„Synergieeffekte erzielen“

Umstrukturierungen und Preisanpassungen im Bestattungswesen

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Alter Friedhof in Seligenstadt: „Kontinuierliche Pflege und Pflicht zur Bestattung gewährleisten.“

Seligenstadt - Beiläufiger geht’s kaum: „Im Bereich des Bestattungswesens bildet der Haushaltsplan 2019 einige größere Veränderungen ab.“ Das ist dem entsprechenden Vorbericht zu entnehmen. Von Michael Hofmann

Deutlich aussagekräftiger wäre: Der Etatentwurf von Bürgermeister Dr. Daniell Bastian (FDP) hält beim Thema Friedhof markante Umstrukturierungen und Preisanpassungen bereit.
Ein Blick in die doppischen Zahlenkolonnen im Etatentwurf 2019 verrät: Die Ansätze für Bestattungsgebühren sind gegenüber den Vorjahren deutlich höher angesetzt – aus zwei Gründen: Zum einen bedeutet dies eine Anpassung an die Rechnungsergebnisse 2017. Zum anderen wurde im Vorjahr eine neue Gebührenkalkulation durchgeführt. Letztere, wie Bastian versichert, „allerdings nicht mit dem Primärziel der Erhöhung der Erträge, sondern vielmehr zur Gewährleistung der Rechtssicherheit im Hinblick auf das Gebührenrecht.“

Das mag in seiner Pauschalität stimmen, andererseits wurden durchaus gravierende Veränderungen bei den Bestattungskosten vorgenommen – in beide Richtungen: Manche Leistungen verteuern sich, andere werden günstiger, dritte sind völlig neu.

So werden zum Beispiel Bestattung/Wiederbestattung in einer Reihen-, Rasen-, Wahl- oder Tiefengrabstätte in normaler Höhe deutlich günstiger: Statt 850 Euro fallen nur noch Kosten von 550 Euro an. Verbilligt hat sich auch die Nutzung der Trauerhalle von 250 auf 150 Euro. Teurer werden hingegen Beisetzungen von Urnen in Urnengrabstätten, Urnenrasengrabstätten oder in einer bereits angelegten Grabstätte (jeweils von 350 auf 400 Euro). Damit trägt die Stadt dem allgemeinen Trend hin zur Urnenbestattung clever Rechnung. Deutlich teurer werden auch die Nutzungsrechte Erdreihengrabstätte/Erdrasenreihengrabstätte (von 800 auf 1350 Euro). Neu geschaffen gar sind Kosten von 745 Euro für die Bestattung in ein Tiefengrab (bei Tieferlegung) sowie eine Gebühr für das Abräumen einer Grabstätte.

Wie hoch auf dieser Grundlage nun der Deckungsgrad ist, also der Prozentsatz der Gesamtkosten, der durch die Entrichtung der Begräbniskosten durch Angehörige zusammenkommt, lässt sich nach Angaben des Ersten Stadtrats Michael Gerheim nicht pauschal beantworten, schließlich seien ja die genannten gesetzlichen Vorgaben eingearbeitet, auch seien Grünflächen sowie jüdischer und Soldatenfriedhof zu berücksichtigen. Ende 2014 hatte unsere Zeitung über die Anhebung der Gebühren berichtet. Damals war es freilich kein Problem, einen Deckungsgrad von etwa 50 Prozent anzugeben.

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Blick in den sogenannten Teilergebnisplan: Demnach sind für das Jahr 2019 Erträge, also vor allem Geldeingänge durch Bestattungen, in Höhe von 275.000 Euro eingeplant. Eine Summe, die um rund 50.000 Euro über dem Ansatz von 2018 (220 .00 Euro) liegt, andererseits aber etwas unterhalb des Rechnungsergebnisses von 2017 (288.000 Euro) bleibt. Allerdings fällt auf, dass diese Erträge bis zum Jahr 2022 auf fast 300.000 Euro ansteigen.

Bei den Aufwendungen der Stadt sticht ins Auge, dass die Personalausgaben Friedhof, die bislang im Bereich von 245.000 Euro lagen, im Jahr 2019 auf 46.000 Euro eingedampft sind. Die bisherigen Entgelte für geleistete Arbeitszeit der Friedhofsarbeiter (155.000 bis 170.000 Euro) sind fürs neue Jahr auf null gesetzt. Hintergrund: Bastian plant, Personal, Werkzeug und Fahrzeuge in den Stadtwerke-Betriebszweig Bauhof zu überführen. Der soll künftig mit allen Bestattungs- und Pflegearbeiten beauftragt werden. Zu diesem Zweck wurden die Personalkosten (Friedhofsarbeiter) als Sachkosten veranschlagt. Mit der Folge, dass jene Sachkosten von 230.000 Euro (Ergebnis 2017) oder 215.000 Euro (Ansatz 2018) auf 410 .00 Euro hochschnellen. Nach diesen Verschiebungen reduzieren sich die ordentlichen Aufwendungen von 560.000 Euro (Ergebnis 2017) auf 523.000 Euro 2022. Auch beim Jahresergebnis, das durchgehend defizitär ist, lässt sich ein Trend ablesen: Die Beträge reduzieren sich von 290.000 Euro (Ergebnis 2017) sukzessive auf 247.100 Euro 2022.

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Der Sinn der Übung: „Ziel ist es, Synergieeffekte durch die Nutzung des größeren Personal- und Maschinenpools des Bauhofs für den Friedhof erzielen zu können. Über einen stabileren Personalstand soll eine kontinuierliche Pflege und die Pflicht zur Bestattung gewährleistet werden“, sagt Bastian.

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