„Anglühen“ mit Hindernissen

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Auch die kleinen Besucher hatten ihren Spaß beim Fest der Traktorenfreunde.

Seligenstadt (th) - Der Vereinsname „Traktorenfreunde“ trifft es eigentlich nicht: Wer am Wochenende auf dem Gelände des Vereins in Froschhausen unterwegs war, konnte mitnichten nur historische Traktoren sehen.

Sondern ebenso alte Landmaschinen und Stationärmotoren, so genannte „Schäferwagen“ und auch klassische Fahrzeuge und Motorräder aus der Bundesrepublik und der ehemaligen DDR bewundern. Die Vielfalt der motorgetriebenen Exponate war gegeben, das organisatorische Umfeld perfekt – der Zuschauerandrang am Samstag aber leider nur mäßig.

Der „Anglühen“ genannten Veranstaltung der Traktorenfreunde Seligenstadt wurde es auch nicht leicht gemacht, die Faszination historischer Technik zu vermitteln. Auflagen der Naturschutzbehörde verhinderten beispielsweise, die Maschinen laufen zu lassen. Die zumindest am Samstag überschaubare Besucherzahl konnte die liebevoll restaurierten Exponate lediglich anschauen.

Ein ziemlich frustrierter Vereinschef Peter Laube: „Wie jeder Verein sind wir auf Veranstaltungen dieser Art angewiesen.“ Aber rigide Anordnungen der Naturschutzbehörde was den Ablauf der Veranstaltung betrifft, machten einige Pläne und Vorführungen zunichte. Großes Lob kommt dagegen von ihm an die Adresse der unterstützenden Ortsvereine und deren Mitglieder, die ehrenamtlich beim „Anglühen“ tätig waren.

Faszination historischer Technik

Anglühen der Traktorenfreunde

Faszination Technik. Ein Prunkstück der Traktorenfreunde ist sicherlich der fast 80 Jahre alte Deutz Einzylinder-Dieselmotor. Sagenhafte 20,5 Liter Hubraum (moderne normale Automotoren haben zwischen einem und drei bis vier Liter Hubraum) hat der Koloss. Damit stemmt er gerade einmal 40 PS. In Aktion sehen und hören konnten die Besucher das liebevoll restaurierte Monster leider nicht. Weitere Glanzstücke der Fahrzeugschau sicherlich die sehr seltenen Porsche Traktoren, die aus zwei Zylindern immerhin die Kraft von 25 PS schöpfen. Skurrile Gefährte wie Gutbrod-Aufsitzmäher und Einachs-Maschinen, ein Traktor mit DDR-Trabant-Motor oder die „Schäferwagen“ waren eine Besichtigung wert. Die „Schäferwagen“ – in diesen nächtigte früher der Hirte auf freiem Feld, können übrigens als die historischen Vorläufer des Wohnwagens bezeichnet werden: Aus Holz, Pritschen statt Betten – und als Toilette fungierte der Nachttopf. Klangvolle Namen auf dem Gelände: Deutz, MAN und natürlich die Lanz Bulldog Maschinen, die jeweils einen Wert von mehreren zehntausend Euro haben. Staunend konnten die interessierten Besucher deren analoge Technik bewundern, sichtbar und offen unter der Motorhaube. „Das kann noch mit Hammer und Zange repariert werden“, so ein Traktorfreund. Wenn man denn Funktion und Aufgabe der scheinbar unzähligen verbauten Leitungen, Teile und Hebel eindeutig zuordnen kann…

„Es geht uns um die Bewahrung dieser alten Technik“, erzählt Peter Laube, der seit zehn Jahren dem rund 200 Mitglieder starken Verein vorsteht. Aber nicht nur der Technik haben sich die Traktorenfreunde verschrieben. Mit Stolz präsentiert Laube das „Dieselstübchen“, den Versammlungsraum in der Vereinshalle. Die Eingangstür, liebevoll und fachmännisch restauriert, stammt aus einer regionalen Kirche und hätte eigentlich entsorgt werden sollen. Jetzt schmückt sie die Heimstatt der Traktorenfreunde.

Die Fenster stammen ebenfalls aus einem historischen Gemäuer und haben eine neue Verwendung gefunden. Und auch auf Kleinigkeiten wie ein altes Röhrenradio im typischen 60er-Jahre Design ist man stolz beim Verein. Alles wird liebevoll repariert und weiter genutzt.

Insgesamt waren es an die 40 Exponate, die am Samstag zu sehen waren. Am gestrigen Sonntag hofften die Organisatoren auf mehr Exponate von anreisenden Technikfans – viele kommen die Wegstrecke aus der Umgebung auf eigener Achse mit dem Traktor, Oldie-Auto und den Maschinen - und mehr Zuschauer.

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