Kommunalwahl in Seligenstadt

Kandidaten zum Thema Flüchtlinge

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AK „Willkommen“ im Dialog mit Kommunalpolitikern: Arbeit besser verzahnen, Koordinator bei der Stadt ist wichtig.

Seligenstadt - „Wie packen wir Flüchtlingspolitik gemeinsam an?“ Dies wollten Mitglieder des Arbeitskreises (AK) „Willkommen in Seligenstadt“ von Kommunalwahlkandidaten wissen und hatten zu einem Austausch ins Kleine Brauhaus eingeladen. Von Sabine Müller

Tenor in der rund 50-köpfigen Runde: Seligenstadt braucht ein seriöses Informationsportal, die Arbeit von AK, Verwaltung und Politik muss besser verzahnt, und mehr Bürger müssen ins Boot geholt werden. Heute solle weder die weltweite Flüchtlingslage erörtert werden, noch gehe es um Miss-Wahlen für die schönste Partei, stellte AK-Sprecher Burkard Müller eingangs klar. Stattdessen wollten die ehrenamtlichen Helfer wissen, wie in der Stadt Integration gemeistert und die Informationspolitik verbessert werden könne. Der AK besteht seit 15 Monaten, hat derzeit 254 Mitglieder und unterbreitet den aktuell 321 Flüchtlingen 21 Hilfsangebote. Angesichts von 700 bis 800 Asylsuchenden, die in absehbarer Zeit in Seligenstadt leben, sehen sich die Ehrenamtlichen jedoch vor Problemen, die sie nicht mehr stemmen können. Dies wurde schon in der Vorstellungsrunde deutlich, bei der sich im Übrigen offenbarte, dass einige Anwesende sowohl Lokalpolitik machen als auch im AK engagiert sind.

Sie unterstützen die Hausaufgabenhilfe, geben Nähkurse und Deutschunterricht, verwalten den Fundus für Kleidung und Möbel, organisieren Wohnungen und Begegnungscafés, vermitteln in Sport- und Gesangsvereine oder gar an einen Arbeitsplatz. An sich schon ein Fulltime-Job, der aber noch erschwert werde. Ein „Danke“ – dass mehrfach in der Runde ausgesprochen wurde – reicht den Helfern nicht mehr. So brauche etwa der Fundus dringend einen Transporter, fehlende Unterkünfte für anerkannte Flüchtlinge schafften Frustration, und Hauspaten fühlten sich alleine gelassen, auch weil es viel zu wenige gebe. „Verwaltung und Caritas blockieren oft“, war aus dem AK zu hören. Es solle kein falscher Zungenschlag entstehen, erklärte Burkard Müller, aber Zuständigkeiten würden gerne weitergereicht, Anfragen beim Fachmann im Rathaus erst mal liegenbleiben, bis er sich kundig gemacht habe. „Ich habe manchmal den Eindruck, man hat sich zurückgelehnt nach dem Motto: Wir haben ja so viele Ehrenamtliche.“ Die Stadt habe dann das Problem, dass die Stimmung in der Bevölkerung kippe. „Wir brauchen nicht noch einen Sozialarbeiter, sondern eine Stabstelle, die koordiniert.“

Ticker zur Kommunalwahl in Seligenstadt

Zu diesem Schluss waren auch die Politiker gekommen, nachdem der AK-Sprecher sie gefragt hatte, wer die Integration managen solle. „Ein Koordinator bei der Stadt ist wichtig“, meinte SPD-Fraktionschef Michael Gerheim. „Ich warne aber davor, das zu sehr in Verwaltungshand zu geben“, so René Rock (FDP). „Wir brauchen einen Lenkungskreis, aber die Bürger sollten den Hut aufhaben – schade, dass es bisher keine Bürgerversammlung gab.“ Es sei leicht, auf die Verwaltung einzudreschen, sagte Grünen-Sprecherin Natascha Maldener-Kowolik. „Ich werbe für eine bessere Verzahnung, wir wollen einen Runden Tisch für den Austausch aller.“ SPD-Kandidat Reiner Stoll erinnerte, eine Verwaltung könne es gar nicht leisten, so viel Zeit und Empathie für die Flüchtlinge aufzubringen, wie die Helfer.

AK-Sprecher Burkhard Müller war außerdem daran gelegen, den Informationsfluss in der Stadt zu verbessern. „Wir dürfen nicht die Meinungsbildung den Angstmachern überlassen, sondern müssen stattdessen klar Position beziehen.“ Es kursieren viele Gerüchte, wussten Mitarbeiter aus dem AK-Ressort „Öffentlichkeitsarbeit“. „Ich wünsche mir eine Info-Politik für alle Bürger, die fragen: Warum haben die Flüchtlinge ein neues Handy? Warum laufen die durch die Gegend?“, sagte eine Helferin. Alle Fraktionen sprachen sich für die Unterstützung eines Informationsportals aus, das auf der Homepage des Arbeitskreises „Willkommen“ angesiedelt ist und aktuelle Daten und Fakten zur Situation der Flüchtlinge in Seligenstadt liefert.

Bilder: So helfen Sie Flüchtlingen in der Region

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