Seine Stimme ist das Saxophon

Victor Fox findet Aufnahme im Bundesjugendjazzorchester

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Heimspiel für einen künftigen Star? Victor Fox, hier mit Roger Kintopf (Bass) und Felix Ambach (Schlagzeug) im Café K, steigt als jüngster Musiker ins Bundesjugendjazzorchester ein.  

Seligenstadt - Erstklassigen Jazz haben sie gehört - und vielleicht sind die Besucher im voll besetzten Café K an der evangelischen Kirche am Sonntag auch einem künftigen Weltstar begegnet: dem 15-jährigen Seligenstädter Victor Fox.

Nach dem Gewinn des Bundeswettbewerbs „Jugend jazzt“ im vergangenen Jahr hat der Seligenstädter Victor Fox (15) den nächsten Schritt in Richtung internationale Karriere getan: Künftig spielt er erstes Tenorsaxophon im Bundesjugendjazzorchester (Bujazzo) - als mit Abstand jüngster Musiker seit Gründung der Elite-Bigband vor einem Vierteljahrhundert. „Es ist das Sprungbrett in den Berufsjazz und das wohl bedeutendste Jugend-Jazzprojekt der Welt“. Stefan Weilmünster, selbst eine Berühmtheit in der Szene und Dozent an der Frankfurter Musikhochschule, kommt aus dem Staunen über seinen hochbegabten Schüler nicht heraus. „Ich kann ihm nichts mehr beibringen“, hatte Weilmünster schon nach dem Bundessieg im vergangenen Sommer bekannt. Inzwischen, unter anderem bei einer USA-Tournee, habe Victor den Rest der Fachwelt verblüfft - etwa den Direktor der Musikhochschule Köln, Amerikaner und einer der weltbesten Jazz-Posaunisten. „Selbst diese Jazz-Ikone hatte jemanden wie Victor noch nie gehört“, so Weilmünster.

Begegnet sind sich der Veteran und der Newcomer im Auswahlverfahren für die Bundesformation, in der sich ansonsten vor allem examinierte Jung-Profis und Jazz-Studenten Anfang oder Mitte zwanzig treffen. „Bei einem so populären Instrument wie Saxofon ist die Konkurrenz natürlich groß“, weiß Weilmünster.

Allein auf die Stelle des ersten Tenor-Saxofonisten, die der Seligenstädter Victor Fox dann bekam, habe es um die 70 Bewerbungen gegeben - „alle von Spitzenleuten und Siegern überregionaler Wettbewerbe“.

Im Begriff, durch die Decke zu starten, hat Victor Fox mit seinem erprobten Trio „First Circle“ im Seligenstädter Café K ein Heimspiel. Schon früher ist der Jungstar, der auch der Bigband der Seligenstädter Musikschule die Treue hält, im Anbau der evangelischen Kirche aufgetreten. Bereits nach den ersten Motiven wird klar, warum er mit seinem Instrument selbst welterfahrene Profis fasziniert: Das Saxofon ist seine Stimme, die singen, erzählen, lachen oder auch schluchzen kann. „Du hörst rein, bist sofort drin und kommst lange, lange nicht mehr raus“, beschreibt ein Jazzfan später die Wirkung.

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Während sie erklingt, entsteht die Musik und belegt sämtliche Synapsen mit Beschlag. Das schafft die reibungsfreie Kommunikation zwischen Fox und seinen beiden Partnern. Roger Kintopf zupft auf seinem Kontrabass Akzente oder streicht Harmonien, lässt das sperrige Instrument bald wie eine Violine, dann wie eine Westerngitarre klingen. Dazu flüstert, donnert oder swingt Schlagzeuger Felix Ambach, der auch mit den Besen ein rocktaugliches Drumset-Solo schlagen oder mit zwei Glöckchen das sonst fast nie hörbare Taktmaß vergolden kann.

Beim Bujazzo wird Victor Fox Teil eines Teams mit festen Regeln und Verpflichtungen sein. Dieses Jahr stehen noch Tourneen in Südamerika und einige Auftritte in Großbritannien an. In den 90er Jahren von Kanzler Helmut Kohl und Jazz-Legende Peter Herbolzheimer gegründet, hat das Ensemble laut Weilmünster seine stets 17 Musiker - Profi-Standard für Bigbands - immer voran gebracht: „Praktisch jeder deutsche Jazzer von einiger Bedeutung war mal dabei“ - allerdings nicht viele vom Schlag eines Victor Fox. Sein Lehrer und Förderer wagt ein großes Wort: „Er ist wohl der beste Saxofonist dieses Alters, den wir in Deutschland je hatten“. 

rdk

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