Streit um fünf alte Linden an der Eisenbahnstraße / Unterschriften-Aktion

Barrierefreiheit oder Bäume mitten auf dem Gehweg

Lindenbäume an der Eisenbahnstraße: „Sturmgeschädigt und in keinem guten Zustand“
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Lindenbäume an der Eisenbahnstraße: „Sturmgeschädigt und in keinem guten Zustand“

Seligenstadt – Die drohende Fällung von fünf alten Lindenbäume an der Eisenbahnstraße, Abschnitt Würzburger bis Rektor-Weil-Straße, sorgt bei den Grünen, aber auch unter Bürgern, für Empörung. Die Rede ist von irreführenden Informationen („Baumschneidearbeiten“), der Zerstörung von Fledermaus-Zufluchtsorten, und schließlich kommen auch emotionale Argumente hinzu. So erinnert Gisela Meutzner daran, dass einer der Bäume bei der Munitionsexplosion 1946 Helmut Keller Schutz bot, während sechs Spielkameraden starben. Kellers größtes Anliegen sei, dass an diesem Baum eine Erinnerungstafel angebracht wird. Meutzner selbst erinnert an ein Gedicht, das ihre Mutter schrieb, als sie in den Jahren 1987/88 selbst um die Linden gekämpft habe.

Der Wunsch der Stadtverordneten, bei der Umgestaltung des Bahnhofsgeländes den alten Baumbestand in der Eisenbahnstraße bestmöglich zu schützen, lässt sich nach Angaben der Stadtverwaltung nur teilweise erfüllen: Auf der östlichen Seite zwischen Frankfurter Straße und Bahnhofstraße können alle Bäume komplett erhalten, lediglich einer soll versetzt werden.

Im anderen Abschnitt sei es jedoch notwendig, die Bäume auf der westlichen Seite zu fällen. Durch den Umbau der alten Trafo- und Gasstation mit der Trassenführung der alten und neuen Versorgungsleitungen sowie den Bau eines Gehwegs könne der Baumbestand dort nicht erhalten werden, ohne die gesamte Planung aufzugeben. „Wir müssen uns entscheiden! Entweder bauen wir im Sinne der guten Erschließung und Barrierefreiheit einen neuen, modernen Gehweg und pflanzen neue Bäume an anderer Stelle nach, oder wir haben die alten Bäume am bisherigen Standort stehen und keine Chance für einen durchgängigen Gehweg“, nimmt Erster Stadtrat Michael Gerheim (SPD) Stellung. Bürgermeister Daniell Bastian (FDP) hält Kritikern entgegen, sie seien teilweise unzureichend informiert, überhöhten andererseits sturmgeschädigte Bäume, die sich in keinem guten Zustand mehr befänden, massiv. „Und die Grünen schüren das“.

Die Öko-Partei kritisiert die ihrer Ansicht nach unzureichende Informationspolitik der Verwaltung und reagierte. „Wir haben innerhalb einer Woche 440 Unterschriften aus Seligenstadt allein über die Online-Petition gesammelt. 234 Kommentare von 673 Unterzeichnern untermauern deutlich, dass den Bürgern die Erhaltung alter Bäume enorm wichtig ist“, so Adina Biemüller, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

Zur Fällung stehen nach Angaben Bastians - noch in diesem Jahr - zwölf Bäume an, im Gegenzug sei die Anpflanzung von 40 neuen Bäumen im Bereich der Eisenbahnstraße geplant. Eine Begutachtung habe ergeben, dass dort kein Quartierpotenzial für baumbewohnende Tierarten existiere. „Die Erhaltung von wenigen Bäumen darf nicht zum politischen Selbstzweck werden und andere Interessen völlig überlagern“, sagt Daniell Bastian. Ein Gehweg müsse aus verkehrstechnischen Vorgaben (Schulweg- und Fußgängerführung) ausgebaut werden, da dort die Hauptzufahrt zu der neuen „P+R“-Anlage und zur Buswendeanlage verlaufe.

Von Michael Hofmann

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