IG vermisst Feingefühl bei Planung

Seligenstadt - Die Interessengemeinschaft „Wir wollen mitreden Bebauungsplan 77“ meldet sich wieder zu Wort. Die Gruppe hatte eine Umfrage an alle Anwohner gestartet. Von Sabine Müller

Wie berichtet, hatte eine Gruppe engagierter Seligenstädter aus dem Wohngebiet um die Giselastraße Mitte Januar eine Umfrage an alle Anwohner im Gebiet des künftigen Bebauungsplanes Nr. 77 gestartet. Das Ziel: Den politisch Verantwortlichen ein Meinungsbild hinsichtlich der künftigen Bebauung im Wohngebiet zu vermitteln, damit die Wünsche der Bürger berücksichtigt werden.

Mittlerweile haben die IG-Mitglieder den Rücklauf der Fragebögen ausgewertet. Dieser war nicht so hoch, wie sich IG-Sprecherin Adina Biemüller ursprünglich erhofft hatte.

Mit dem Ergebnis zufrieden

Sie ist mit dem Ergebnis aber dennoch zufrieden. In der Einhard-, Eisenbahn-, Gisela-, Hans-Memling-, Jean-Hofmann-, Matthias-Grünewald-, Merian-, Ratleik-, Rektor-Weil- und Würzburger Straße waren 280 Anschreiben verteilt worden, 97 Anwohner hatten eine unterzeichnete Stellungnahme abgegeben. Zu zwei Stammtischterminen waren jeweils rund 30 Besucher gekommen.

„Dies zeigt, dass ein Großteil der Anwohner bei der Aufstellung des Bebauungsplanes nicht übergangen werden möchte“, schlussfolgert die IG in einem Schreiben, das allen Magistrats- und Fraktionsmitgliedern zuging - zusammen mit der anonymisierten Auswertung, die akribisch zwischen den jeweiligen Straßen sowie Eigentümern und Mietern unterscheidet.

Nicht andere Begehrlichkeiten wecken

Unter einer „zukunftsorientierten Stadtplanung“ verstehen die Bürger, dass eine Nachverdichtung für die Eigentümer zugelassen wird, aber nicht andere Begehrlichkeiten geweckt werden. Wohnstruktur, Erscheinungsbild und die Lebensqualität des gewachsenen Wohngebietes sollten erhalten bleiben. „Wir sprechen damit den Wunsch von 99 Prozent aller den Fragebogen beantwortenden Anwohner aus.“

Derzeit werde nicht nur in diesem Wohngebiet der Anschein erweckt, dass nur flächen- und gewinnoptimiert im Sinne von Bauträgern und Investoren gehandelt wird. Wenn inmitten von Zweifamilienwohnhäusern ein Grundstück mit einem Fünf- sowie einem Sechsfamilienwohnhaus bebaut werde, so wie jetzt in der Steiner Straße 6/Zellhäuser Straße 31, wertet die IG dies als „fehlendes Feingefühl bei der Stadtplanung und Ignoranz gegenüber denen, die als direkte Nachbarn die Konsequenzen zu tragen haben“.

Grünflächen sollen bleiben

Auf zwei DIN-A-4-Seiten werden Anregungen zur Erstellung des Bebauungsplanes 77 gegeben. Dazu gehören die bauliche Nutzung als allgemeines Wohngebiet, die Beschränkung auf ein bis drei Wohneinheiten, die Begrenzung auf maximal zwei Vollgeschosse sowie die baulichen Ausnutzung eines Grundstücks.

Architektin Adina Biemüller gibt den Entscheidungsträgern dafür exakte Grund- und Geschossflächenzahlen an die Hand. „Uns ist auch wichtig, dass Grünfläche übrig bleibt, und nicht alles mit Stellflächen und Zufahrten zugepflastert wird.“

Bürger sollen sich beteiligen

95 Prozent der Befragten seien übrigens der Überzeugung, dass der Magistrat in seiner der Bauaufsicht vorzulegenden Stellungnahme zu geplanten Bauvorhaben gewissenhafter die Zulässigkeit überprüfen sollte.

Zeitgleich - aber nicht als Reaktion auf die Umfrage der Interessengemeinschaft - hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen einen Antrag zur vorgezogenen Beteiligung der Bürger an der Bauleitplanung in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. In der Begründung heißt es: „Nachdem in Seligenstadt in letzter Zeit die Belange der Bürger bei der Bauleitplanung erst spät, also zur Offenlegung des Bebauungsplans, berücksichtigt und dann nicht immer zufriedenstellend gelöst wurden, sind wir für die Aufnahme von Richtlinien zur vorgezogenen Bürgerbeteiligung in die Hauptsatzung der Stadt Seligenstadt.“

Rubriklistenbild: © Paul-Georg Meister / pixelio.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare