Seligenstädter Westring-Diskussion:

Bestandsschutz für die Obstbäume

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Obstbaumgrundstück am Schachenweg: „Von immensem ökologischem Wert und erhaltenswert.“

Seligenstadt - Der Erhalt der Seligenstädter Obstbaum-Tradition scheint gesichert, ein wesentlicher Westring-Streitpunkt damit beigelegt. Von Michael Hofmann

Im Zuge der kontroversen Diskussionen über die Erschließung des 22 Hektar großen Areals sicherten Vertreter der Koalition aus SPD, FDP und FWS dem Obstbauverein und Naturschützern nach zwei Terminen eine Art Bestandsschutz für das ökologisch bedeutsame Areal zu. Nach zahlreichen heftigen und auch grundsätzlichen Auseinandersetzungen über das geplante Neubaugebiet „Südwestlich des Westrings“ (wir berichteten mehrfach) scheint nach zwei Gesprächsrunden zwischen Obstbauverein, Naturschützern und Bürgermeister i. R. Rolf Wenzel (SPD), Jürgen Kraft (FWS) und Philipp Giel (FDP) zumindest bei einem der zentralen Themen eine Verständigung erreicht. Sebastian Stieber und Gerhard Wurzel vom Obstbaumverein jedenfalls sprachen im Nachgang der Unterredung mit den Koalitionsvertretern von einem „positiven Ausblick in die Zukunft.“

Zweimal kamen Vertreter der Koalition und der Vorstand des Obstbauvereins Seligenstadt in den vergangenen Wochen zum Austausch über den aktuellen Stand des geplanten Neubaugebietes „Südwestlich des Westrings“ und die direkten Auswirkungen auf das Gelände der Obstanlage, die auf einer mehr als 24 000 Quadratmeter großen Streuobstwiese zwischen dem „Babenhäuser Weg“ und „Schachenweg“ liegt, zusammen. Dabei brachte der Obstbauverein seine Interessen in Sachen Naturschutz und Erhalt der geschützten Anbaufläche zum Ausdruck, die Koalition stellte den aktuellen Sachstand vor. Beim zweiten Treffen war die BUND-Ortsgruppe Gastgeber, die beide Parteien zu einer ihrer offenen Vorstandssitzungen geladen hatte. Nach erneuter Erörterung von Größe und Lage des Flächennutzungsplans bekräftigte die Regierungskoalition, dass die Obstanlage „einen immensen ökologischen Wert besitzt und erhaltenswert ist.“

Der Obstbauverein zeigte sich erfreut „über die vertrauensvollen Aussagen“ Wenzels, der bekräftigt hatte, dass noch kein entsprechender Beschluss existiere und nach Auswahl eines geeigneten Planungsbüros auch auf den Erhalt der Anlage eingewirkt werden solle. Auf die Unterredung folgte ein Ortstermin, in dessen Verlauf Thorwald Ritter (BUND) die ökologischen Aspekte der Obstanlage darstellte. Er zeigte neben Nistplätzen in und an Bäumen auch die Biodiversität durch die unterschiedlichen Mahd-Zyklen der einzelnen Grundstücke, um sowohl Rückzugsraum für Tiere als auch ausreichend blühende Pflanzen für Insekten zu bieten. Die Aussagen der Koalition hinsichtlich der Erhaltung der Anlage, so ist einem Protokoll zu entnehmen, stimmen sowohl BUND als auch den Obstbauverein zuversichtlich.

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Für viele Vereinsmitglieder geht es um den Erhalt der Obstbautradition, teils in der vierten Generation. Sebastian Stieber zeigte sich am Ende des Treffens optimistisch, neue Bäume pflanzen zu können, um auch der nächsten Generation eine ökologisch sinnvolle und gesunde Anlage hinterlassen zu können. Rolf Wenzel bekräftigte im Nachgang, es sei sinnvoll, die Obstbaumanlage in den Bebauungsplan aufzunehmen. Abgesehen von den ökologischen Aspekten, der Funktion als Grün- und Frischluftzunge, verspreche das Areal auch wichtige Ökopunkte. Außerdem, so Wenzel ganz pragmatisch, liege das Gebiet aufgrund seiner schützenswerten Tiere und Pflanzen so hoch in der Bewertung, dass ein Flächenausgleich „viel zu teuer wäre.“

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