Einhardstadt: Lenz und Wolf kritisieren Untätigkeit der Verwaltung

„Bürgermeister im Coronaschlaf ?“

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Seligenstadt – Die Sonne brennt bereits am Vormittag erbarmungslos vom Himmel, keine Wolke weit und breit, die für einen Moment Schatten spenden könnten, als Aloys Lenz und Karl Wolf an der Grenze zwischen Seligenstadt und Klein-Krotzenburg eintreffen, um ein Seligenstädter Ortsschild mit dem Zusatz „Einhardstadt“ zu bekleben.

Es ist ihre Art des Protests, denn ihrer Ansicht nach müssten die Ortsschilder schon seit Monaten entsprechend ergänzt sein. Ende 2018 hatte die Stadtverordnetenversammlung den Beschluss gefasst, die Schilder mit dem Zusatz „Einhardstadt“ auszustatten, doch passiert sei nichts, wettert Lenz. Dabei habe Bürgermeister Daniell Bastian die Pflicht, die Beschlüsse seines Parlaments umzusetzen, „und zwar nicht irgendwann.“ Lenz war lange Jahre Landtags- und Kreistagsabgeordneter und ist seit drei Jahren Vorsitzender der Einhardstiftung, Ideengeber Wolf ist Gründungsmitglied. Lenz lebt in Großkrotzenburg und erinnert daran, welchen Aufschwung seinerzeit Hanau erlebt habe, als es mit dem Zusatz „Brüder-Grimm-Stadt“ ausgestattet wurde. Das Innenministerium habe das genehmigen müssen. Lenz erinnert sich an einen zähen Verwaltungsapparat, der das Antragsverfahren nicht so flott durchzog, wie er sich das vorstellte. Damals war der heutige Ministerpräsident Volker Bouffier noch Innenminister. Nach einem Gespräch mit ihm sei es dann aber ganz schnell gegangen.

Die Brüder-Grimm-Stadt Hanau sei seinerzeit aufgewertet worden, dies gelte auch für Seligenstadt, betont Lenz. Nun seien bereits sechs Monate ins Land gegangen, seit Innenminister Peter Beuth bei einer Feier im Rathaus die Verleihungsurkunde übergeben hat (wir berichteten). Der CDU-Politiker sprach seinerzeit von einem „kommunalen Akt der Selbstverwaltung“, der Fragen beantwortet wie: Was macht unsere Kommune aus? Womit, außer mit unserem Stadtnamen, identifizieren wir uns? Aus Lenz’ Sicht „boykottiert“ Bastian die Entscheidung, „oder ist der Bürgermeister im Dornröschen- oder Coronaschlaf?“

Auch die Stadtverordnetenversammlung sieht Lenz in der Pflicht, schließlich habe sie zu kontrollieren, ob der Rathauschef ihre Beschlüsse auch zügig umsetzt. Dass dies nun endlich geschieht, erhoffen sich Lenz und Wolf von ihrer Aktion: „Vielleicht gelingt es uns, dass er nun handelt, denn das ist schließlich nicht unsere Aufgabe.“

Unterdessen hat Julien Kreis, ein Mitarbeiter Wolfs, den Aufkleber am Schild befestigt. Insgesamt acht dieser Aufkleber hat Wolf anfertigen lassen. Nach dem Fototermin soll er zunächst wieder entfernt werden, damit kein Verfahren wegen Sachbeschädigung eingeleitet werden könne. Karl Wolf erklärt sich allerdings bereit, alle Ortseingangsschilder mit Aufklebern zu versehen, „aber nur, wenn mir der Bürgermeister auch den Auftrag erteilt“.

Von Oliver Signus

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