„Verbrettertes Bahnhofsgelände stört den Kundenfluss“

Bahnhofstraße: Stirbt die Vielfalt?

Wie das Foto-Studio Duben haben einige Geschäfte in der Bahnhofstraße mittlerweile dicht gemacht.
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Wie das Foto-Studio Duben haben einige Geschäfte in der Bahnhofstraße mittlerweile dicht gemacht.

Seligenstadt - Traditionsgeschäfte an der Bahnhofstraße sind verschwunden. Ob die Buchhandlung Sprey oder das Fotografenstudio Duben. Zudem stehen die Räume des ehemaligen Sonnenstudios leer, ebenso die Räume eines Cafés. Stirbt die Vielfalt? Von Thomas Hanel

„Nein, ich sehe dort keine Krise“, sagt Wolfgang Reuter, Vorsitzender des Gewerbevereins Seligenstadt, über die Bahnhofstraße. Der Gewerbeverein habe sich zwar mit der Problematik Bahnhofstraße befasst, „das Thema steht aber nicht auf der oberen Prioritätenliste unserer Arbeit“, sagt Reuter. Sein Argument: Es gibt problematische Stellen, aber dennoch ist der ImmobilienMarkt da. „Kleinere Einheiten sind da und werden vergeben, bei größeren Objekten ist es etwas schwerer“, ist Reuter vorsichtig optimistisch. Zudem gebe es mit dem großen Sportgeschäft, der Apotheke und der Post mit angeschlossener Schreibwarenhandlung Geschäfte mit viel Frequenz.

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Den zumeist älteren Häusern geschuldet ist allerdings, dass sie nur über Treppenstufen zu erreichen sind. Und wer die vielen Rollatoren-Nutzer in der Stadt sieht, kann sich denken, dass Denkmalschutz – wie überall in der Altstadt – den Kunden keine Alternativen in den Zugangsmöglichkeiten zu ihren Geschäften bietet kann. Reuter sieht aber ein weitaus größeres Problem: „Das verbretterte Bahnhofsgelände stört natürlich den Kundenfluss.“ Will heißen: Das obere Ende der Bahnhofstraße ist dicht, von dort verirrt sich kaum noch jemand über den Zugang Bahnhofstraße in Richtung Stadtmitte. Lediglich vom „Dalles“ am Marktplatz gehen Impulse aus, sagt ein Einzelhändler, der nicht genannt werden wollte. Und von den verbliebenen größeren Geschäften natürlich auch. Reuters Resümee: „ Die weitere Entwicklung der Bahnhofstraße wird von der zukünftigen Nutzung des Bahnhofgeländes abhängig sein.“

Hier zieht ein ganzer Bahnhof um

Reuters Einschätzung wird von Immobilienprofi Reinhold Korb geteilt. „Dass dort jetzt mehrere alteingesessene Geschäfte dichtmachen oder umziehen, ist Zufall.“ Der Markt sei da. Sehen auch seine Kollegen in Seligenstadt so: „Frequenzbringer sind ja vorhanden. Und wenn der Bahnhof wieder frei ist, ist dies ein positives Signal für die Bahnhofstraße.“

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