Mit  oder ohne Sachverstand

Betreuung: Fehlende Strategien bei Aus- und Neubauten ?

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Erweiterung und Ausbau der städtischen Kita Käthe Münch: „Wir haben eine Warteliste und den Rechtsanspruch auf einen Platz“.

Seligenstadt - In einem Eklat gipfelte dieser Tage die Sitzung der Seligenstädter Stadtverordneten, als es um den Ausbau der städtischen Kita Käthe Münch ging. Von Michael Hofmann

Mit massiven Vorhaltungen, die Rathausspitze sei nicht in der Lage bei ihren Bauvorhaben strategisch zu planen, versuchten die Grünen Bürgermeister Dr. Daniell Bastian in die Enge zu treiben. Der warf ihnen mangelnden Sachverstand vor. Beim Thema Betreuung herrscht im Stadtparlament seit Jahren Einvernehmen. Dies sowohl bei der alljährlich erforderlichen Kompensierung des kontinuierlich ansteigenden Haushaltsdefizits in diesem Planansatz (nunmehr bei 5,1 Millionen Euro) als auch bei den Bau-/Erweiterungsmaßnahmen (neue Kita und Alfred-Delp-Schule Froschhausen, St.-Josefshaus, „Burg Wirbelwind“ oder Waldkindergarten). Auf den ersten Blick war das auch in der jüngsten Sitzung so, als es um den Ausbau/Umbau der städtischen Kita Käthe Münch ging. Keiner war bei der Abstimmung am Schluss gegen den Magistratsantrag mit einem Volumen in Höhe von 1,1 Millionen Euro, aber die Grünen enthielten sich - mit einer Fußnote. Der Enthaltungen ging eine heftige Attacke der Öko-Partei gegen Dr. Daniell Bastian voraus. Nicht zum ersten Mal, denn bereits in der Diskussion über die neue Kita in Froschhausen vermissten die Grünen Weitblick, konkret ging es damals um Photovoltaik, Regenwassernutzung und Dachbegrünung. Diese Nachhaltigkeitsmaßnahmen hatten Bastian und seine Mehrheit aus Kostengründen abgelehnt.

Die Öko-Partei, so Adina Biemüller, sei grundsätzlich für den Ausbau der Betreuung, allein, es handele sich oft um Stückwerk und nicht um von langer Hand geplante Maßnahmen. So sei die Käthe-Münch-Erweiterung keine dauerhafte Lösung, und parallel stocke auch noch das Projekt Waldkindergarten. „Das ist alles zu kurz gedacht, da fehlen weitreichende Alternativen.“ Überhaupt seien die Käthe-Münch-Kosten viel zu hoch, umgerechnet komme ein Kita-Platz doppelt so teuer wie beim Kita-Neubauprojekt in Froschhausen.

Bürgermeister Dr. Daniell Bastian reagierte empört, warf Biemüller vor, ihr Beitrag zeuge „in vielen Teilen von wenig Sachverstand.“ Die Bevölkerungsentwicklung, so der Rathauschef, folge eben nicht der Entwicklungsplanung und den Vorstellungen der Politiker. „Die Gesellschaft ändert sich schneller als der Staat reagieren kann. Wir haben eine Warteliste und den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz umzusetzen.“ In den vergangenen drei Jahren seien mehr als 100 Kinder im Kindergartenalter mit ihren Eltern zugezogen, das sei von einer Verwaltung nicht vorausplanbar. Die Kosten für die Kita Käthe Münch, so der Bürgermeister weiter, seien mitnichten zu hoch gegriffen. Schließlich beinhalte der Plan auch die Erweiterung der Gruppen sowie den Bau eines Bistros/einer Mensa sowie eines Mehrzweckraums. Darüber hinaus verfüge die Stadt derzeit über kein einziges Grundstück, das für einen Neubau in Frage komme. Biemüller wies die Sachverstands-Vorhaltungen Bastians zurück, sagte, ihre Fraktion gebe ihre Bedenken in Form einer Enthaltung zu Protokoll.

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Letztlich beschloss die Stadtverordnetenversammlung die beschriebene Erweiterung der Kita. Die Finanzierung erfolgt in den Haushaltsjahren 2018 (700.000 Euro) und als Verpflichtungsermächtigung 2019 (380.000 Euro). Eine Förderung des Landes (160.000 Euro) wird beantragt. Außerdem werden in der Kita eine Brandschutzwand und eine Brandschutztür im ersten Stock eingebaut. Auch wird eine Brand-schutzdecke im neuen Flur errichtet. Der jetzige Lagerraum wird zu einem Personal-WC umgebaut. Darüber hinaus wird ein neues Brandschutzkonzept beauftragt und die entsprechende Baugenehmigung beim Kreis beantragt. Die Kosten belaufen sich auf 58.000 Euro.

Grund für diesen Anbau ist die Betreuungssituation bei Kindern über drei Jahre. „In den vergangenen anderthalb Jahren sind mehr als 30 Kinder in diesem Alter zugezogen, für die die Stadt dringend nach einer Betreuungslösung sucht. Deshalb reichen die bereits beschlossenen Maßnahmen nicht mehr aus“, so der Magistrat.

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