„Kleinere Lösungen“

Betreibermodelle zur Flüchtlingsunterbringung: Die Skepsis wächst

Seligenstadt - Die nachlassenden Flüchtlingszahlen haben Konsequenzen: In Mainhausen soll die Überlaufeinrichtung geschlossen werden, die Stadt Seligenstadt überdenkt derzeit ihre noch im März hochaktuellen Pläne zum Bau von Unterkünften. Von Michael Hofmann

Mitte März war die Rede von mindestens 400 Personen, die in diesem Jahr nach Seligenstadt kommen. Doch ist die „Balkanroute“ inzwischen dicht, der Flüchtlingsstrom weitgehend abgerissen. Auch in der Einhardstadt, die damals drei große Objekte zur Schaffung von Unterbringungsmöglichkeiten aufgelistet hatte („Betreibermodelle“), hat sich die Situation grundlegend geändert. Nach Angaben von Bürgermeister Dr. Daniel Bastian beschäftigt sich der Magistrat bereits am Montagnachmittag mit der Thematik. Bekanntlich hatte die Stadtverordnetenversammlung das Kollegialorgan Mitte März in einer Sondersitzung damit beauftragt, Unterkünfte für bis zu 400 Personen vertraglich abzusichern. Am Montag liegt eine deutlich abgespeckte Version vor: Auf der Agenda steht nur noch ein Objekt mit 200 Plätzen. Doch auch dahinter steht ein Fragezeichen.

Für die zuständige Erste Stadträtin Claudia Bicherl ist die Flüchtlingsunterbringung keine einfache Aufgabe. „Wir suchen permanent nach Unterkünften. Erst gab’s keine, dann wieder mehr. Gleichzeitig gehen die Flüchtlingszahlen zurück. Uns kann ja keiner sagen, ob viele oder nur wenige Menschen zu uns kommen. Obwohl wir wirklich alles unternommen haben, bekommen wir manchmal selbst Bauchweh.“

Von den ursprünglich drei ins Auge gefassten Großeinheiten zur Unterbringung fallen zwei weg: Ein Gelände am Sandborn in Froschhausen, auf dem mehrere Gewerbehallen eines Investors für 200 Personen umgebaut werden sollten, sei gestrichen, sagte Bastian gestern. Nicht zum Besten steht es auch mit einer zweiten Liegenschaft im Reitpfad, ebenfalls Froschhausen. Die dortigen Bürogebäude müssten auf Kosten der Stadt umgebaut und nach Auslauf der Nutzungszeit wieder zurückgebaut werden. Außerdem müsste sich ein Betreiber finden.

Bilder: Einblicke in die Notunterkunft in Mainhausen

Letztlich geht es nur noch um eine Liegenschaft an der Marie-Curie-Straße 5 im Gewerbegebiet Nordring. Dort, so die Idee, könnte auf einem städtischen Gelände eine Gewerbehalle mit einem vorübergehenden Innenausbau als Gemeinschaftsunterkunft für 200 Personen entstehen. Damals wollten Investoren, eine GbR, das Grundstück erwerben. Unter den geänderten Vorzeichen kommt allerdings im Rathaus Skepsis auf. Soll die Stadt den Bau unterstützen, nur um auf der sicheren Seite zu stehen? Immerhin geht es um ein Betreibermodell mit achtjähriger Laufzeit und eine Garantiesumme von rund 730.000 Euro.

Was passiert, wenn viel weniger oder kaum noch Flüchtlinge kommen? Wäre die Unterkunft nicht ausgelastet, müsste die Stadt drauflegen. Immerhin wäre sie verpflichtet, eine eventuelle Unterbelegung mit einer Art Ausfallbürgschaft abzusichern. Konkret war damals, ausgehend von einer Vollbelegung mit 200 Personen, von einer 75-prozentigen Belegungsgarantie die Rede. Ohne dem Magistratsvotum vorgreifen zu wollen, verweist Bastian auf „kleinere Lösungen zur Unterbringung, was momentan auch ordentlich klappt.“ Unter anderem geht es um ein Objekt, das Kapazitäten für 30 Personen böte, sowie eine Erweiterungsmöglichkeit.

Rubriklistenbild: © dpa

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