten, denen er sich philosophisch und religiös annimmt. Und sie haben viel Witz und Humor. Beispielsweise seine Gedankengänge zum Thema Wasser: „Wasser ist lebendig, kann Durst löschen. Wasserflächen sind abgründig, man kann untergehen, wird aber auch getragen.“ Allein der Titel seines aktuellen Werks „Erleuchtung in der Kaffeetasse“ zeigt, von welcher Seite er sich seinen Themen Religion und Alltag nähert. Die Bibel ist für ihn Inspiration, gleichzeitig aber auch ein „absolut schräges Buch“. Die Würde des Heiligen Buchs ist eine Seite, die komischen Seiten herauszuarbeiten, eine andere. „Dabei veralbere ich die Bibel nicht, sondern beleuchte andere Seiten.“ Die komischen eben.

Freier Schriftsteller und Journalist

Magirius, Jahrgang 1968, studierte nach dem Abitur evangelische Theologie, begann die Ausbildung zum Pfarrer. Doch er entschied sich um, wollte als freier Schriftsteller und Journalist arbeiten. Sein christliches Weltbild hat nicht gelitten, nur sind jetzt Schrift und Wort seine Mittel der Überzeugung. Er erstellt und textet Sendungen für den bayerischen und den hessischen Rundfunk und das Deutschlandradio. Themen: Spiritualität, Religion, Philosophie – angereichert mit dem ihm eigenen Humor, mit dem ihm eigenen Vermögen, über den Geruch und die Konsistenz von Kaffee zu sprechen und zu schreiben. Etwa über Straßenkreisel mit der Schräglage einer Bobbahn. Da finden sich Texte mit der Überschrift „Mülltonne - Wenn Engel ihre Arbeit tun“ oder „Ampel - Ein schlechter Start lässt hoffen“. Seine Lesungen untermalt Magirius übrigens öfter mit der Musik einer Harfinistin. Frage: Herr Magirius, sind Sie ein Spinner? Der Schriftsteller lacht: „Das ist eine gute Frage!“ Aber es sind die Texte, die Worte, die Geräusche und die Musik, mit denen er auf seine Art arbeitet.

Sein nächstes Projekt wird im Februar kommenden Jahres erlebbar sein. Ein Buch über Liebesgeschichten, angereichert mit Bildern von Chagall. Und Magirius wäre nicht Magirius, wenn er nicht besondere Liebespaare für seine Betrachtungen ausgewählt hätte. Maria und Josef oder Adam und Eva beispielsweise…

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