Mehr als 150 Besucher bei Bürgerversammlung

Zu wenig Platz für Hallensport

Mit Fakten und Prognosen zur Sportstättenentwicklung versorgten die IKPS-Geschäftsführer Henrik Schrader und Dr. Jörg Wetterich, Bürgermeister Dr. Daniell Bastian und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Richard Georgi (von links) die Bürger im Riesensaal.
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Mit Fakten und Prognosen zur Sportstättenentwicklung versorgten die IKPS-Geschäftsführer Henrik Schrader und Dr. Jörg Wetterich, Bürgermeister Dr. Daniell Bastian und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Richard Georgi (von links) die Bürger im Riesensaal.

Seligenstadt -  Eine neue Großsporthalle braucht Seligenstadt nur, wenn die TGS-Turnhalle ausfällt. Zusätzlichen Bedarf an kleineren Räumen für den Vereinssport sehen Experten indessen schon jetzt.

Mehr als 150 Besucher einer Bürgerversammlung im Riesen lernten am Mittwochabend die Zahlen kennen, die Bürgermeister Dr. Daniell Bastian einem von den Stadtverordneten eingeforderten Sportstätten-Entwicklungsplan zugrunde legen will. Mehr als 40 Prozent aller Seligenstädter gehören Sportvereinen an: Nach den Recherchen des Stuttgarter Instituts für Kooperation, Planung und Sportstättenentwicklung (IKPS) ein außergewöhnlich hoher Organisationsgrad. Mit 0,19 Quadratmetern Sporthallenfläche pro Einwohner bewege sich die Einhardstadt im regionalen Vergleich allerdings eher am unteren Ende, ließ IKPS-Geschäftsführer Dr. Jörg Witterich die versammelten Bürger und Kommunalpolitiker im Riesensaal wissen. Strukturell vergleichbare Kommunen wie Ober-Ramstadt im Kreis Darmstadt-Dieburg (0,42 Quadratmeter) oder Babenhausen (0,25) weisen fast durchweg höhere Werte auf.

Voll ausgelastet sind im Trainings- und Übungsbetrieb unter der Woche nach Feststellung der Wissenschaftler allerdings nur die Großsporthalle der TGS einschließlich des auch für Gymnastik, Tanz- und Gesundheitssport genutzten Musikraums und die Ein-Feld-Turnhalle der Froschhausener Alfred-Delp-Schule, soweit sie nach Schulschluss den Vereinen zur Verfügung steht. Dabei gehen Witterich und sein Kollege Henrik Schrader von jeweils 35 Wochenstunden aus – ein Wert, der laut TGS-präsident Peter Eiles allerdings deutlich hinter der Realität zurück bleibt. Tatsächlich komme die Turngesellschaft locker auf 49 Stunden pro Woche und könnte, wenn es sie denn gäbe, eine zweite große Halle vollständig ausnutzen, betonte Eiles.

Zuhören und mitreden: Bürgerversammlung zum Thema Sportstättenentwicklung im Riesen.

Immerhin noch auf 31,5 Vereinsstunden kommt laut IKPS die Sporthalle der Konrad-Adenauer-Schule. In der großen Halle der Einhardschule sind Vereine 26 Stunden, im Zwei-Felder-Bau der Merianschule eine halbe Stunde länger zu Gange. Unter dem Strich reiche das Hallenangebot nicht ganz aus, so Witterich unter Berufung auf eine Befragung der Sportvereine wie auch der Schulen in allen drei Stadtteilen. Beim Schulsport wird das vorhandene Angebot etwas positiver wahrgenommen als in den Vereinen: Vier von sieben Schulen stuften ihre Hallenkapazität als sehr gut oder gut ein, keine als ungenügend. Eine eins oder zwei vergaben dem gegenüber elf von 23 Sportvereinen.

Überwiegend schlechte Noten gab es von den Ehrenamtlichen für die Quantität: Zu wenig Raum für den Hallensport. Die Ausstattung der Sportstätten kommt mit einem Durchschnitt von 2,6 indessen besser weg. Von der Stadt Seligenstadt fühlen sich die Sportvereine in der Tendenz eher gut als schlecht, in der Mehrzahl vor allem gerecht behandelt. So gab es beim Thema Gleichbehandlung mit 2,8 eine überdurchschnittliche Gesamtnote. Dafür hapert es offenbar bei der Transparenz: Für die Nachvollziehbarkeit sportpolitischer Entscheidungen vergaben die Befragten eine glatte Vier. Bürgermeister Bastian gelobte am Mittwoch Besserung und will damit anfangen, sämtliche von IKPS ermittelten Daten demnächst auf der Stadt-Homepage zu veröffentlichen.

Dabei seien die geballten Fakten aus Stuttgart lediglich Grundlage für die Beratung der städtischen Gremien, betonte der Rathauschef. Wenn dabei am Ende eine Entscheidung für zusätzliche Kapazitäten fällt, dann nach Empfehlung der Experten eher im kleinen Maßstab. Große Hallen mit zwei oder drei Feldern, in denen auch Mannschaftssport wie etwa Handball stattfinden kann, brauche Seligenstadt weniger dringend als bescheidenere Räumlichkeiten für Sportarten wir Yoga, Tanzen oder Gymnastik. Gemessen an den reinen Sportstätten fehlen in diesem Bereich laut IKPS Kapazitäten für 81 Wochenstunden. Werden alle Bürgerhäuser und sonstige Mehrzweckräume einbezogen, bleibt ein Fehlbedarf von 21 Stunden.

Kennen Sie die Wappen aus der Region?

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Abhilfe schaffen lässt sich nach Worten von Henrik Schrader, dessen Institut inzwischen über 250 überwiegend hessische Kommunen mit Sportstätten-Konzepten versorgt hat, oft schon mit einem zweiten Blick. Vorhandene, bisher aber nicht für Sport genutzte Räume aufzuspüren und eventuell in den Vereinsbetrieb einzugleisen, kann aus Sicht von Bürgermeister Bastian ein erster praktischer Schritt sein. Schrader empfahl auch, bei einer zentralisierten Hallenbelegung im Rathaus Prioritäten zu setzen und etwa dem Jugendsport Vorrang zu geben, Belegungspläne ins Internet zu stellen, Hallen-Öffnungszeiten zu verlängern und die tatsächliche Nutzung zu kontrollieren.

Müssen zusätzliche Räume her, tun es nach Worten des Experten auch Anbauten, eventuell Einfach-Konstruktionen ohne Heizung oder lediglich ein Dach. Gut läuft laut Schrader bundesweit ein Modell, bei dem Vereine eigene Spotzentren mit Fitnessstudio, Halle und Gastronomie betreiben: Damit lasse sich sogar Geld verdienen und der zumeist defizitäre Betrieb klassischer Sportanlagen stützen. (zrk)

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