So alt wie die Städte selbst

Ausstellung „Urban Art & Typography“

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Künstler und Kuratorinnen: Ruth Wahl, Boboter One, Bomber, Laudator David Grimm, Birgit Malsy-Grimm, Jörg Schmitz, Nadine Nitsche und Kai Lippok.

Seligenstadt - Das Interesse an der Vernissage im Alten Haus ist diesmal besonders groß. Vielleicht ist es dem populären Thema geschuldet, dass die Gäste noch zahlreicher als sonst erschienen sind.

Zur Eröffnung der Ausstellung „Urban Art & Typography“ in der Galerie Kunstforum hören sie eine bemerkenswerte Laudatio. David Grimm, Student der Kunstpädagogik und evangelischen Theologie an der Universität Frankfurt, versteht es, seine Künstlerfreunde dem Publikum nahe zu bringen und gleichzeitig kritische Distanz zu wahren.

Das Kunstforum Seligenstadt hat sich mit seiner neuen Ausstellung „Urban Art & Typography“ eines Themas angenommen, das im Grunde so alt ist wie die Entstehung der Städte. „Kommunikation im öffentlichen Raum“ gab es bereits im alten Rom. In den Ruinen von Pompeji beispielsweise sieht man an vielen Mauern Malereien und Kritzeleien, die man heute als Graffiti bezeichnen würde. So überschwemmt mit öffentlichen Bildern und Informationen wie heute war die Menschheit jedoch noch nie, „und niemand fragt uns, ob wir das sehen wollen“.

Kritisch auf die Stadtflächen schauen

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Deshalb unterbreitet David Grimm den Vorschlag, kritisch auf die Stadtflächen zu schauen: Wer hat für das, was er dort angebracht hat, gezahlt und wer nicht? So bestehe nur noch der Unterschied zwischen zweckdienlicher Anbiederung und Penetration um der lieben Kaufkraft willen und der etwas naiven und idealistischen Leidenschaft eines Street-Artists, der in der Stadt Sticker verteilt und um seine Existenz fürchtet, sollte er dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Nun könne nicht alles, was auf der Straße an Kritzeleien und vermeintlichem Geschmier zu finden ist, als Kunst gerechtfertigt werden. Gehe es um die Kommunikation im öffentlichen Raum, sei offensichtlich: Unsichtbar wird die Dummheit, wenn sie genügend große Ausmaße angenommen hat. Davon seien Werbeagenturen und urbane Künstler gleichermaßen betroffen. Es gibt qualitative Unterschiede zwischen den Werken und dem vermeintlich normalen Werbekrieg in der Stadt, betonte Grimm. Letztlich gehe es um Durchsetzungsfähigkeit. Da auch schlechte Werbung wirksam ist, sei das Recht des Stärkeren das stärkste Unrecht.

Zu sehen sind in der Ausstellung, die bis zum Pfingstmontag, 9. Juni, dauert, Beispiele des Schaffens im urbanen Raum von fünf Künstlern aus dem Rhein-Main-Gebiet: Bomber (Helge W. Steinmann), Boboter One (Balázs Vesszösi), Jörg Schmitz, Herr Peng und Kai Lippok. Mit Birgit Malsy-Grimm, Ruth Wahl und Nadine Nitsche sind drei Kuratorinnen des Kunstforums Seligenstadt am erfolgreichen Zustandekommen der Ausstellung beteiligt. Für Sonntag, 25. Mai, ist wieder die Veranstaltung „Wein, Wasser und Worte zur Kunst“ geplant; gleichzeitig gibt es hinter der Galerie eine Sprayaktion mit den Künstlern.

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kd

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