Bebauungsplan „Gewerbegebiet Stehnweg“

Amphibienschutz reicht aus

Froschhausen - Der Bebauungsplan Nummer 70 für das Gewerbegebiet Stehnweg am Ortseingang des Seligenstädter Stadtteils Froschhausen ist nun rechtskräftig. Den Satzungsbeschluss dazu fassten die Stadtverordneten mehrheitlich in ihrer jüngsten Sitzung. Von Sabine Müller

Laut Verwaltung erhält das rund vier Hektar große Gesamtgebiet, dessen rechtliche Bebauung bisher auf Paragraf 35 des Baugesetzbuches fußt, damit vor allem Bestandsschutz. Außerdem seien künftig durch eine geordnete Erschließung Möglichkeiten zur Erweiterung und zur Errichtung von Neubauten gegeben.

Als Altlaststandorte werden im Entwurf die Anwesen Stehnweg Nummer 2 (Autolackiererei), Nummer 8 (Metallbearbeitung) und Nummer 14 (Handel mit Industrieabfällen von 1970-79) ausgewiesen.

Die Vorlaufzeit zum Bebauungsplan geht bis ins Jahr 2010 zurück, als das Seligenstädter Stadtparlament im Mai den Entwurf billigte, dem die öffentliche Auslegung folgte. Die Stellungnahmen der Fachbehörden enthielten zahlreiche Anregungen und Hinweise, die von der Verwaltung abgewogen wurden, letztlich aber die Grundzüge der Planung nicht berührten.

Biologisches Fachgutachten

Vor allem der Kreisausschuss Offenbach hatte in 16 Punkten Einwände angemeldet. Drei Aspekte hatte die Seligenstädter Grünen-Fraktion aufgegriffen und in einen Änderungsantrag zur Vorlage des Magistrats verpackt. An zwei hielten sie bis zur Abstimmung fest, bekamen jedoch keine Mehrheit hinter sich.

So folgte sie der Forderung des Kreisausschusses vom 15. Juli 2010 in Punkt 3.2: „Die im biologischen Fachgutachten empfohlene Amphibienleitanlage ist zwar im Bebauungsplanentwurf umgesetzt worden, erscheint aber nicht ausreichend.“ Aufgrund der Verdichtung des Gewerbegebietes und damit mehr Autoverkehr werde davon ausgegangen, dass das Gebiet einen Riegel zwischen den westlichen Naturschutzgebieten Obermannslache und Schwarzbruch und dem östlich gelegenen Harressee darstelle. Während die Tiere derzeit das Gebiet durch die Gartenanlagen queren könnten, müssten sie nach dem Planentwurf außen herum wandern, um ihre Lebensräume und Laichplätze zu erreichen. Um die Durchlässigkeit für Kleintiere zu erhöhen, wurde vorgeschlagen, in derzeit nicht bebauten Bereichen Grünkorridore freizuhalten.

Der Krokodil-Flüsterer aus Dietzenbach

Unter Punkt 3.4 verlangen der Kreisausschuss und damit die Grünen: „Der Bebauungsplan ist um die Stehnwegzuführung zu erweitern, um auch in diesem Bereich Amphibienleitzäune festzusetzen.“ Die Begründung des Fraktionsantrags: Der Magistrat gewichte die gewerbliche Nutzung der Grundstücke höher als die Wanderungsmöglichkeit von Amphibien, dies „darf so nicht festgeschrieben werden“. Im Beschlussentwurf hatte der Magistrat diese Forderungen zurückgewiesen: Die entlang der Außengrenzen des Plangebietes geplante stationäre Amphibienleitanlage sowie der Amphibientunnel seien ausreichend. Dies sahen auch die Fraktionen von CDU, SPD und FDP so, die die Satzung gegen das Votum von Grünen und FWS beschlossen.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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