Angela Merkel in Seligenstadt

Eine perfekte Inszenierung

Seligenstadt -  1500 wollten Angela Merkel feiern, 30 Grüne und Jusos hielten dagegen. Die Kanzlerin wählte Seligenstadt als Auftakt für die heiße Wahlkampfphase. Von Thomas Hanel 

Morgens um 8 Uhr begannen auf dem Seligenstädter Marktplatz die Aufbauarbeiten für den Besuch der Kanzlerin. Zwei Bühnen wurden gestellt, Sicherheitszäune aufgebaut. Das Städtchen putzte sich heraus.  Sogar der Landeplatz des Kanzler-Hubschraubers im Norden der Stadt war aufgehübscht.

450 Plätze auf dem Marktplatz waren reserviert für Funktions- und Würdenträger der CDU aus Europa-, Bundes-, Landes- und Kommunalparlamenten. Alle ausgerüstet mit „Angie“-Plakaten und „Gemeinsam erfolgreich“. Dicht gedrängt an den Absperrgittern das Wahlvolk. Unter ihnen viel Polizei und dunkel gewandete Herren mit Knopf im Ohr. Die Bundeskanzlerin genießt natürlich höchsten Personenschutz.

Bouffier sparte nicht mit Lob fürs Städtchen

Wie auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier. An ihm war es, den politischen Auftakt der CDU-Kundgebung zu gestalten. Und Bouffier sparte nicht mit Lob fürs Städtchen Seligenstadt und die Leistungskraft seiner Regierung in Hessen. „In diesem Land darf man auch anderer Meinung sein. Auch dafür kämpfen wir“, so Bouffier in Richtung der knapp 30 Anti-Merkel- und Anti-CDU-Demonstranten. „Wir wollen diese Wahl gewinnen, in Seligenstadt, in Hessen und in Deutschland“, formulierte Bouffier eindeutig.

Der hessische Ministerpräsident hob insbesondere die hohen Investitionen der von ihm geführten Regierung in die Bildung hervor, wandte sich strikt gegen Bevormundung (Einheitsschule, Tempolimit) und warnte vor rot-rot-grünem Politikabenteuer. Allerdings: „In Hessen sind Wahlen traditionell eng. Unterstützen Sie die erfolgreiche Landes- und Bundesregierung!“

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Charmeoffensive auch bei der Kanzlerin, die das „wunderschöne Ambiente des wunderschönen Marktplatzes“ lobte. In ihrer Rede streifte sie dann alle aktuellen Politikfelder, sparte nicht an Kritik am politischen Gegner. „Da gibt es Parteien, die wollen uns vorschreiben, donnerstags kein Fleisch mehr zu essen“, kritisierte sie entsprechende Wahlaussagen der Grünen. „Was ist Ihnen wichtiger? Dass wir unter drei Millionen Arbeitslose haben, die geringste Jugendarbeitslosigkeit in Europa und dabei das höchste Bruttoinlandsprodukt produzieren - oder so etwas?“ Dies alles sei ein Erfolg ihrer Regierung und der hessischen Landesregierung. Deutlich verwahrte sie sich gegen Gleichmacherei („Wir müssen die Menschen individuell stärker machen“) und sprach sich für solide Haushalte der Kommunen, Länder und des Bundes aus. „Daran müssen wir arbeiten.“

Angela Merkel in Seligenstadt

Angela Merkel in Seligenstadt

Konkrete Ziele einer neuen Legislaturperiode formulierte die Kanzlerin nicht, setzte aber einige Eckpunkte. So trete sie für eine bessere Anrechnung der Rentenzeit bei Müttern ein und wolle das Gesundheitssystem weiter reformieren. „Wir wollen umsetzen, was Sie sich erträumen“, ruft die Kanzlerin dem begeistert klatschenden Wahl- und Parteivolk zu. Das sich übrigens über einen perfekten Auftritt und eine perfekte Inszenierung des Wahlkampfauftaktes von Dr. Angela Merkel in Seligenstadt freuen konnte. Gegen die voluminöse Lautsprecheranlage hatten die wenigen Demonstranten nicht den Hauch einer Chance trotz Rassel, Tuba und Trillerpfeifen. Eine Videowand lieferte gestochen scharfe Bilder der Kanzlerin und der anderen Unions-Protagonisten. Staatsmännisch dann Merkels Abschluss. „Wir werben um diejenigen, die sich einbringen wollen in diese Gesellschaft. Etwas leisten wollen und in Frieden, Freiheit und Sicherheit leben möchten."

Frank Lortz, umtriebiger Landtags-Vizepräsident aus Seligenstadt und einer der Hauptorganisatoren der Veranstaltung, verabschiedete mit seinem bekannten „Glückauf“ Ministerpräsident Bouffier und Kanzlerin Merkel. Für sie ging es pünktlich um 18 Uhr weiter. Mit dem Hubschrauber reiste sie zur nächsten Wahlveranstaltung.

Rubriklistenbild: © Wronski

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