Positive Bilanz fünf Jahre nach Millioneninvestition

Glaabsbräu: „Besser als das Reinheitsgebot“

Auf die Zukunft! Julian Menner, Emmanuelle Bitton-Glaab und Robert Glaab
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Auf die Zukunft! Julian Menner, Emmanuelle Bitton-Glaab und Robert Glaab

Fünf Jahre ist es her, dass Glaabsbräu viel Geld in die Hand genommen hat. 3,2 Millionen Euro steckte die 1744 gegründete Seligenstädter Traditionsbrauerei in ihre Zukunft, die größte Investition der Firmengeschichte, mehr als ein Jahresumsatz. Eine erste Zwischenbilanz des Ehepaars Robert Glaab und Emmanuelle Bitton-Glaab, das die Geschäfte führt, fällt positiv aus: „Es hat sich gelohnt!“

Seligenstadt – Ein Blick zurück. Im Oktober 2013 begann die Planung mit der Frage: Wohin wollen wir? Um sich gegen die immer weiter wachsenden Konzerne zu behaupten, setzte Glaab langfristig auf Differenzierung, wofür er ein hübsches Wort fand: „Wenn du gegen Klitschko kämpfst, steig’ nicht in den Ring.“ Wie aber ließen sich die Ideen – nachhaltig, modern, kreativ – umsetzen? 2014 fiel die Entscheidung: Ein Neubau am alten Standort musste her.

Dann ging alles Schlag auf Schlag, erinnert sich Glaab. „Am 19. Februar 2015 wurde der Grundstein gelegt, am 18. Mai das fast komplett vormontierte Sudhaus geliefert, im Juli das erste Bier gebraut, am 12. September Eröffnung gefeiert.“ Das Rekordtempo führt er aufs Zusammenspiel der überwiegend regionalen Handwerksbetriebe zurück, „das hat super geklappt“.

Zu den 18 Tanks kam später eine Zentrifuge sowie eine neue Entalkoholisierungsanlage hinzu. Der innovative Prototyp aus Schweden wurde inzwischen im Hause weiterentwickelt. Auf anderthalb Millionen Euro beziffert der Chef alle Nachinvestitionen. Als einer der Ersten stellte Glaab auf die bauchige Euroflasche um („Da gibt’s viele Nachahmer“), schaffte mehr Leergut an, um trotz Wachstums keine Lieferschwierigkeiten zu bekommen.

Vor allem aber erweiterte Glaab seine Produktpalette. Von vier auf 19 stieg die Zahl der Biere, statt zwei Hopfensorten werden mittlerweile zwölf verwendet – „kein Extrakt wie bei vielen Großen“, das ist dem Braumeister Julian Menner wichtig. Ergebnis: „Manche sagen, dass das ja so komisch riecht“, berichtet er. „Die sind halt Industriebiere gewohnt, die stets alle gleich schmecken.“

Das aber widerspricht der Glaabschen Firmenphilosophie. „Wir wollen herausstellen, dass Bier ein hochwertiges Getränk ist“, sagt Emmanuelle Bitton-Glaab. Und ihr Mann, ausgebildet als Biersommelier, fügt hinzu: „Bei Wein haben Wissenschaftler 400 verschiedene Aromen entschlüsselt, bei Bier 2 500!“ Menner bringt es so auf den Punkt: „Wir wollen unser Bier auch selbst trinken...“

Was bei natürlichen Rohstoffen beginnt, geht weiter mit schonender Verarbeitung „ohne Zusatzstoffe, ohne chemische Stabilisierungsmittel und Farbe“. Damit sei das Bier „qualitativ anspruchsvoller als das Reinheitsgebot“, unterstreicht der Inhaber.

Um keinen Trend zu verschlafen, setzt Glaab lieber selbst welche. Ob Craftbiere wie Vicky loves Pale Ale oder saisonale hessische Spezialitäten wie Glaab’s Grie Soß und Glaab’s Stöffche, die Seligenstädter haben den Finger am Puls der Zeit. Auch ihre „bleifreien“ Produkte wie Alkoholfreies Helles oder Sommerradler Alkoholfrei seien „geschmacklich vollwertig“, versichert Menner.

Hohe Auszeichnungen bei internationalen Wettbewerben sind die Folge. 7 000 Führungsteilnehmer je Jahr überzeugen sich davon. 13 Mitarbeiter erzeugen 15 000 Hektoliter Ausstoß bei steigender Tendenz, erwirtschaften drei Millionen Euro Umsatz.

Der Corona-Knick in der Bilanzkurve ist heftig, räumt Glaab ein. „60 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit Gastronomie, Festen und Veranstaltungen, im März fiel das alles weg.“ Im April/Mai lief es wieder besser. Zwar sei im Handel etwas mehr Bier verkauft, insgesamt indes weniger getrunken worden. Da hofft Glaab auf Erholung.

Von Markus Terharn

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