Gemeinsamer Ausritt in die Polit-Landschaft

Bürgermeisterwahl in Seligenstadt: Rathaus-Chef Daniell Bastian (FDP) beantwortet Fragen der CDU

Seligenstädter Rathauschef Daniell Bastian: Gut aufgestellt.
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Seligenstädter Rathauschef Daniell Bastian: Gut aufgestellt.

Fast zwei Stunden lang prüften Mitglieder der CDU Seligenstadt am Montagabend im Verlaufe einer Online-Veranstaltung Bürgermeister Daniell Bastian (FDP) auf Herz und Nieren.

Seligenstadt – Der Rathauschef, dem der CDU-Stadtverbandsvorstand kürzlich überraschend die Unterstützung in seinem Bürgermeisterwahlkampf zugesichert hatte, absolvierte dabei seine Vorstellungsrunde als eine Art Heimspiel. Denn wer über die Maßen kritische und provozierende Attacken oder gar boshafte Fangfragen an den Wahlkämpfer Bastian erwartet hatte, sah sich getäuscht. Vielmehr kamen das Thema Wahlkampf oder die Frage, welche CDU-Gene denn der FDP-Politiker Bastian bei seiner Kampagne bis zum 26. September zur Geltung bringen will, in der Diskussion gar nicht erst zur Sprache.

Stattdessen standen weit mehr als ein Dutzend Sachthemen im Mittelpunkt, darunter alle heißen Eisen der aktuellen Seligenstädter Kommunalpolitik. Die Teilnehmer der Runde und der Rathauschef begaben sich - vornehmlich im vertrauten Du - auf einen überaus interessanten „Ritt quer durch alle Themenbereiche“ (CDU-Sprecher Thomas Lortz), der auch das „politische Alltagsgeschäft“ (CDU-Stadtverbandschef Oliver Steidl) intensiv auslotete.

Bastian, der alle Fragen ausführlich und bemüht detailliert beantwortete, sagte, für ihn sei die Zusammenkunft ,,keine lästige Pflichtaufgabe“, vielmehr genieße er solche Diskussionen, zudem sei es ja ,,keine alltägliche Situation, dass ein FDP-Bürgermeister sich in einer solchen Rolle vorstellen kann.“

Das Kommando „Feuer frei“, mit dem die CDU die Fragerunde eröffnete, war demzufolge auch nur symbolisch zu verstehen. Zu den Schwerpunkten der Diskussion zählten diese Themen: Der ÖPNV, der durch den Hopper im Aufwind ist und durch Einbeziehung von Mühlheim, Obertshausen und Heusenstamm wirtschaftlicher werden soll. Auch die Freizeiteinrichtungen für junge Leute waren Thema. Bastian will die Vielzahl der Kinderspielplätze reduzieren zugunsten weniger besser und attraktiver ausgestatteter Plätze. Für Jugendliche sei er mit der TGS im Gespräch, um auf dem Jahnplatz ein Beachvolleyballfeld zu installieren.

Vorankommen soll auch die Digitalisierung. Da sei zu beobachten, so der Bürgermeister, dass Privatleute, die vor Jahren auf Anschlüsse verzichtet haben, nun im Dutzend Anträge stellten. Die Stadt sei weiter im Gespräch mit der Deutschen Glasfaser, Ziel sei die komplette Erschließung der Stadt. Beim Thema Westring sei die FDP dem CDU-Wunsch auf „Abdämpfung der Verdichtung nach unten“ nachgekommen. Als großer Blockierer der Umgehung machten CDU und Bastian Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) aus. Die Palette reichte von „in den Hintern treten“ bis „abwählen“. Bastian räumte ein, dass er bei den immer wieder auftretenden Verzögerungen durchaus mit seinem Latein am Ende sei.

CDU-Chef Oliver Steidl: Kein FDP-Wahlhelfer.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Oliver Steidl die Ausgangslage der Union vor der Bastian-Empfehlung zusammengefasst. Innerhalb der CDU habe sich kein Kandidat herauskristallisiert, eine externe Lösung habe sich nicht ergeben. Vor diesem Hintergrund, so Steidl weiter, hätte ein chancenloser Kandidat wohl nur den „Worst Case“ eingeleitet: Die stärkste politische Kraft der Stadt kassiert am Ende trotz hohem Aufwand eine weitere Niederlage. Da sei es doch besser, einen Bürgermeister zu unterstützen, „der auch unsere Interessen gut vertritt“.

Gerüchte, er oder andere CDU-Mitglieder seien in Bastians Wahlkampfteam aktiv, wies Steidl energisch zurück. Vielmehr habe die CDU mit der FDP einen guten Koalitionsvertrag ausgehandelt, das solle an erster Stelle stehen. Die CDU-Fraktion sei hervorragend aufgestellt, die Zusammenarbeit mit der FDP klappe bestens. Daraus, so Steidl weiter, ergäben sich die lange vermissten Gestaltungsmöglichkeiten für die Union. Auch sei es ein schönes Erlebnis, „Interna aus der Verwaltungsspitze schon mal vor einer Stadtverordnetenversammlung zu erfahren - ein ungewohntes Gefühl“.

Der Bürgermeister stellte sich und seine Familie ausführlich vor. Von seiner ersten Amtszeit zeichnete Bastian ein positives und von Optimismus geprägtes Bild, verwies auf den Abschluss unerledigter Projekte wie Kapellenplatz oder K 185, betonte die Fortschritte und millionenschweren Investitionen auf dem Betreuungssektor und vergaß auch den ÖPNV mit dem Erfolgsmodell Hopper nicht. Und eine gute aktuelle Nachricht hatte Bastian auch in petto: Trotz Corona-Pandemie weise der eben fertiggestellte Jahresabschluss 2020 einen Überschuss von immerhin 170 000 Euro aus. Außerdem sei die Stadt nahezu schuldenfrei, also gut aufgestellt. (Von Michael Hofmann)

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