Hüpfen auf einem Bein während Corona

Warum sich die Wiedereröffnung für viele Restaurants nicht lohnt

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Ziemlich viel Freiraum zwischen den Tischen auf dem Freihofplatz.

Auf ersten Blick sah es fast aus wie immer – hätten die Bedienungen keinen Mundschutz getragen, die Tische enger gestanden. Kaum durften die coronageplagten Gastronomen am Freitag wieder öffnen, füllte sich die Seligenstädter Altstadt mit Gästen. 

Seligenstadt - Restlos glücklich mit der Situation zeigte sich dennoch keiner der von unserer Zeitung Befragten.

Aber erst mal das Positive: „Es ist super, wieder persönlichen Kontakt mit seinen Kunden zu haben“, freut sich Kadri Akdag. Der Drei-Kronen-Wirt vom Freihofplatz wertet dies als „Zeichen, dass es aufwärts geht“, und gibt sich entsprechend motiviert. Zu den ersten Stammkunden, die er begrüßen kann, zählt Karl Heinz Demmrich, sonst drei-, viermal die Woche auf einen Kaffee da.

Dennoch sei alles „anders“, formuliert Akdag und nennt ein Problem: „Die Bestimmungen sind nicht klar dargestellt, manchmal schwanken wir, was erlaubt ist und was nicht.“ Sofern er sich an die Regeln halte, sei der Betrieb unrentabel. Ein Beispiel: „Wenn ich die 60 Quadratmeter draußen durch fünf teile, komme ich auf zwölf Plätze. Ich habe selbst vier Kinder. Zwei Familien wie meine, und die Terrasse ist voll.“

Acht Zweier-Tische hat Akdag aufgestellt, arbeitet derzeit mit halber Mannschaft. „Ich muss beobachten, wie sich das entwickelt.“ Auch im zugehörigen Hotel mit zwölf Doppel- und elf Einzelzimmern haben sich für Freitagabend die ersten sechs oder sieben Besucher angemeldet; weitere Buchungen liegen bislang nicht vor. „Ich bin froh, wenn ich das Jahr kostendeckend über die Bühne bringe“, sagt der Chef. „Das wäre ein großer Erfolg.“ Mit Gewinn rechnet er nicht. 

Lächeln unter Mund-Nase-Schutz auf dem Marktplatz

Gudrun Jann spricht dagegen von einer „Katastrophe“. Die Mitarbeiterin im Eiscafé Maintor trägt ihren Mund-Nase-Schutz gelassen. „Aber die Kunden müssen das auch, bis die Bestellung da ist, müssen sich die Hände desinfizieren, sich registrieren lassen.“ Am Wochenende schaue sie sich das an. „Wenn es sich nicht lohnt, kann es passieren, dass wir wieder schließen.“

Inhaber Timo Jann hat keinen von seinen vier Festangestellten und seinen 450-Euro-Kräften entlassen – und dies auch nicht vor. Die aktuelle Lage bringt er aber in einem Bild auf den Punkt: „Stellen Sie sich vor, Sie hüpfen auf einem Bein, haben einen Arm auf den Rücken gebunden und ein Auge zu. So arbeiten wir zurzeit. Wir machen alles mit halber Kraft.“

Im Kleinen Café am Markt betätigt sich Ute Kopetz auch als Unterhalterin. „Ich sprüh’ Sie mal eben von oben bis unten mit Desinfektionsmittel ein“, scherzt sie mit ihren Gästen. Den Spaß machen Petra Welter-Hofacker und Kurt Hofacker aus Froschhausen bereitwillig mit: „Sie dürfen gern bei uns üben!“

Als „sehr, sehr spooky“ beschreibt Kopetz diesen Ausnahmezustand, trotz des lockeren Umgangstons. „Auf Dauer geht das nicht...“ 

VON MARKUS TERHARN

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