„Der richtige Zeitpunkt“

Nach 118 Jahren: Familie Kuhn gibt Metzgerei ab

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Hildegard, Thomas, Petra und Andrea Kuhn (sitzend, von links) im Kreise ihres Verkaufsteams. Die Verkaufsleitung für die Metzgerei haben Marco und Harald Häuser (hinten, von rechts) übernommen.

Seligenstadt - Nach 118 Jahren als reiner Familienbetrieb gibt die Familie Kuhn die Metzgerei an das Aschaffenburger Traditionsunternehmen Häuser ab. Grund ist der Rückzug der 71-jährigen Hildegard Kuhn. Für die Kunden bleibt aber alles beim Alten, betont Andrea Kuhn. Von Oliver Signus 

Auf das Fachwissen von Thomas Kuhn und seinem Team wird auch die neue Verkaufsleitung nicht verzichten.

„Es ist schon ein komisches Gefühl, wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, beschreibt Andrea Kuhn den Schritt, einen Teil des Familienimperiums in andere Hände zu geben. Doch nach der Ankündigung von Mutter Hildegard Kuhn, sich mit 71 Jahren „in den wohlverdienten Ruhestand“ zurückzuziehen, hat die Familie beschlossen, die Metzgerei in andere Hände zu geben. „Wir wollen uns gemeinsam mehr um unseren Partyservice kümmern und neue Ideen entwickeln“, beschreibt Andrea Kuhn, die das Unternehmen mit ihren Geschwistern Petra und Thomas führt. Auch müssten die beiden Schwestern ihre Mutter in der Küche ersetzen. Innerhalb des Familienverbundes habe man lange diskutiert, wie man eine Entlastung herbeiführen könne. Letztlich habe es keine andere Lösung gegeben, als die Metzgerei auf „gesunde, neue Füße zu stellen“, beschreibt Andrea Kuhn den Prozess. Den Schritt zum Rückzug habe Hildegard Kuhn selbst getroffen. „Wir sind stolz auf unsere Mutter. Sie hat alle ihre Entscheidungen im Leben immer richtig getroffen“, sagt Tochter Andrea. Ihren Kindern wolle Hildegard Kuhn aber auch künftig mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Die Verkaufsleitung für den Traditionsbetrieb hat die Aschaffenburger Metzgerei Häuser übernommen, ebenfalls ein Familienunternehmen mit rund 65-jähriger Tradition. Dort arbeiten laut Andrea Kuhn etwa 200 Menschen. Häuser übernimmt alle 30 Kuhnschen Angestellten aus dem Verkaufs- und Produktionsbereich („von der Verkäuferin bis zur Putzfrau“). Auch stellt die Seligenstädter Metzgerei ihre Wurst weiter selbst her, betont die Chefin. Dafür sorge Bruder Thomas mit seinem Team. Auf sein Wissen wolle auch die neue Verkaufsleitung nicht verzichten.

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Für die Familie bleiben weiterhin zwei Betriebszweige, die eine intensive Betreuung benötigen. Neben „Kuhns Catering“ ist das „Kuhns Ambiente“, dazu gehört die Villa Lila sowie die Veranstaltungsräume, Saal- und Zimmervermietung, beispielsweise für Tagungen. „Es war jetzt der richtige Zeitpunkt für Veränderungen“, resümiert Andrea Kuhn. „Und unseren Kunden möchten wir für ihr Verständnis danken“, sagt sie abschließend.

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