Ostkreis-Mountainbiker auf problematischem Terrain

Berg- und Talfahrt

Pumptrail im Seligenstädter Wald: Illegale Anlage, so Stadt und Hessen-Forst.
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Pumptrail im Seligenstädter Wald: Illegale Anlage, so Stadt und Hessen-Forst.

Ostkreis – Sie heißen Pumptrail, Dirtbike oder Biketrail und haben ein großes gemeinsames Problem: Weil das Hessische Forstgesetz das Fahrrad- oder Mountainbike-Fahren außerhalb öffentlicher Wege im Wald verbietet, ist eine Genehmigung von Rund- und Hinderniskursen auch im Ostkreis nur schwer vorstellbar. Szenen einer Berg- und Talfahrt:

Viele Jugendliche sind Mountainbiker, haben ihren Spaß daran, im Wald über einen Hindernisparcours zu brettern. Ins Blickfeld der Öffentlichkeit geriet das sportliche Hobby Mitte Mai, als die Stadt Seligenstadt den Bauhof damit beauftragte, eine von Jugendlichen im Stadtwald errichtete und einige Zeit unentdeckte Anlage, einen Pumptrail mit selbst gebauten Sprungelementen und Hügeln, mit schwerem Gerät plattzumachen. Die Wellen schwappten hoch, Eltern beschwerten sich wütend, der Jugendbeirat protestierte – und die CDU verabredete sich mit Jugendlichen zum Ortstermin.

Stadt und Hessen-Forst rechtfertigten das harsche Vorgehen: Der Pumptrail sei illegal errichtet worden; wäre es zu einem Unfall gekommen, hätte die Stadt als Eigentümerin des Waldes gehaftet, selbst wenn sie nichts von der verborgenen Vergnügungsstätte gewusst hätte. Bürgermeister Daniell Bastian, selbst passionierter Radler und Vater, sagte, da Bäume gefällt oder kleinere beiseite gedrückt worden seien, habe die Stadt keine andere Möglichkeit gehabt; im Sinne des Forstgesetzes seien dies sogar Ordnungswidrigkeiten gewesen. Bastian betonte, er habe den Eltern der jugendlichen Biker angeboten, sich zusammenzusetzen und eine „legale Alternative“ zu finden. Möglichst außerhalb des Waldes.

Die CDU stellte im Mai eine Liste mit Fragen an die Stadtverwaltung zusammen, Tenor „Etablierung einer Mountainbike-Strecke“. Die Antworten fielen ernüchternd aus: Der Wald scheidet aus; auf freiem Feld ist das Plazet von Bauaufsicht und Unterer Naturschutzbehörde erforderlich; eine Übertragung des Vorhabens an einen Verein (als Grundstückspächter) ist zwar möglich, die Haftungsfrage muss aber geklärt werden; Fördermittel gibt’s keine. Eine echte Perspektive für die Mountainbiker damit also auch nicht. Trostpflaster: In der jüngsten Stadtverordnetensitzung wurde ein CDU-Antrag einstimmig verabschiedet.

Demzufolge soll der Magistrat mit Jugendbeirat, Umweltorganisationen und Behörden die Möglichkeiten eines Pumptrails oder einer Mountainbike-Piste ausloten. Dabei sollen sie Örtlichkeiten, Haftung und Kosten erörtern. Oliver Steidl (CDU) und Marius Müller (SPD) sprachen von guten Ansätzen, doch seien etliche Fragen ungeklärt.

Das sieht auch der Bürgermeister so, dem zudem eine allgemeine Zurückhaltung im Stadtparlament auffiel. Zuerst mal, so Bastian am Donnerstag, müsse geklärt sein, ob und wie viele Nutzer überhaupt noch Interesse hätten. Der Trail mitten im Wald sei illegal gewesen, der Wald komme grundsätzlich kaum in Frage. Wenn überhaupt, müsse Hessen-Forst ein Verfahren einleiten, auch die Frage der Ausgleichsmaßnahmen stelle sich. Deutlich sei: „Wenn man’s richtig machen will, kostet es richtig Geld.“ Auch die Unfallgefahr erwähnt Bastian, erinnert an einen spektakulären Fall in Dieburg, als ein verunglückter Biker per Hubschrauber abtransportiert wurde.

Gleichwohl, so der Rathauschef, existiere auch auf Hainburger Gemarkung eine illegale Piste, die freilich legalisiert werden solle.

Wie in Seligenstadt gibt es auch in Mainhausen Biker, die ihren Sport inmitten der Natur ausüben möchten. Die dortige IG Mountainbike hat nach Angaben des Ersten Beigeordneten Thorsten Reuter ein überzeugendes Exposé für ihre Dirtbike-Strecke vorgelegt. Die Biker profitierten dabei von Kontakten zu Alzenauer Radsportlern, die am Hahnenkamm aktiv seien. Reuter will das Projekt unterstützen, eine Begehung des Geländes mit Hessen Forst sei geplant.

Das Areal sei gut eingerichtet, die Biker kümmerten sich auch darum, lobt der Beigeordnete. Die Strecke gebe es seit 15 Jahren, sie sei lange verwahrlost gewesen, inzwischen aber wieder aktiviert worden. Wenn die Forstbehörde nichts dagegen habe, so Reuter, werde die Gemeinde der Nutzung zustimmen. Die Haftung obliege allerdings dem Verein.

Von Michael Hofmann

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