Atemberaubend virtuose Technik

+
Heike Matthiesen und Stefan Albrecht begeisterten ihre Zuhörer mit virtuosem Spiel.

Seligenstadt - Die Gitarre ist ein Instrument, das es in verschiedenen Formen schon seit einigen Tausend Jahren gibt. Ihre klassische Epoche durchlebte sie hauptsächlich in Wien und Paris, später kam London hinzu.

Die akustische Gitarre im Konzertsaal hat leidenschaftliche Anhänger. Sie war auch die Stütze des gutbesuchten Klosterkonzertes im Winterrefektorium der Abtei. Heike Matthiesen darf getrost als Virtuosin ihres Faches bezeichnet werden. Mit Emotion und Charisma begeisterte sie ihr Publikum. Den Auftakt bildete zusammen mit ihrem Duopartner, dem Mainzer Flötisten und Hochschullehrer Stefan Albrecht das Notturno op. 190 für Flöte und Gitarre des Neapolitaners Ferdinando Carulli (1770-1841), der als erster Musiker die Gitarre in Paris salonfähig gemacht hatte. Ein fulminanter Auftakt des Abends.

Angenehm überrascht waren die Besucher, die für die nun folgenden Solostücke für Gitarre einen gedämpften Eindruck erwartet hatten. Ein fast orchestraler Klang wechselte mit gefühlvollen Pianostellen, begleitet von virtuoser, atemberaubender Technik. Am Werk des 1806 in Preßburg (heute Bratislava) geborenen Johann Kaspar Mertz kommt kein Gitarrist vorbei. Mit dessen „Fantaisie über Don Juan op.28 und „Pisanto dell’Amante standen zwei Pretiosen der Gattung im Programm. Der Spanier Francisco Tárrega (1852-1909) hat das Kunststück fertiggebracht, bei „Preludio“ Chopins Musik vom Klavier auf die Gitarre zu übertragen. Ein Aha-Erlebnis auch die „Variations sur un duo de Don Juan op.6“ des weithin unbekannten Komponisten Jan de Bobrowicz (1805-1881). Der in Krakau Geborene wurde jedoch von seinen Zeitgenossen der „Chopin der Gitarre“ genannt.

Mit „Introduktion und Variationen über ein Thema aus der Zauberflöte op.9“ hatte sich der spanische Komponist Fernando Sor dem Zeitgenossen Mozart zugewandt; eine passende Überleitung zu dem Duetto aus „Cosi fan tutte“ von Wolfgang Amadeus Mozart in der Transkription von Simon Molitor. Ganz zur Freude des Publikums blieb Mozart auch beim folgenden Stück gegenwärtig, bei den Variationen über ein Thema aus der Entführung op.7 von Joseph Kreutzer. Beim strahlenden Schlusspunkt im offiziellen Teil des Programms kam im Duo die Flöte zu ihrem Recht. Im „Gran Duo Concertante“ op. 85 für Flöte und Gitarre von Mauro Giuliano (1781-1829) war Stefan Albrecht dann in vier ausgedehnten Sätzen erkennbar in seinem Element. Begeisterter Applaus für beide Interpreten, die eine Bearbeitung der berühmten Champagnerarie aus Don Giovanni als Zugabe gewährten. (sig)

Kommentare