Der Anfang eines Radweges

Idee einer Kreisquerspange nach Seligenstadt: Brückenkopffunktion?

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Beim Kreis Offenbach als Fixpunkt einer Rad-Kreisquerspange im Gespräch: die Fahrradstadt in spe Seligenstadt.

Auf dem Weg zur Fahrradstadt – im Jahr 2011 von der leidenschaftlichen Radlerin und damaligen Ersten Stadträtin Claudia Bicherl (CDU) als Ziel proklamiert – erlitt die Stadt Seligenstadt einige Male Schiffbruch. 

Seligenstadt –2016 spottete der ADFC gar, es reiche wohl lediglich zur (Speise-)Eisstadt, denn es mangele an vorausschauender Radverkehrsplanung und politischem Willen. Auf der anderen Seite erfreut sich das Stadtradeln seit Jahren großer Beliebtheit, auch unbestreitbare Fortschritte (Fahrradstraßen, K185-Radwegeplanung, Radabstellanlagen) lassen sich konstatieren. Vor wenigen Tagen nun spielte der Kreis Offenbach der Einhardstadt recht unerwartet eine Trumpfkarte zu. Demnach könnte die Stadt im Reigen der wie Pilze aus der Erde schießenden Radschnellwegeideen eine strategisch wichtige Rolle spielen.

Bekanntlich hat der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main eine neue Radverbindung durch den Kreis Offenbach ins Auge gefasst. Demnach könne in Zukunft eine Kreisquerspange von Langen/Dreieich bis nach Seligenstadt führen, so die Botschaft. Die Verbandskammer soll im September über das Projekt entscheiden und gegebenenfalls die Vorbereitungen einer Machbarkeitsstudie anstoßen. Der Erste Beigeordnete des Regionalverbands Rouven Kötter räumte der Umsetzung im Vorfeld gute Chancen ein. Auch Claudia Jäger, die Erste Kreisbeigeordnete des Kreises Offenbach, begrüßt den Vorstoß: „Wir freuen uns, dass der Regionalverband unsere Idee, die wir schon ausführlich in unseren Mobilitätsforen diskutiert haben, aufgreift.“ Jäger verweist in diesem Zusammenhang auf eine „erfolgreiche interkommunale und institutionenübergreifende Kooperation“: Seit dem 6. Juni ist das erste Teilstück von Hessens erstem Radschnellweg befahrbar. Von Darmstadt-Wixhausen durch Erzhausen nach Egelsbach geht es seitdem auf der „Fahrradautobahn“. Bis 2022 wird die Strecke sukzessive bis Frankfurt erweitert und im Kreis Offenbach auch noch durch Langen, Dreieich und Neu-Isenburg führen. „Eine Kreisquerspange, wie wir sie mehrfach ins Spiel gebracht haben, wäre dazu eine ideale Ergänzung“, so Jäger, die weiterführende Gespräche mit dem Regionalverband und allen Beteiligten ankündigt.

Wenige Tage davor war die Stadt Hanau mit einem ebenfalls ambitionierten Vorhaben an die Öffentlichkeit gegangen: „Radschnellwege können ein Mittel zur Verbesserung der Verkehrsverbindungen im Rhein-Main-Ballungsraum sein“, so Hanaus Stadtrat Thomas Morlock. Daher beteilige sich die Brüder-Grimm-Stadt am Planungsprozess für gleich zwei solcher autofreien, extrabreiten und möglichst kreuzungsfreien Zweiradverbindungen: Für die 17 Kilometer lange Route von Hanau über Maintal nach Frankfurt und neuerdings auch für die 26 Kilometer lange Strecke nach Aschaffenburg. Für die Frankfurter Radschnellverbindung entsteht eine Machbarkeitsstudie des federführenden Regionalverbands. Auch für Hanau-Aschaffenburg soll es eine solche Studie geben, diese Absicht haben alle betroffenen Gebietskörperschaften in Hessen und Bayern erklärt, darunter Großkrotzenburg, Kahl, Karlstein, Kleinostheim und Mainaschaff.

Ob Seligenstadt dann eine Art Brückenkopffunktion der Radwegeverbindungen dies- und jenseits des Mains übernehmen kann, steht dahin. Zu klären wäre natürlich in erster Linie die Frage, auf welche Weise die Kreisquerspange an eine denkbare Radschnellverbindung auf der anderen Mainseite angebunden werden kann. So weit, bremst Kreis-Pressesprecherin Ursula Luh, sei man natürlich noch lange nicht. Der Kreis habe mit dem Verweis auf eine Kreisquerspange nach Seligenstadt lediglich „die Öffentlichkeit mit ersten Überlegungen zu diesem Thema vertraut machen wollen. Wir stehen da noch am Anfang eines Weges.“

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