Stadtrat mit Ambitionen

Bürgermeisterwahl in Seligenstadt: SPD schickt Michael Gerheim ins Rennen

Fordert Bürgermeister Daniell Bastian heraus: Seligenstadts Erster Stadtrat Michael Gerheim.
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Fordert Bürgermeister Daniell Bastian heraus: Seligenstadts Erster Stadtrat Michael Gerheim.

Erster Stadtrat ist Michael Gerheim seit Oktober 2018. Jetzt will der 37-jährige Sozialdemokrat seinen Chef Daniell Bastian (FDP) im Amt des Bürgermeisters ablösen.

Seligenstadt – 24 der 26 anwesenden Genossen hoben Gerheim bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins Seligenstadt am Donnerstagabend im Bürgerhaus Froschhausen als Kandidaten für die Direktwahl am 26. September auf den Schild.

Konkurrierende Bewerber gab es ebenso wenig wie Gegenstimmen. Lediglich zwei Stimmenthaltungen standen nach dem geheimen Wahlgang zu Protokoll. Den Sozialdemokraten, bei der Kommunalwahl im März kräftig gerupft und durch das neue Bündnis der CDU mit Bastians Liberalen von den Schaltstellen der Macht verdrängt, bot die Kandidatenkür Gelegenheit, ihren Anspruch auf Verantwortung in der Stadt zu bekräftigen und Themen zu setzen. Die Union, meint Gerheim, könne es kaum abwarten, nach Ablauf seiner Amtszeit als Erster Stadtrat wieder einen eigenen Vertreter im Rathaus zu platzieren. Für ihn selbst und seine zahlreichen noch offenen Vorhaben seien die verbleibenden drei Jahre viel zu kurz.

Anspruchsvolle Aufgaben sieht der Kandidat konkret beim Klimaschutz, den er nach eigenem Urteil in den vergangenen Jahren lokal vorangebracht hat. In seiner Bewerbungsrede erinnerte Gerheim unter anderem an neue Fahrradwege und Schutzstreifen, Blühflächen, Initiativen für die E-Mobilität mit Lastenrädern und E-Autos, Verkehrsberuhigung mit versenkbaren Pollern, energetische Gebäudesanierungen und die Inbetriebnahme der ersten Bürger-Solaranlage. Im barrierefreien Umbau von Bushaltestellen sieht er einen substanziellen Beitrag zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs. Aktuell arbeite sein Dezernat an der Planung von Fernradwegen bis zum Flughafen und zum Tannenmühlkreisel.

Am Ball bleiben und nachsteuern will Gerheim in Sachen öffentliche Ordnung. Gegen wildes Müllabladen in der Stadt wie in der Feldflur will er mit schärferen und häufigeren Kontrollen, mehr Müllbehältern im öffentlichen Raum und erhöhtem Personaleinsatz im Ordnungsamt vorgehen. Die Verkehrsdisziplin fördern soll ein mobiles Blitzgerät, das die Stadt nach Gerheims Vorstellungen gemeinsam mit den Nachbarn in Hainburg und Mainhausen anschaffen soll. Insbesondere abends, nachts und an Wochenenden lasse sich mit dem sogenannten Enforcement-Trailer, der autonom ohne Personal zu betreiben sei, der Kontrolldruck auf Raser und Rücksichtslose erhöhen.

Spontanen Beifall von den Genossen brachte dem Kandidaten insbesondere sein engagiertes Plädoyer für sozialen Wohnungsbau ein. Angesichts des steigenden Bedarfs müsse die Stadt selbst wieder als Bauherrin aktiv sein, forderte Gerheim. 180 berechtigten Antragstellern auf der Warteliste stünden im vergangenen Jahr ganze 20 Neubelegungen geförderter Wohnungen gegenüber. Insbesondere am Westring könne auf kommunalen Flächen bezahlbarer Wohnraum entstehen, Regie führen müsse dabei das Rathaus.

Mindestens 25 Prozent Sozialwohnungen forderte Ex-Stadtrat Manfred Kreis an dieser Stelle. Zeichen setzen und Bewegung schaffen müsse ein SPD-Bürgermeister zudem auf Altbaustellen wie dem früheren Stadtwerkegelände, Jahnsportplatz sowie bei der Erneuerung des Mutter-Kind-Bereichs im Freibad. Michael Hollerbach sah Wahlkampf-Schwerpunkte bei der Förderung des öffentlichen Nahverkehrs, namentlich im Fortbestand des Hopper-Angebots, und Verbesserungen an den Bahnübergängen. Aus Sicht von Ayla Sattler kann Gerheim vor allem beim Klimaschutz punkten: Vom Amtsinhaber und seiner FDP sei nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre zu diesem Zukunftsthema wenig zu erwarten.  (zrk)

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