Kritik am Bauamt des Bistums

Zahlreiche Sanierungsprojekte: Bauverein plant behindertengerechte Rampe zur Basilika

Durchbruch: Die nicht denkmalgeschützte Sandsteinmauer soll einer behindertengerechten Rampe weichen, die auf die Kirchplatte führt, erläutern Marcus Bayer (links) und Gerhard Klein.
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Durchbruch: Die nicht denkmalgeschützte Sandsteinmauer soll einer behindertengerechten Rampe weichen, die auf die Kirchplatte führt, erläutern Marcus Bayer (links) und Gerhard Klein.

Die Seligenstädter Basilika ist ein herausragendes Kirchenbauwerk. Trotz ihres nach außen hin erstrahlenden Glanzes gibt es eine Reihe von Baustellen im Inneren.

Seligenstadt – Das aus dem 18. Jahrhundert stammende Chorgestühl der Querhäuser wurde kürzlich aufwendig und mit viel Akribie originalgetreu restauriert. Nun erstrahlt das mit Holzfiguren verzierte Gestühl in neuem Glanz, alle Bestandteile haben im Altarraum – zuvor verstreut auf verschiedenen Plätzen – einen neuen Platz gefunden. Das historische Holzmöbel aus dem Bestand des 1803 geschlossenen Klosters wurde vor dem Hochaltar, ganz nach benediktinischer Tradition, vereint. „Dort kommt es voll zur Geltung“, so Marcus Bayer, Vorsitzender des Basilika-Bauvereins. „Wir sind der Schreinerei Winfried Kemmerer für ihre tolle restauratorische Arbeit sehr dankbar“, ergänzt Gerhard Klein, stellvertretender Verwaltungsrat des Pfarreienverbunds und Schatzmeister des Basilika-Bauvereins. Die Kosten in Höhe von 19 000 Euro haben sich Bauverein und Pfarrei geteilt.

Die Basilika hat indes weitere „Baustellen“, die vom Basilika-Bauverein abgearbeitet werden wollen. Dazu braucht es natürlich Geld. Viel Geld. Denn die Sanierungskosten sind immens. Der Förderverein kümmert sich um die Akquise von Finanzmitteln, die zweckgebunden in Baumaßnahmen für den karolingischen Kirchenbau fließen.

In wenigen Monaten soll es für gehandicapte Besucher möglich sein, über eine behindertengerechte Rampe am Haupteingang die Basilika zu besuchen. Entsprechende Pläne wurden mit Stadt, Denkmalschutzbehörde und Bistums-Bauamt abgestimmt. Dazu wird eine nicht unter Denkmalschutz stehende Sandsteinmauer durchbrochen. Die zweigeteilte Rampe soll auf der rechten Seite, wo sich Fahrradständer befinden, beginnen. Sie führt durch den Mauerdurchbruch in einem Neigungswinkel von sechs Grad auf die Kirchplatte. Sie wird die beiden mehrstufigen Treppenaufgänge überwinden und gehbehinderten Besuchern einen barrierefreien Zugang zur Basilika ermöglichen. „Die zweite, kleinere Rampe überwindet die beiden Stufen auf der linken Seite der Kirchplatte hin zum Hans-Memling-Haus“, erläutert Marcus Bayer. Die Kosten der Maßnahme liegen bei ca. 150 000 Euro, die Pfarrei und Stadt je zur Hälfte tragen. „Derzeit liegt eine entsprechende Vorlage der Stadtverordnetenversammlung vor. Die soll darüber beschließen und so einen Zuschuss von 75 000 Euro freigeben“, erläutert Gerhard Klein.

Schutz: In zwölf Metern Höhe hängt im Engelsturm über dem Vierungsbogen ein Netz, das herabfallenden Putz auffangen soll.

Auf dem Wunschzettel des Verwaltungsrats steht die Beseitigung weiterer baulicher Mängel. Es gibt gleich mehrere Wünsche: Eine neue Heizung für die Basilika, zudem eine dringend notwendige Lautsprecheranlage und ein neuer Innenanstrich der in zunehmendem Grauton erscheinenden Innenwände. In rund zwölf Metern Höhe hängt im Engelsturm über dem Vierungsbogen ein Netz. „Es soll herabfallende Putzteile auffangen. Zudem sind dort einige Reflektoren angebracht, um eventuell vorkommende Setzrisse zu messen“, erläutert Bayer.

Die Umsetzung der Baumaßnahmen hängt maßgeblich vom Bauamt des Bistums Mainz ab. „Die Zusammenarbeit ist absolut unbefriedigend. Auf unsere Schreiben hin gibt es keine Antwort, keine Zusagen, und zudem werden bereits zugesagte Gelder nicht ausgezahlt“, beklagen Bayer und Klein. „Wir wollten schon viel mehr Renovierungsmaßnahmen umsetzen, werden jedoch vom trägen Bauamt ausgebremst und hingehalten.“ Kritisch ist auch der Zustand der Basilika-Flachdecke. Die nachträglich eingebaute Holzdecke ist in einem schlechten Zustand und hat Sicherheitsmängel, die alte Dämmung wurde bereits vor einigen Jahren entfernt. „Der Einbau einer neuen Dämmung und Sicherung der Begehung wird von Mainz ebenfalls blockiert“, erläutert Bayer.

Der auf Initiative von Pfarrer Philipp Lambert in den 1950er Jahren ins Leben gerufene Basilika-Bauverein wurde 2012 mit neuem Leben erfüllt und zählt aktuell rund 100 Mitglieder. Durch regelmäßige Spenden werden Mittel für Baumaßnahmen gesammelt. „2012 hatten wir bei einem großen Benefiz-Musical 60 000 Euro für Basilika-Baumaßnahmen – Neueindeckung des nördlichen Seitenschiffdachs – gesammelt“, erinnert Bayer. „Für den Sommer 2023 oder ‘24 planen wir die Aufführung eines zweiten ‚Lusticals‘, eine Mischung aus Krimi, Komödie, Liebesgeschichte. Es geht darum, wie die Reliquien der Märtyrer Marcellinus und Petrus in die Basilika kamen.“

Für die Weihnachtstage hatte der Basilika-Bauverein eine festliche CD mit Orgel- und Trompetenklängen mit Organist Thomas Gabriel und Frank Düppenbecker neu aufgelegt. Sie ist für 15 Euro bei der Tourist-Information am Marktplatz erhältlich oder per E-Mail an bauverein@basilika.de. (Von Holger Hackendahl)

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