Notizbuch der Woche

Kommentar: Buhmänner und Vorbilder

Seligenstadt - Im Gegensatz zur CDU war die SPD nie die ganz große Buhmann-Partei, wenn es in der Einhardstadt um die schon legendäre Diskussion über Schulentwicklungsplan (SEP) und Schulschließungen ging. Von Michael Hofmann

Gleichwohl wäre der ganze Schlamassel ohne die gütige Mithilfe der Genossenschar - vor allem auf Kreisebene - nie entstanden. Denn deren Machterhaltungstrieb in der Kreis-Koalition brachte die Kollegen vor Ort mehrfach mächtig in Bedrängnis und Erklärungsnot - Souveränität bei wichtigen Fragen sieht anders aus. Sogar SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Judith Pauly-Bender machte ihrer Verärgerung Ende Januar 2008 Luft, als sie ein aus ihrer Sicht enttäuschendes Landtagswahl-Ergebnis (33,0 Prozent) und ihre erneute Niederlage gegen einen damals arg schwächelnden CDU-Konkurrenten Frank Lortz (43,7 Prozent) in direkten Zusammenhang mit der Schul-Politik ihrer Genossen brachte. Das Erststimmenergebnis in Seligenstadt, so die SPD-Abgeordnete damals, habe gezeigt, dass Wähler ihren Protest gegenüber der hochproblematischen Schulpolitik, die die Kreistags-SPD verantworte, ihr aufs Konto gebucht hätten. Dabei habe manches darauf hingedeutet, „dass noch ein besseres SPD-Resultat möglich gewesen wäre“. Das sind alte Wunden, aber auch die heilen gelegentlich. Denn neuerdings verblüfft die Seligenstädter SPD-Fraktion mit einem ebenso einfachen wie fast genialen Vorschlag: Magistrat oder Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams sollen sich beim Kreis und in Wiesbaden dafür einsetzen, „das das Gebäude der Hans-Memling-Schule weiterhin als Dependance der ab 1. August neu organisierten Grundschule genutzt wird, so lange die Schülerzahlen dies erfordern“. Schlau, schlau, oder ums mit Dalli-Dalli-Hänschen Rosenthal  selig zu sagen: „Das war spitze!“ Denn dieser Vorschlag bietet auf ziemlich elegante Weise gleich mehrere Lösungswege: Er ermöglicht der von der Schließung bedrohten Hans-Memling-Schule zumindest eine sinnvolle Übergangszeit; er gibt den Eltern das Gefühl, dass eine spätere Schließung nicht nach Gutsherrenart oder Gusto, sondern nach Fakten erfolgt; er wäre ein Ausweg für den Fall, dass die Schülerzahlen „überraschenderweise“ - wie kürzlich bei der Einhardschule erlebt - doch üppiger ausfallen als prognostiziert. Außerdem könn(t)e so eine weitere wichtige Klippen umschifft werden: Keiner unserer vermeintlichen Schulexperten sowie Baby-, Jahrgangs- und Erbsenzähler in den Parteien verlöre sein Gesicht.

Nicht minder interessant ist in diesem Zusammenhang übrigens eine CDU-Initiative, nach der der Magistrat mit dem Kreis Offenbach darüber verhandeln soll, „dass ausreichende Flächen - mehr als ein Quadratmeter pro Kind/ Anpassung an die zurzeit bestehenden Verhältnisse in den Seligenstädter Grundschulen - für die Betreuung von 150 Schülern in der neuen Grundschule an der Giselastraße zur Verfügung gestellt werden.“ Da klingt schon eine gehörige Portion Misstrauen den Planungs- und Managementkünsten der eigenen Kreisspitze gegenüber mit. Ein Blick auf millionenschwere Klopse (Gerhart-Hauptmann-, Merian- und Einhardschule) lässt Verständnis für diese Art von Sicherstellungs-Reflex aufkommen.

Trauer um Herbert Wemelka

Trauer und Bestürzung rief der plötzliche Tod Herbert Wemelkas am Dienstag in Hainburg und weit über die Gemeinde hinaus hervor. Mit dem Ehrenbürgermeister (81) verabschiedet sich ein weiterer Mensch aus einer Generation, die Not und Elend des Krieges am eigenen Leib erfuhr, die zwar ihre Heimat, aber nicht den Mut verlor und die - davon geprägt - unser Land wieder aufgebaut hat. Herbert Wemelka war von diesem Kaliber, sein Name ist untrennbar mit der Gemeinde Klein-Krotzenburg verbunden. Nach der Gebietsreform war der CDU-Politiker der Architekt der neu formierten Gemeinde Hainburg. Nach vier Amtsperioden räumte er 1993 den Chefsessel im Rathaus. Die Zahl der Ehrungen und Auszeichnungen mit dem Bundesverdienstkreuz als Krönung ist bemerkenswert. Müßig hinzuzufügen, dass Wemelka engagiertes Mitglied in zahlreichen Vereinen war und zeitweise über 20 Ehrenämter ausübte. In den vier Jahrzehnten seines Wirkens, so Gemeindevertretervorsteher Franz Kemmerer und Bürgermeister Bernhard Bessel, habe Wemelka Maßstäbe gesetzt, die nur schwer zu erreichen sind. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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