Wende im Streit

Bahnhofsgelände: Die Hoffnung auf Befriedung

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Seligenstadt - Überraschende Wende im Streit über das Seligenstädter Bahnhofsgelände. Statt Wohnbebauung, wie der Investor Karl-Ludwig Toth (VT GmbH, Altenstadt) das vorsieht, sollen auf dem Areal künftig Flächen für den ruhenden Verkehr sowie Grünanlagen entstehen. Von Michael Hofmann

Das sieht ein einstimmig verabschiedeter Stadtverordnetenbeschluss nun vor. Zudem erhält der Magistrat den Auftrag, mit der Bahn Verhandlungen über den Kauf des Geländes aufzunehmen. Fast ein Dutzend Anträge zur künftigen Gestaltung des Seligenstädter Bahnhofsareals stehen im Raum, doch von ihnen interessierten in der Stadtverordnetenversammlung am Montagabend im Feuerwehrhaus lediglich einige Essenzen - im Mittelpunkt stand vielmehr eine überraschend vorgelegte Gemeinschaftsproduktion von CDU-, SPD- und Grünen-Fraktion. Demnach soll die Stadt in der Bahnhofsfrage Nägel mit Köpfen machen, um die Fläche vor den geplanten Wohnbebauung zu bewahren.

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Um von der mutmaßlich parallel laufenden Entwidmung des Bahnhofsgeländes, die vor einem endgültigen Erwerb durch Toth erforderlich ist, nicht überrascht zu werden, scheint Eile geboten. Deshalb sind einige Modifizierungen der bereits vom Magistrat vorgelegten Aufstellung des Bebauungsplans 81 („Bahnhofsgelände Seligenstadt“) sowie weitere flankierende Maßnahmen geplant. Ziel des Bebauungsplans „ist die Ausweisung von Flächen für den ruhenden Verkehr, für den öffentlichen Personennahverkehr sowie für Grünanlagen.“ Zur Absicherung beschlossen die Stadtverordneten eine zweijährige Veränderungssperre, die am Tag nach der Bekanntmachung in der Offenbach-Post in Kraft treten soll. „Das könnte schon nächste Woche sein“, so CDU-Fraktionschef Joachim Bergmann.

Inzwischen soll der Magistrat „unverzüglich mit der DB-Service Immobilien GmbH, Niederlassung Frankfurt, Verhandlungen über den Erwerb des Bahngeländes an der Eisenbahnstraße führen (...) Vor dem endgültigen Erwerb ist der Stadtverordnetenversammlung der Kaufvertrag zur Beschlussfassung vorzulegen.“

Lob für Bürgerinitiative

Entsprechende Mittel sollen im Seligenstädter Finanzplan 2013 bereitgestellt werden. Während der Antrag bis zu dieser Stelle die Zustimmung aller Fraktionen fand, sprachen sich FWS und FDP gegen die abschließende Passage aus, nach der der Magistrat alle bisherigen Aktivitäten der Stadt in Sachen Bahnhofsgelände zusammentragen und vorlegen soll - nach dem Motto „Wer hat wann mit wem zu welchem Zweck gesprochen?“

In ihrer Antragsbegründung sagte SPD-Fraktionsvorsitzende Heide Wolf, nun liege ein Lösungsvorschlag vor, der „breite Zustimmung im Parlament und in der Bevölkerung finden kann.“ Zu verdanken sei dies in erster Linie den Aktivitäten der BI „Stoppt die Stadtbildzerstörung“, deren Aufklärungsarbeit letztlich zu einem „Aufschrei in der Bevölkerung“ geführt habe. Wolf hob CDU-Fraktionschef Bergmanns Beitrag heraus, der bei der Zusammenstellung des Antrags große Fachkompetenz bewiesen habe. Natascha Maldener-Kowolik (Grüne) lobte die BI, die „ein waches Ohr am Geschehen“ bewiesen habe. Mit Blick auf die Rathaus-Aktivitäten sprach Maldener-Kowolik allerdings von „einem großen Vertrauensverlust, was die Verwaltung angeht.“ Zu wenig zügig seien die Parlamentsinitiativen abgearbeitet worden. Auch Liberalen-Chef René Rock zeigte große Sympathie für das neue Antragswerk, fand er doch Forderungen eines FDP-Antrags („Nichtbebauung“) aufgenommen. Er hoffe nunmehr auf Befriedung in der Stadt, auch sei es nun möglich, Fehlentwicklungen zu verhindern. Für FWS-Chef Jürgen Kraft hat selbst Investor Toth Anteil am nun gefundenen Weg: „Er hat mit seiner Planung gezeigt, wie es nicht laufen sollte.“

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