Infoveranstaltung

Dialog über neues Kita-Gesetz: Was wollen die Eltern?

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Kostenloser Teilzeitkindergarten oder mehr Qualität und neue Kita-Plätze? Nach dem Elternwillen forschte die Seligenstädter FDP bei einem Informationsabend im TGS-Kolleg.

Seligenstadt -  Freies Geld in Bildungsqualität und neue Kita-Plätze statt in den gebührenfreien Teilzeitkindergarten stecken: Unterstützung für diese Forderung an die Adresse der hessischen Landesregierung fand die Seligenstädter FDP bei einer Informationsveranstaltung im Kolleg der TGS-Turnhalle.

Eltern, die das Wort ergriffen, stellten sich mehrheitlich hinter die liberalen Prioritäten, fragten aber auch kritisch nach: Kommt das Geld, das Familien für Betreuung zahlen, am Ende wirklich bei den Kindern an?
Noch ist das Gesetz, mit dem Wiesbaden ab August sechs Kindergarten-Stunden landesweit beitragsfrei stellen will, nicht endgültig verabschiedet, da wird in den Kommunen vor Ort bereits um Positionen gerungen. Nächste Woche, kündigte die Seligenstädter FDP-Chefin Susanne Schäfer an, treten die Politiker auf Einladung von Bürgermeister Dr. Daniell Bastian in den Dialog mit den Kita-Trägern ein: Wie soll die Stadt, die die Kinderbetreuung in allen Altersstufen von der Krippe bis zu den Zehnjährigen letztlich finanziert, mit dem Wiesbadener Angebot umgehen? „Wir entscheiden nicht gegen den Willen der Eltern“, versicherte Schäfer vor rund 20 Zuhörern. Nächste Woche Mittwoch will die CDU-Fraktion an gleicher Stelle für ihren Antrag werben, das Angebot des Landes anzunehmen: Beitragsfreiheit ab August in allen Kitas für Kinder von drei bis sechs Jahren.

Die in diesem und im kommenden Jahr bereit gehaltenen 440 Millionen Euro aus der Landeskasse lieber in den Ausbau der Betreuungslandschaft zu stecken, befürwortete Rolf Schmidt, geschäftsführender Gesellschafter der privaten Erasmusschule in Offenbach. Als Referent im TGS-Kolleg zeichnete er ein düsteres Bild der deutschen, insbesondere hessischen Betreuungslandschaft: Frühkindliche Bildung zeitige nach einer aktuellen Studie so gut wie keinen Erfolg, so der Sozialwissenschaftler, dessen Einrichtungen mit rund 100 Beschäftigen nach seinen Worten derzeit um die 300 Kinder im Alter von einem bis zehn Jahren in Offenbach und Frankfurt betreuen.

Ursachen sieht Schmidt unter anderem im Fehlen bundeseinheitlicher Bildungsziele und -methoden für das Vorschulalter. Gerade Hessen habe in den vergangenen Jahrzehnten viel zu wenig für die Förderung der Jüngsten getan, Finanzierung und Gestaltung der Kita-Bildung fast ausschließlich den Kommunen und den Eltern überlassen. Gerade der Kindergarten werde immer noch zu wenig als Bildungsstätte wahrgenommen. Mit dem Kinderförderungsgesetz (Kifög) sei nun zwar ein Anfang mit brauchbaren Zielsetzungen gemacht. Die Umsetzung allerdings bleibe angesichts fehlenden Personals und mangelnder Raumkapazitäten ein Wunschtraum, eine Erfolgskontrolle finde nicht statt. Kitas in Hessen seien noch immer um 30 bis 40 Prozent schlechter ausgestattet als etwa in Baden-Württemberg.

Die Liberalen vermissen auch bei der Initiative für den gebührenfreien Teilzeit-Kindergarten echtes Landes-Engagement. Die dafür aufgewandten Mittel sollen nach Worten des stellvertretenden Ortsvorsitzenden Christian Bengs zum großen Teil aus dem kommunalen Finanzausgleich kommen. Dort fehle das Geld dann wieder beim Ausbau der Betreuungseinrichtungen für den zusätzlichen Bedarf, der mit der Gebührenfreistellung zu erwarten sei.

So können Eltern das kindliche Selbstbewusstsein stärken

Wie sich Eltern zu den Landesplänen stellen, hängt nach Feststellung der Gastgeber wesentlich von deren unmittelbaren Bedürfnissen ab. „Wer einen Platz für sein Kind hat, wird die Gebührenfreiheit eher begrüßen als jemand, der noch einen Platz sucht.“ Diese Formel, von dem Liberalen Steffen Thiel in den Raum gestellt, griff nur bedingt. „Ich zahle lieber, habe dafür aber genügend Personal und verlässliche Betreuung“, merkte eine Mutter an. Kurzfristige Engpässe oder gar Totalausfall einer Kita bedeuteten für berufstätige Eltern den Super-GAU, meint Henning Berz, selbst Vater einer fünfjährigen Tochter. Verlässlichkeit müsse Vorrang haben, und dazu brauche es eine angemessene Personaldecke. Ein aus Bayern zugezogener Vater hat nach eigenen Worten nichts von hessischer Gebührenfreiheit, solange sein Kind mangels Betreuungsplatz in Seligenstadt am Arbeitsplatz seiner Frau im Landkreis Aschaffenburg in die Kita müsse.

Klar wurde in der Diskussion auch: Wie Betreuung vor Ort funktioniert, hängt immer von politischen Entscheidungen ab. Gänzliche Gebührenbefreiung wie etwa in Rodgau fordere anderswo im städtischen Etat ihren Preis, beschied Suanne Schäfer: Dieses Geld müsse an anderer Stelle eingespart oder, über kommunale Steuern und Beiträge, der Allgemeinheit auferlegt werden. (zrk)

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