Corona-Würfelspiel

Kosmetikerin hat Corona-Odyssee hinter sich - und viele schlechte Erfahrungen gemacht 

Kosmetikerin Anja Schmiedl: „Halten Sie sich an die Vorgaben!“
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Kosmetikerin Anja Schmiedl: „Halten Sie sich an die Vorgaben!“

Eine Kosmetikerin aus Seligenstadt im Kreis Offenbach berichtet über ihre Erfahrungen mit Gesundheitsämtern in der Corona-Krise.

  • Eine Kosmetikerin berichtet über ihre Erfahrungen mit den Gesundheitsämtern im Kreis Offenbach
  • Die Frau aus Seligenstadt erkrankte selber schwer
  • Einen Test auf das Coronavirus bekam sie jedoch nicht

Seligenstadt – Anja Schmiedl kommt den Menschen bei ihrer Arbeit nah, mitunter auch sehr nah. Den derzeit vorgegebenen Mindestabstand von 1,50 Metern kann sie nie einhalten, als Kosmetikerin ist das unmöglich.

Seit vielen Jahren ist die Seligenstädterin in diesem Beruf selbstständig und kam noch vor dem sogenannten Lockdown, der die wochenlange Schließung aller Geschäfte und die Einstellung des gesellschaftlichen Lebens zur Folge hatte, mit einer Kundin in Kontakt, die kurz darauf positiv auf Corona getestet wurde. Die Erfahrungen, die sie daraufhin mit den Behörden gemacht, lassen so manche Regelung während der Krise zweifelhaft erscheinen.

Corona im Kreis Offenbach: Tests auf das Virus nur ein Würfelspiel?

„Das Gesundheitsamt in Dietzenbach bekam von mir die Information, dass ich nachweislich mit einer positiv getesteten Person in Kontakt war. Daraufhin wurde ich gefragt, ob ich Symptome habe. Da das Virus etwas braucht, bis es seine Wirkung zeigt, habe ich natürlich geantwortet, dass ich momentan keine Symptome habe“, berichtet Anja Schmiedl. Prophylaktisch hätte sie aber einen Test gemacht, da sie mit vielen Menschen in Kontakt kommt. Doch die Antwort des Gesundheitsamtes fiel überraschend aus.

„Man sagte mir, dass die Tests ungenau seien und einem Würfelspiel glichen. Zweieinhalb Wochen später hatte Covid-19 vermutlich zugeschlagen: Ich war richtig krank, wie noch nie zuvor in meinem Leben.“ Sie ging zu ihrem Hausarzt, doch der habe sie nur gefragt, ob sie in China gewesen sei. Sie wies sich selbst in die Asklepios-Klinik ein, trotz der nun schweren und offensichtlichen Symptome sei aber auch dort kein Test vorgenommen worden. „Stattdessen legte man mich mit zwei älteren Damen zusammen auf ein Zimmer.“

Corona im Kreis Offenbach: Kosmetikerin aus Seligenstadt erkrankt – „Es ging niemand ans Telefon“

Nachdem sie wieder entlassen wurde, kam zum 20. März die Schließung ihres kleinen Betriebs durch amtliche Anweisung - so wie auch alle Friseursalons zu diesem Zeitpunkt schließen mussten. Als im Zuge von Lockerungsmaßnahmen Geschäfte wieder öffnen durften, habe sie erneut versucht, sich mit den Gesundheitsbehörden in Verbindung zu setzen, um einen Test machen zu können. In Dietzenbach hatte sie keinen Erfolg. „Es ging niemand ans Telefon, ein Anrufbeantworter war nicht geschaltet.“ Die gleiche Erfahrung machte sie in Offenbach. Erst beim dritten Versuch - nun beim Gesundheitsamt in Darmstadt gelandet - erwischte sie einen Mitarbeiter am Telefon. Dort schilderte sie ihre Erlebnisse detailliert, doch die Antwort überraschte und verärgerte sie. Denn mit dem Hinweis darauf, dass es zu wenig Tests gebe, verweigerte man ihr erneut eine Untersuchung auf nun mögliche Antikörper. Stattdessen sagte ihr auch dieser Mitarbeiter, dass die Tests ohnehin wertlos, weil zu ungenau seien.

Seine Empfehlung: Distanz bewahren und den Abstand von 1,50 Meter einhalten. „Ich sagte ihm, dass ich Kosmetikerin bin, und dass ich so meine Arbeit nicht machen kann“, empört sich Anja Schmiedl. Doch hatte sie das Gefühl, dass der Darmstädter Amtsmitarbeiter ihr gar nicht zuhörte, denn er erwiderte nur kurz und knapp: „Halten Sie sich an die Vorgaben!“

Kosmetikerin aus Seligenstadt (Kreis Offenbach) berichtet über Erfahrungen mit Gesundheitsämtern während Corona

Damit waren Anja Schmiedls Versuche, sich auf Corona/Antikörper testen zu lassen, beendet. Ihre Kundin, die positiv getestet war, habe leichte Heuschnupfensymptome gehabt, der Lebensgefährte sei negativ getestet worden.

Angesichts dieser Erlebnisse hat die Seligenstädterin wenig Verständnis für die Restriktionen, die von den Regierungen auferlegt werden. Dass nach dem Auftreten von Corona-Fällen in Göttingen die ganze Stadt dazu verpflichtet wurde Test zu machen, findet sie ebenso absurd, wie die „brachialen Maßnahmen“ der Polizei bei den sogenannten Hygiene-Demos, zumal bei den Anti-Rassismus-Aufmärschen „Black lives matter“ zehntausende Menschen ohne Probleme die Mindestabstände unterschritten hätten und viele ohne Mundschutz unterwegs gewesen seien. „Auch ich bin der Meinung, dass in solch einer Pandemie ein Hygieneschutzgesetz greifen muss. Aber warum hebelt die Regierung gleich Grundgesetze aus?“ fragt Schmiedl.

Die Regierung habe angekündigt, dass sämtliche Beschränkungen aufgehoben würden, wenn Infektionen unter einem Prozent liegen. Nun liege diese Zahl weit darunter, dennoch werde das Versprechen nicht eingehalten und die Maßnahmen - mit Blick nach Göttingen - bisweilen noch verschärft.

VON OLIVER SIGNUS

Das Sozialministerium meldet täglich die aktuellen Corona-Fallzahlen für Offenbach, Hanau und Darmstadt. Alle Entwicklungen zur Corona-Krise gibt es im News-Ticker.

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