„Auch wir leben über unsere Verhältnisse“

Seligenstadt (jp) - Der Neujahrsempfang der Seligenstädter SPD war auch für Dagmar B. Nonn-Adams ein gefühlter Neubeginn. Nach ihrer schweren Erkrankung hatte die Bürgermeisterin das politische Geschehen zuletzt mit etwas Abstand beobachten müssen, manches dafür „viel klarer gesehen“.

Dabei sei ihr aufgefallen, dass mancher Politiker, auch in der Kommunalpolitik, den kurzfristigen Erfolg über ein langfristiges Engagement für die Stadt und ihre Bürger stelle - entgegen der eigentlichen Pflicht. Für Nonn-Adams eine Frage des Stils. Als überparteiliche Bürgermeisterin habe sie es immer so gehalten, sich nicht in die „inneren Angelegenheiten“ der Parteien einzumischen.

Die Freiheit zu schweigen verstehe sie als Teil der Redefreiheit. Im Umkehrschluss fühle sie sich aber verpflichtet zu reden, wenn Schweigen als Zustimmung gewertet werden könnte.

Menschlichkeit kam nicht zu kurz

In diesem Zusammenhang bedankte sich die Rathauschefin bei der SPD-Ortsverbandsvorsitzenden Karin Hansen für die Unterstützung in der „schwierigen Zeit.“ Dafür, dass der Kontakt nicht abgerissen sei und bei allen politischen Turbulenzen die Menschlichkeit nicht zu kurz kam. In einer schnelllebigen Zeit, da jeder verstärkt um sein eigenes Wohl besorgt ist, keine Selbstverständlichkeit.

Nach ihrem kleinen persönlichen Rückblick richtetedie Bürgermeisterin das Augenmerk auf zwei zentrale Fragen, die in diesem Jahr im Raum stehen. Fragen, „die wir den Bürgern klar und deutlich beantworten müssen“. Fragen, die sich natürlich auch mit der strapazierten wirtschaftlichen Lage beschäftigen.

Keine Schulden zu Lasten der nächsten Generation

Da wäre zum einen: Leben wir - auch in Seligenstadt - über unsere Verhältnisse? Eine Frage, die Dagmar B. Nonn-Adams mit einem „Ja“ beantwortet. So lange, wie Schulden gemacht werden, die keine echte Investition sind, gehe dies zur Lasten der nächsten Generation.

Verlass scheint derzeit nur noch darauf zu sein, dass auf nichts mehr Verlass ist. „Trotzdem tun wir so, als wäre alles wie immer“, moniert die Rathauschefin. Wichtigste Aufgabe der Stadt sei es, die Entschuldung Seligenstadts nach vorne zu treiben. Dafür habe sie sechs Jahre hart gearbeitet und werde auch daran festhalten. Gut gemeinten Projekten, die nur über Kredite finanziert werden können, müssten daher eine Absage erteilt werden.

Ernsthaft sollten sich die Volksvertreter hinterfragen, ob nachhaltiges Vertrauen nicht wichtiger ist als kurzfristige Vorteile? Dagmar B. Nonn-Adams ist der Überzeugung, dass die Repräsentanten von Politik, Verwaltung und Wirtschaft, den Vertrauensvorschuss nicht leichtfertig aufs Spiel setzen dürfen. Dieser sei langsam aber sicher aufgebraucht. Die Botschaft für 2012: „Auf dem Teppich bleiben und gemeinsam Verantwortung für Stadt und Bürger übernehmen.“

Rubriklistenbild: © Rainer Sturm/pixelio.de

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