Blick zurück in die düstere Vergangenheit

Seligenstadt - „Das ist ja wie im Mittelalter!“ heißt es landläufig, wenn es irgendwo altmodisch, besonders einfach, rau oder ungesittet zugeht. Von Martha Stergiou

Man kennt den Volksmund, doch wenn es darum ginge ein bisschen eingehender über die Lebensumstände und den Modus vivendi von damals zu plaudern, würde man vermutlich eher abwinken. Seligenstadt bietet an vielen Stellen die Möglichkeit einen Abstecher in dieses Kapitel der Geschichte zu machen. Um Kenntnisse aufzustocken lohnt sich die Teilnahme an einem der geführten Rundgänge zum Thema, die regelmäßig von Seiten der Stadt organisiert werden.

Auf einer solchen „Nachtwächterführung“ – los geht´s nach Einbruch der Dunkelheit – kommt man, die Laterne des Stadtführers voraus, vom Marktplatz aus zu etlichen der „sandbraunbeschilderten“ Sehenswürdigkeiten. Von bekannten Orten wie beispielsweise dem Steinheimer Torturm, der Stadtmauer und dem früheren Maintor schlug Stadtführerin Dr. Oth die Brücken in die düstere Vergangenheit. Mit Verve erzählte sie von jener Zeit, zu der Seligenstadt noch von urwüchsigem Wald umgeben war. Die gut 25 Teilnehmer schienen Gefallen zu haben an dem Potpourri aus makabren Geschichten und heiteren Anekdoten. Wo heute genüsslich Eis gegessen wird - am Maintor – hatte sich seinerzeit das Seligenstädter Gefängnis befunden. Anders als heute – im Mittelalter hatte man keine Haftstrafen gekannt - hatten die Häftlinge im Knast lediglich darauf gewartet die Todesstrafe anzutreten. Sinn und Zweck einer Inhaftierung war gewesen, die Verbrecher zu zwingen ihre Tat zu gestehen, denn ohne ein Geständnis, konnte niemand verurteilt werden.

„Feldkapelle am Galgenweg“

Wer sie nicht kennt, übersieht sie leicht - die kleine „Feldkapelle am Galgenweg“ in der Steinheimer Straße/ Ecke Unterbeune. Dort hatten, so Dr. Oth, die Verurteilten auf dem Weg zur Hinrichtung ihr letztes Gebet sprechen können. Allerdings waren schwere Verbrechen und damit Hinrichtungen in Seligenstadt sehr selten. Wer nicht hingerichtet wurde, musste Sühnegeld zahlen. Mittelalterliches Strafrecht - ein großes Thema des Abends. Dann war da noch die Rede von den Aufgaben der Bader, „Goldgräber“, Türmer und Nachtwächter – alles Berufe, die typisch waren in dieser düsteren Epoche.

Wer noch mehr erfahren möchte, hat dazu jeden ersten Freitag im Monat Gelegenheit, von April bis September ab 21.30 Uhr und von Oktober bis März ab 20 Uhr. Im April findet die Führung in der Woche nach Ostern statt. Die Anmeldung erfolgt über die Seligenstädter Tourist-Info, Telefon 87177.

Rubriklistenbild: © Symbolbild/paw

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