Ausbau der Bahnstrecke im Ostkreis kein Thema / Bahnsteige verlängern

„Corona passt die Arbeitswelt an“

Der zweispurige Ausbau der Bahnstrecke Seligenstadt-Hainstadt ist derzeit kein Thema. Eine Machbarkeitsstudie ermittelt Kosten von zwölf Millionen Euro.
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Der zweispurige Ausbau der Bahnstrecke Seligenstadt-Hainstadt ist derzeit kein Thema. Eine Machbarkeitsstudie ermittelt Kosten von zwölf Millionen Euro.

Ostkreis – Aus dem für viele Pendler und Kommunalpolitikern erhofften Ausbau der Bahnstrecke zwischen Seligenstadt, Hainburg und Zellhausen wird in absehbarer Zeit nichts werden. Wie Andreas Maatz, Geschäftsführer der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (kvgOF), auf Anfrage mitteilte, ist dies unter den aktuellen Umständen nicht realisierbar. Der Ausbau der Strecke zwischen Seligenstadt und Hainburg ist seit Jahren Thema in den politischen Gremien Seligenstadts und den beiden Gemeinden Hainburg und Mainhausen.

Das Vorhaben sei extrem teuer, sagte Maatz. Ein Problem seien dabei die bundesweit geltenden Förderrichtlinien, die es für bereits bestehenden Strecken erschwerten, an finanzielle Unterstützung zu kommen. Die Richtlinien würden zwar überarbeitet, unterm Strich sei das Ganze aber eine Kosten-Nutzen-Rechnung.

Die Studie habe der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben, als von einer Pandemie noch nicht die Rede war. Doch seit Jahresbeginn sei vieles anders. „Wir tun uns schwer zu sagen, wie es sich entwickelt“, meint der kvgOF-Geschäftsführer: „Corona passt die Arbeitswelt an.“

Denkbar wäre zurzeit lediglich, dass zu den Spitzenzeiten zusätzliche Waggons an die Züge angehängt werden könnten. Dazu müssten dann gegebenenfalls die Bahnsteige verlängert werden. „Die Verlängerung wäre aus den genannten Gründen eine kurzfristig umzusetzende Maßnahme, die eine Abhilfe bei den Kapazitäten in der Bahn schaffen könnte“, erläuterte Maatz.

Dem Vernehmen nach ist diese Maßnahme an den drei Bahnhöfen im Ostkreis auch Teil der Studie. Die Kosten sollen jeweils 800 000 Euro in Seligenstadt und Hainburg betragen, in Zellhausen ist die Erweiterung mit 400 000 Euro veranschlagt.

Des Weiteren untersuchten die Fachleute einen zweigleisigen Ausbau zwischen Seligenstadt und Hainburg als sogenannten Begegnungsabschnitt. So soll ein regelmäßiger stündlicher Stopp in Zellhausen möglich sein. Ein zweigleisiger Ausbau in Seligenstadt ist nach Ansicht der Fachleute unter anderem wegen diverser Straßen- und Fußgängertunnel, der Dammlage sowie einem durchschnittenen FFH-Gebiet im Norden der Einhardstadt mit großem Aufwand verbunden. Daher sei auch ein etwa zwei Kilometer langer zweigleisiger Abschnitt, beginnend nördlich des FFH-Gebiets bis zum Bahnhof Hainstadt, mit einem weiteren Gleis auf der Westseite möglich. Grob geschätzt betragen die Kosten für die reduzierte zweigleisige Variante südlich von Hainstadt knapp zwölf Millionen Euro plus Planungskosten.

Bereits im Sommer hatten sich Vertreter des Kreises Offenbach, des Odenwaldkreises, des Landkreises Darmstadt-Dieburg und der Stadt Darmstadt mit dem RMV in der sogenannten „Erbacher Erklärung“ zur Zukunft der Odenwaldbahn verständigt. Basis dafür war laut Maatz die Studie. Zu den kurzfristigen Maßnahmen gehört eine Verstärkung der Kapazitäten an Wochenenden. Eine weitere Möglichkeit ist der Erklärung zufolge das Schließen von Taktlücken. Außerdem setzten sich die Gesprächspartner für den Ausbau der Bahnsteige ein.

Von Oliver Signus

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