100 junge Menschen besichtigen Unternehmen

Bustour in die Arbeitswelt

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Über das Aufgabenspektrum im Klein-Krotzenburger Unternehmen BSF Metallverarbeitung informierten sich vornehmlich Männer.

Seligenstadt - Eine Bustour der besonderen Art unternahmen rund 100 junge Leute am Freitagnachmittag. Die „Sehenswürdigkeiten“ beim Rundkurs zwischen Mainhausen, Seligenstadt und Hainburg: 14 Betriebe, die ihre Türen öffneten, um ihr Aufgabenspektrum zu präsentieren. Von Sabine Müller

Die Aktion „Job to go“ hatte der Arbeitskreis Willkommen in Kooperation mit Pro Arbeit erstmalig für die Region organisiert. Nach Anfrage des kommunalen Jobcenters des Kreises Offenbach hatten sich 14 Firmen aus den Sparten Dienstleistung, Handel und Gewerbe bereit erklärt, ihre Türen zu öffnen. Außerdem hatte Pro Arbeit die Freie Schule in Zellhausen, die Don-Bosco-Schule sowie die Merianschule in Seligenstadt und die Kreuzburgschule in Klein-Krotzenburg eingeladen. Etwa 40 Schülerinnen und Schüler sowie 60 Flüchtlinge waren schließlich angemeldet, um sich vor Ort über Praktika, Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten zu informieren. „Jeweils zwei Betriebe durfte man sich aussuchen“, erläutert Christin Hagemann, Leiterin Arbeitgeberservice bei Pro Arbeit, im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein Shuttle-Bus fuhr die Unternehmen in den drei Kommunen an, für die Besichtigung waren jeweils 30 bis 45 Minuten vorgesehen.

Die meisten gehen am Seligenstädter Sprach- und Integrationszentrum Flidum in der Kolpingstraße an Bord. Erster Ausstieg für rund 20 Teilnehmer ist die Haltestelle Asklepios-Klinik. Dafür interessieren sich auch fünf Mädchen von der Freien Schule. Die aus der sechsten Klasse „wollen nur schnuppern“, die Neuntklässlerinnen steuern schon ihren Hauptschulabschluss an. Im Seligenstädter „Akutkrankenhaus der gehobenen Grundversorgung“ gibt es viele verschiedene Berufsgruppen, sagt gleich darauf Nicole Stergiou, Abteilungsleiterin Pflege im Bereich Geriatrie, die mithilfe von Texten und Fotos auf der Leinwand ihr Haus und das Personal vorstellt. Die Gesundheits- und Krankenpfleger bilden die größte Gruppe. Ihr Beruf sei „mehr als Bettpfannenschleppen“, sagt Nicole Stergiou, sondern verantwortungsvoll, abwechslungsreich, zukunftssicher und biete viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Auch die Voraussetzungen – „vor allem gute Deutschkenntnisse!“ – kommen zur Sprache. Am 1. Oktober beginnt die nächste Ausbildungsrunde.

Vom klinisch reinen Umfeld in die Werkshalle der BSF Metallverarbeitung, wo es dreckig und laut ist. „Doch dafür gibt’s Schutzkleidung, Handschuhe und Ohrschützer“, erklärt Firmenchef Thorsten Schindler den sechs jungen Männern, die im Klein-Krotzenburger Gewerbegebiet ausgestiegen sind. In bald 23 Jahren lernten 15 Auszubildende den Zerspanungsmechaniker in Fachrichtung Frästechnik. „Fünf davon sind hier noch tätig“, sagt Geschäftsleiter Schindler, der gemeinsam mit seinem Partner Volkmar Frank einer zehnköpfigen Belegschaft vorsteht. Das Fertigungsspektrum konzentriert sich auf Werkzeug- und Formenbau. Beim Rundgang an den Maschinen sieht man, wie die Rohlinge in den programmierten CNC-Maschinen Gestalt annehmen, um dann etwa in der Automobilindustrie Verwendung zu finden. Ohne ein gutes Maß an Vorstellungskraft und Kenntnisse in Mathe und Physik geht hier nichts. Die Besucher – zum Teil aus Syrien und Pakistan – zeigen sich interessiert, fragen nach Ausbildungsmodalitäten und Bezahlung.

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„Die Begehrlichkeit nach Arbeit ist bei den Flüchtlingen groß“, sagte Burkard Müller, Koordinator beim Arbeitskreis (AK) Willkommen, bevor die After-Work-Party für alle im Flidum startete. Die Aktion mache die Bedingungen klar und sei Ansporn, Deutsch zu lernen. Christin Hagemann räumte ein, dass auch die 14 Betriebslotsen ein paar Unstimmigkeiten nicht verhindern konnten. So kamen Teilnehmer zu spät, andere wussten nicht wohin und fuhren an ihrem Ausstiegspunkt weiter. Generell sei aber das Ziel, die Arbeitswelt kennenzulernen, erreicht worden.

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