Angst vor Frost und Sonne

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In der Orangerie gedeihen die Zitrusfrüchte auch im Winter, sehr zur Freude der beiden Gärtner-Azubis Stefanie Stäbe und Birgit Müller.

Seligenstadt (th) ‐ Er ist das Seligenstädter Schmuckkästchen: der Klostergarten. Im Frühjahr und Sommer erfreuen sich tagtäglich viele hundert Besucher an der sorgfältig gepflegten Anlage im Herzen der Stadt, bewundern Kräuter- und Obstpflanzen, verweilen vor üppig blühenden Stauden und Rosen.

Doch all dies erfordert viel Arbeit im Vorfeld, weiß Gärtnermeister Uwe Krienke, Chef der Anlage. „Im späten Herbst zogen Zitrusfrüchte zum Überwintern in die Orangerie, viele Kräuter wie Rosmarin und Salbei wurden mit Reisig abgedeckt und blieben draußen“, berichtet Krienke. Dieser Winter ist der zweite harte Winter in Folge, aber „nach derzeitigem Stand haben wir keine großen Verluste zu verzeichnen.“

Dabei spielt natürlich die richtige Pflege die Hauptrolle. Beispielsweise sollten Zitrusgewächse hell bei vier bis acht Grad stehen und nur mäßig gegossen werden. „Viele Leute machen den Fehler und stellen die Pflanzen zu warm, geben zu viel Wasser.“ Schädlingsbefall und Laubabfall seien die Folge, „das ist dann nur noch reif für den Kompost.“ Schließlich brauche die Pflanze ihre Winterpause, bevor die Säfte wieder steigen. Die Feigen und Granatäpfel stehen sogar noch kühler, zwei bis vier Grad reichen aus. Diese Gewächse kommen als letzte Pflanzen rein und als erste wieder raus.

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Zwischen Ananas und Feigenbäumen

Die dicke Schneedecke der vergangenen Wochen hat dem draußen verbliebenen Grün im Kloster wenig geschadet. Der Schnee wirke, so Krienke, dabei wie eine Isolationsschicht, schütze die Pflanzen. „Das schlimmste Wetter für uns ist Dauerfrost und Sonne“, sagt Krienke. Für die einen Bilderbuchwetter und Wintermärchen-Wunderland, für das Grün Stress pur. Die Sonne gaukelt Frühling vor, der Boden ist aber gefroren, gibt kein Wasser und keine Nährstoffe ab. Zudem bedroht Sonnenbrand die zarten Blätter.

In den kommenden Wochen sind die Seligenstädter Klostergärtner um Uwe Krienke mit Schneiden beschäftigt: Viele Pflanzen wurden im Herbst zurückgenommen, jetzt erfolgt der richtige Schnitt bei Wein, Obst, Stauden und Rosen. Bis sich die Besucher an diesen prächtigen Pflanzen erfreuen können dauert es noch ein wenig, aber die Blütenpracht wird schon bald im Kloster zu erkennen sein: 24 000 Stiefmütterchen trotzen den eisigen Temperaturen, 12 000 Tulpen und 30 000 Narzissen verwandeln demnächst das Kloster in ein Farbenmeer. „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass der Februar noch einmal kalt wird, der Frühling anders als im vergangenen Jahr aber im März kommen wird“, mutmaßt Gärtnermeister Krienke. Erste Vorzeichen wie Amselgezwitscher und auch vorsichtig austreibendes Grün beispielsweise bei der Zaubernuss seien erkennbar. „Aber eine Garantie fürs Wetter gebe ich nicht“, lacht er.

Auch den Profis friert mal etwas ein

Der nimmermüde Uwe Krienke plant neben der normalen Winter- und Frühjahrsarbeit bereits ein neues Projekt. Gemeinsam mit anderen engagierten Gärtnerkollegen aus ganz Deutschland gründete er eine Arbeitsgruppe „Historischer Gemüseanbau.“ Vernetzung, Erfahrungs- und Wissensaustausch rund um alte Nutzpflanzen seien das Ziel, um beispielsweise Pflanzen wie den Palmkohl wieder zu kultivieren. Getreu dem Motto der Mönche „Nützlichkeit und Schönheit“ wird er neben allerlei anderem essbaren Grün vielleicht in diesem Jahr schon im Kloster zu bewundern sein.

Die Profis im Seligenstädter Klostergarten haben alles fest im Griff. Aber wie bei manchem Hobbygärtner, geht auch ihnen manchmal etwas kaputt, friert zu Tode. Im Vorjahr waren es beispielsweise einige Feigenbäume, stolze fünf bis sechs Meter hoch, denen der Winter fast den Garaus gemacht hätte. Sie wurden auf Topfblumengröße zurückgestutzt - haben klein, aber fein, dennoch überlebt.

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