Appell an Gastwirte und Vereine: Kontrollen, keine Lockangebote

Seligenstadt - (mho) „Ein Konzept zur Alkoholprävention bei Jugendlichen muss her.“ Das war der eindeutige Tenor einer Bürgermeisterversammlung des Kreises Offenbach im vergangenen Jahr. Zur Fastnachtskampagne hat Seligenstadt als erste Kommune im Kreis dieses Thema jetzt aufgegriffen.

Rund 70 Vertreter aus Vereinen und Schulen folgten der Einladung von Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams, um sich von Referent Rainer Ummenhofer (Suchthilfezentrum Wildhof) informieren zu lassen. Dieser hat gemeinsam mit Heike Simmank (Jugendförderung des Kreises) und Andreas Jacobsen (Rödermark) das Konzept „Festkultur - Empfehlungen für die Planung und Durchführung von Festen“ entwickelt. Da die närrischen Tage in Seligenstadt vor der Tür stehen, stellte die Rathauschefin die Veranstaltung speziell unter das Thema „Jugendschutz bei öffentlichen Veranstaltungen“.

„Komasaufen“ und „Flatratepartys“ seien Phänomene, die meist in aller Öffentlichkeit stattfinden, bestätigte Referent Ummenhofer. „Gesehen werden“ schrecke die Jugendlichen kaum ab. Erwachsene sollten sich bewusst machen, dass sie beim Umgang mit Alkohol sowohl in der Familie als auch in der Öffentlichkeit Vorbilder sind. Um die Dramatik zu verdeutlichen wartete der Suchtpräventions-Fachmann mit gravierenden Erfahrungswerten auf: Der Alkoholkonsum von Zwölf- bis 17-Jährigen ist in den vergangenen vier Jahren um 50 Prozent gestiegen. Die Zahl der Zehn- bis 20-Jährigen mit Alkoholvergiftung hat sich seit dem Jahr 2000 verdoppelt, beide Geschlechter sind nahezu zu gleichen Teilen betroffen.

In einer regen Diskussion, an der auch Vertreter von Jugendbeirat und Schulen teilnahmen, wurde nach Lösungen, besonders bei Festen unter freien Himmel, gesucht. Zentraler Punkt war das Thema „Kontrolle“. Dringend empfohlen wurde die konsequente Einhaltung von Jugendschutz- und Gaststättengesetz. Vor diesem Hintergrund werden Ausweiskontrollen beim Einlass mit obligatorischer Alterskontrolle dringend empfohlen, ebenso wird geraten, Betrunkene nicht einzulassen und mitgebrachten Alkohol abzunehmen. Das Konzept empfiehlt darüber hinaus, geeignetes Ordnungspersonal für Kontrollen, das auch den Parkplatz des Veranstaltungsortes mit einbezieht. Manche Vereinsvertreter beurteilten Kontrollen, insbesondere bei der Getränkeausgabe, als problematisch. Gemeinsam angedacht wurde deshalb, Jugendlichen über 16 Jahren nach einer Ausweiskontrolle einen Stempel, ähnlich einem Eintrittszeichen, zu geben, der zum Kauf alkoholischer Getränke berechtigt. Ohne Stempel sollten Kaufversuche scheitern - überall!

Eine große Versuchung für Jugendliche, zu viel zu trinken, sind Lockangebote für billigen Alkohol, wie es sie auch in Seligenstadt in der vergangenen Fastnachtskampagne gab. Anstelle solcher Angebote sollten Veranstalter zum Schutz der Jugendlichen für ein attraktives nichtalkoholisches Getränkeangebot (alkoholfreie Cocktails) sorgen. Es wurde auch der Vorschlag gemacht, ein Gütesiegel für Vereinsfeste zu entwickeln, bei denen konsequent auf die Einhaltung des Jugendschutzes geachtet wird.

Nonn-Adams appellierte an Gastronomen und Vereinsveranstalter, auf Lockangebote zu verzichten und attraktive antialkoholische Getränke zu günstigen Preisen anzubieten. Ein Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz kann mit einer Geldstrafe bis zu 50 000 Euro geahndet werden.

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