Der besondere Einschnitt

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Alterspräsident Rolf Wenzel (SPD) gratulierte seinem Parteifreund Peter Sulzmann (rechts), der gegen die Stimmen der CDU zum neuen Stadtverordnetenvorsteher gewählt wurde.

Seligenstadt (sig) - Das neue Bündnis aus SPD, Grüne, Freie Wähler (FWS) und FDP hat Peter Sulzmann (SPD) im Verlauf der konstituierenden Sitzung der Seligenstädter Stadtverordnetenversammlung zum Ersten Bürger gewählt. Von Oliver Signus

Der 1964 geborene Rechtsanwalt erhielt 20 Stimmen (FWS-Parlamentarier Karl Stenger fehlte). Die CDU hingegen stimmte geschlossen mit 16 Stimmen für ihren Kandidaten Steffen Thiel.

„Sachorientierte Arbeit bei Anerkennung der Persönlichkeit des politisch Andersdenkenden“ wünschte sich Rolf Wenzel (SPD), der bis zur Wahl Sulzmanns als Alterspräsident die Sitzung leitete. Er erinnerte auch daran, „dass die vergangene Legislaturperiode (..) von leidenschaftlichen politischen Auseinandersetzungen geprägt war. Persönliche Beleidigungen oder Verunglimpfungen waren nicht zu beklagen“, meinte Wenzel.

Von einem besonderen Einschnitt sprach CDU-Fraktionschef Joachim Bergmann, nachdem seine Fraktion bei den Kommunalwahlen Ende März nach zehn Jahren die absolute Mehrheit eingebüßt hatte. Bergmann warb für den 34-jährigen Thiel als Stadtverordnetenvorsteher, der sich „in ganz hervorragender Weise dazu eignet, dass Amt auszufüllen und die Stadt zu repräsentieren“. Bergmann wies darauf hin, dass es in Seligenstadt Tradition gewesen sei, dass die stärkste Fraktion den Ersten Bürger stelle. Dies sei nach wie vor die CDU.

„Tabubruch“ und „Instinktlosigkeit“

„Für die Sozialdemokraten ist der Tabubruch die historische Chance, wieder einmal einen Fuß vor den anderen zu bekommen.“ Peter Sulzmann hat „bis zum heutigen Tage auch in unserer Fraktion hohes Ansehen genossen“, fuhr Joachim Bergmann fort. Dass er sich nun „missbrauchen“ lasse, „gegen alle Traditionen, zur Demonstration der Macht der neuen Mehrheit sich zum Stadtverordnetenvorsteher wählen zu lassen, ist eine Instinktlosigkeit und lässt erheblichen Zweifel an seinem Charakter aufkommen“, kartete der CDU-Fraktionschef nach.

Die Wahl Sulzmanns nannte er einen „schwarzen Tag für Seligenstadt“. Sie zeige einen Politikstil auf, „der für die nächsten fünf Jahre einiges befürchten lässt.“ FWS-Fraktionsvorsitzender Jürgen Kraft betonte hingegen, dass Sulzmann nicht Kandidat seiner Fraktion alleine sei, sondern von der Kooperation gemeinsam nominiert wurde. „Und die Kooperation hat die Mehrheit der Sitze.“ René Rock, Fraktionsvorsitzender FDP, betonte, dass sicher beide Kandidaten für das Amt geeignet seien, die Liberalen sich von Sulzmann jedoch mehr Neutralität versprechen.

„Es dürften aber auch mal die Fetzen fliegen“

Gunter Gödecke (Grüne) konterte Bergmanns Hinweis auf Tradition damit, dass eine Stadtverordnetenversammlung „keine Institution der Brauchtumspflege ist“. In seiner kurzen Rede sagte der frischgebackene Stadtverordnetenvorsteher Peter Sulzmann, dass die Stadtverordneten einen Politik machen sollten, die den Seligenstädter würdig sei. „Es dürften aber auch mal die Fetzen fliegen“, meinte er. Gelächter und höhnischen Beifall von der CDU-Fraktion erntete Sulzmann für seine einleitenden Worte, in denen er Seligenstadt als eine „Stadt des Brauchtums bezeichnete“.

Weil einstimmig verabschiedete Anträge eine Änderung der Hauptsatzung nach sich ziehen, verschiebt sich eine Wahl der ehrenamtlichen Stadträte auf eine spätere Sitzung. Die Drucksachen beinhalteten die Verkleinerung des Magistrats von elf auf neun Mitglieder. Außerdem soll es in der Zukunft zwei statt bisher drei Stellvertreter für den Stadtverordnetenvorsteher geben.

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