Besuch im Tierheim

Vermittlungsflaute in den Ferien fordert Engagement der Helfer

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Kaninchen und Meerschweinchen bringt der Tierschutzverein im Kleintierhaus unter.

Seligenstadt - Ferienzeit bedeutet für manche hierzulande besonders „Arbeitszeit“, so auch bei den vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern im Seligenstädter Tierheim. Ein Ende der „Vermittlungsflaute“ erwartet der Tierschutzverein erst ab September. Von Natalia Dizer 

Irene Sona, Wido Paskert und Nicole Fuchs (von links) vom Vorstand des Tierschutzvereins auf dem Gelände des Tierheims an der Friedrich-Ebert-Straße.

Auch Pläne für die Zukunft verrät der Vorstand. Die Vermittlung vor allem kleiner Tiere bleibt während der Ferienzeiten auf der Strecke, weil viele Menschen im Urlaub sind. „Es gibt bei uns in den großen Ferien einen Vermittlungsstopp“, sagt Irene Sona vom Vorstand des Tierschutzvereins. In diesem Punkt ist also im Tierheim momentan wenig zu tun. Erst ab September geht es langsam bergauf. Dann wird auch der 35. Vereinsgeburtstag gefeiert.
Von den ehrenamtlichen Helfern fordert die ferienbedingte Vermittlungsflaute umso mehr Engagement, da die maximale Aufnahmekapazität erreicht ist. Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen harren im Tierheim aus und brauchen Zuwendung, während sie auf ein beständiges Zuhause warten.

Seit 1983 gibt es den Tierschutzverein Seligenstadt und Umgebung, der sich um das Wohl unerwünschter oder streunender Katzen und Kleintiere kümmert. Begonnen hat alles im Kleinen, als eine der Gründerinnen streunende Katzen bei sich aufnahm. Heute zählt der Verein knapp 390 Mitglieder und betreut zurzeit 23 Katzen, neun Kaninchen und zwei Meerschweinchen.

Vorsitzender Wido Paskert aus Hainstadt erzählt von den Anfängen: Ein steiniger Weg führte die Tierliebhaber zur heutigen Aufnahmestation im Industriegebiet Seligenstadts und bescherte ihnen einen Platz für ihre Herzensarbeit. Alle Helfer sind von Beginn an ehrenamtlich tätig und bringen ihre persönliche Freizeit für einen guten Zweck auf.

Die ehrenamtlichen Tierschützer versorgen zurzeit 23 Katzen.

Trotz des Ortsnamens war der Tierschutzverein lange Zeit in Hainburg auf dem Gelände der Johann-Kaiser-Trauring- und Schmuck-GmbH ansässig. Damals hatte die Geschäftsführerin Anne Kaiser-Kolb mit einer Spende den Grundstein für den heute über die Region hinaus bekannten Tierschutzverein gelegt. Die Hundeliebhaberin stellte ihr Gelände zur Verfügung, das letztlich für die Versorgung von Katzen genutzt wurde. Bis heute werden keine Hunde im Tierschutzverein betreut, da diese eine konstante Bezugsperson benötigen. Weil aber alle Helfer berufstätig sind, ist diese Aufgabe nicht zu leisten.

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Nachdem die Hainburger Schmuckfirma Insolvenz angemeldet hatte, wurde klar, dass das bisher genutzte Gelände auf Dauer nicht bezahlbar sein wird. So entschied sich der Verein, Geld für ein eigenes Gelände anzusparen, und Irene Sona setzte die Idee in die Realität um, unterstützte finanziell, vor allem aber auch tatkräftig, auch im „Katzenhaus“ in der neuen Hainburger Ortsmitte. Vorübergehend wurden einige Katzen bei Privatpersonen untergebracht, die sich um die Tiere kümmerten. Diese Geste traf nicht überall auf Gegenliebe; einige Nachbarn beschwerten sich über die Tiere. Dennoch trifft der Verein überwiegend auf positive Rückmeldungen in der Bevölkerung. „Viele Tierfreunde sind froh, dass wir ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen“, freut sich Vorsitzender Wido Paskert.

Durch großzügige Spenden und Erbschaften war es dem Vorstand schließlich möglich, in Seligenstadt ein Gelände zu kaufen und das „Projekt Tierwohl“ von Neuem anzugehen. Edeltraut Ratzka spendete 150.000 Euro für den Bau der einzelnen Häuser in der Friedrich-Ebert-Straße 29, in denen die Tiere ein Zuhause finden.

Das Grundkonzept und die Finanzierung der Tierhilfe beruht auf Spendenbasis, wobei sich der Tierschutzverein weitere Hilfe von der Kommune erhofft. Um kranke Tiere wieder aufzupäppeln, fallen jährlich rund 36.000 Euro nur für Arztkosten an. Diese sind mit den Mitgliedsbeiträgen nicht zu decken. Seligenstadt und Umgebung seien auf die Kastration der Katzen angewiesen, erläutern die Vorstandsmitglieder, um Vermehrung und Inzest zu unterbinden. Inzest führe unter anderem zu Fehlbildungen und Krankheiten.

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Das Katzenelend ist damit aus Sicht der Tierschützer ein Problem, das alle Bürger betrifft. „Dennoch fühlt sich keiner dafür verantwortlich – weder die Stadt, der Kreis, das Land, noch der Bund“, sagt Nicole Fuchs, die ebenfalls als Besitzerin im Vorstand mitarbeitet.

Um nicht nur Erwachsene auf das Thema aufmerksam zu machen und für Tierschutz zu sensibilisieren, bietet der Verein eine Jugendgruppe an. Personelle Unterstützung wäre auch hier willkommen: Derzeit sucht der Verein nach zwei Betreuern. Interessenten können sich bei den Verantwortlichen melden.

Und auch eine weitere Planung verrät Vorsitzender Wido Paskert: In naher Zukunft soll ein neues Bauvorhaben realisiert werden. Eine vollwertige Quarantänestation und eine Indoor-Aufnahmestation für Fundhunde sollen entstehen.

Infos unter tsvseligenstadt.de

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