Moralisch einwandfrei

Asklepios-Ethikkomitee: Ansprechpartner für Patienten und Angehörige

Seligenstadt - An der Asklepios-Klinik in Seligenstadt gibt es seit vielen Jahren ein Ethikkomitee. Welche Aufgaben es hat und wer ihm angehört, das erläutert Dr. Beate Manus, die seit vier Jahren Vorsitzende ist. Sie arbeitet seit 1993 in dem Krankenhaus, seit 2010 leitet die Medizinerin die Geriatrie. Von Oliver Signus 

In einem Krankenhaus mit vielen Fachabteilungen sind alltäglich komplexe Entscheidungen zu treffen, die für die Patienten weitreichende Konsequenzen von ethischer Relevanz haben können. Oft stellt sich daher die Frage, wie das Handeln der Ärzte mit dem Willen des Patienten in Einklang zu bringen ist. Das Ethikkomitee ist dabei das vielleicht wichtigste Instrument, denn seine Mitglieder sind in schwierigen Situationen Ansprechpartner für Patienten und Angehörige ebenso wie für Ärzte und Pflegepersonal.

Seit vier Jahren ist Dr. Beate Manus, Leiterin der Geriatrie in der Klinik, die Vorsitzende des Gremiums. Ihm gehören neben Mitarbeitern der Klinik auch die beiden Pfarrer Holger Allmenröder (als Vertreter für die Katholiken) und Alexandru Lita (für die evangelische Kirche) sowie Monika Schulz von der Seligenstädter Hospizgruppe an. Durch diese „multiprofessionelle Zusammensetzung“ will man der Vielfalt an Problemen, die vor allem bei Entscheidungen am Lebensende allgegenwärtig sind, Rechnung tragen.

Das Komitee kommt in Konfliktsituationen zum Einsatz, und das Spektrum ist an einer Klinik groß. Etwa, wenn ein schwerkranker Patient keine Fortsetzung der Behandlung wünscht, seine Angehörigen dies aber nicht akzeptieren wollen. Dann versuchen Mitglieder des Komitees eine Lösung zu finden. In diesem Fall sei es einfacher, wenn eine Patientenverfügung vorliege, sagt Beate Manus. Das medizinische Handeln erfolge immer vor dem Hintergrund des Patientenwillens, heißt es in einem der sechs ethischen Leitsätze des Komitees.

Bei „komplizierten Fragestellungen“ während einer Behandlung gebe das Komitee den Patienten oder Angehörigen Hilfestellung. Wichtige sei dabei, dass sich in einem geschützten Raum ein Vertrauensverhältnis entwickle. Dass dabei alles Diskutierte der Schweigepflicht unterliegt, ist selbstverständlich.

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Aber auch Konflikte im alltäglichen Umgang miteinander können die Mitglieder des Gremiums beschäftigen. Wenn es etwa Probleme zwischen Pflegepersonal und Patienten oder auch unter Kollegen gibt. Dass das Komitee dazu zusammentreffen muss, um die Probleme gemeinsam zu erörtern, komme nur selten vor. „Häufig gelingt es, im Vorfeld eine Lösung zu finden“, sagt die Medizinerin, die seit 25 Jahren an der Asklepios-Klinik arbeitet.

Das Handeln des Ethikkomitees ist „jederzeit moralisch einwandfrei“, lautet ein weiterer Leitsatz. „Das bedeutet, dass wir die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellen, unabhängig von der Person“, sagt Dr. Beate Manus. Fürsorgepflicht und Verantwortung stehen über Herkunft, Religion, Hautfarbe, Alter oder Gesinnung.

Drei bis vier Mal im Jahr kommen die Mitglieder des Gremiums zusammen, um eine vorab formulierte Agenda abzuarbeiten. Damit die Existenz des Komitees auch von der Allgemeinheit wahrgenommen wird, steht alljährlich die „Aktion Vergissmeinnicht“, bei der die Arbeit vorgestellt wird, in der Klinik auf dem Programm.

Rubriklistenbild: © dpa

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