„Willkommen in Seligenstadt“ legt Bilanz vor

Hilfsbereitschaft ungebrochen

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Henning Berz und Burkard Müller stellten gestern die Bilanz des Arbeitskreises „Willkommen in Seligenstadt“ vor.

Seligenstadt - Sicherheit und Unterbringung sind zwei zentrale Themen, die der Arbeitskreis „Willkommen in Seligenstadt“ in einer Bilanz aufführt. Burkard Müller und Henning Berz stellten das 40-seitige Werk gestern in den Räumen von „Flidum“ an der Kolpingstraße vor. Von Oliver Signus 

Eine Bilanz seiner bald dreijährigen Arbeit hat der Arbeitskreis „Willkommen in Seligenstadt“ in einem gut 40 Seiten langen Bericht vorgelegt. Im umfangreichen Text wollen die Aktiven nicht nur ihre Erfahrungen wiedergeben, sondern auch Anregungen formulieren für eine „Integrations-Agenda 2017/18“, wie es einleitend heißt.

In Seligenstadt funktioniert die Betreuung der Flüchtlinge gut, sagen Burkard Müller und Henning Berz vom Arbeitskreis. Das Domizil an der Kolpingstraße biete als Anlaufstelle eine perfekte Infrastruktur. Etwa 80 Männer und Frauen nehmen dort regelmäßig am Deutschunterricht teil, die Stimmung sei gut, Probleme gebe es keine, sagen sie. Und weil es doch insgesamt gut läuft, befürchten Müller und Berz einen Stillstand, weil es keine Gründe für Diskussionen gibt. Daher habe man nun auch versucht, mit der Bilanz Position zu beziehen und Fragen zu stellen.

Ein Problem ist die sogenannte Bleibeaussicht. „Nur Menschen aus fünf Nationen haben gute Chancen auf einen dauerhaften Aufenthalt“, sagt Müller. Das sind Syrer, Iraker, Iraner, Eritreer und Sudanesen. Alle anderen hätten somit eine schlechte Bleibeaussicht. Dazu gehören etwa die Afghanen, von denen es derzeit etwa 40 in Seligenstadt gebe. Sie haben keinen Anspruch auf Integration, ein Großteil habe zudem bereits einen Ablehnungsbescheid. Insgesamt werde in Deutschland etwa die Hälfte der Flüchtlinge durch diese Klassifizierung ausgegrenzt, kritisiert Müller. Ausgegrenzte seien immer ein leichtes Opfer radikaler Kräfte und eine „potenziell geeignete Zielgruppe“ bei der Rekrutierung durch Terroristen, heißt es in dem Bericht.

Die Angst vor der Abschiebung herrsche in den Asylwohnheimen, in denen Frauen, Männer und Kinder unterschiedlicher Nationen und Religionen untergebracht sind. Das könne auf Dauer nicht funktionieren, „das können wir auch nur schwer auffangen“, sagt Müller.

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Ein weiteres großes Problem sei die Unterbringung der anerkannten Flüchtlinge. Zwar gebe es im Ballungsgebiet zu wenig Wohnraum, dennoch sehen Müller und Berz Potenzial. So gebe es in Seligenstadt zahlreiche Hausbesitzer, die Platz hätten, um an Flüchtlingsfamilien zu vermieten. Es gebe bereits einige Beispiele, doch wären mehr Möglichkeiten wünschenswert. Daher hat der Arbeitskreis dieses Thema in seine eingangs erwähnte Agenda aufgenommen. So sei unter anderem zu prüfen, ob etwa eine Förderung bei den Kosten von Umbauarbeiten, mit denen neue Wohnungen geschaffen werden, möglich sei. Auch will die Initiative verstärkt dafür werben, dass die Seligenstädter Bürger Flüchtlinge in ihr Haus aufnehmen.

Derzeit, so schätzt Berz, werden in Seligenstadt etwa 25 Wohnungen gebraucht. „Von der Größenordnung her keine unlösbare Aufgabe“, meint er und nimmt dabei auch die Stadt in die Pflicht bei der Unterstützung. Nur ein Hinweis auf der Internetseite, dass sich potenzielle Vermieter melden könnte, reiche nicht aus.

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Auch das Thema Kinderbetreuung will der Arbeitskreis angehen, um noch mehr Flüchtlingsfrauen die Teilnahme am Sprachunterricht (Flüchtlinge lernen integrativ Deutsch und mehr, kurz „Flidum“) zu ermöglichen. Derzeit mache ihr Anteil etwa 40 Prozent der rund 80 Teilnehmer aus, doch wären es mehr, gäbe es die Möglichkeit, die Kinder für die Zeit des Unterrichts in Obhut zu geben.

Ungebrochen sei die Hilfsbereitschaft der Bürger, freuen sich Berz und Müller. So gebe es keine Engpässe bei der Versorgung, etwa mit Kleidung. Derzeit gehören dem Arbeitskreis Willkommen 287 Helfer an, die sich mehr oder weniger regelmäßig einbringen. Weitere Freiwillige seien aber willkommen, denn bei dem einen oder anderen träten dann auch schon mal Verschleißerscheinungen auf.

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