Kriminalstatistik für 2017

„Dicke Fische“ gut für Quote

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„Seligenstadt ist schön und sicher“, so Polizeichef Josef Michael Rösch.

Seligenstadt - Die mit 782 zweitniedrigsten Fallzahlen der vergangenen 20 Jahre bei gleichzeitiger Rekord-Aufklärungsquote präsentierte Seligenstadts Polizeichef Josef Michael Rösch bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2017 gestern im Rathaus. Von Oliver Signus 

„Seligenstadt ist schön und sicher“, resümierte er zufrieden. Er sei normalerweise niemand, der in Superlativen schwelge: „Doch heute mach ich mal eine Ausnahme“, sagte Josef Michael Rösch, Leiter der Seligenstädter Polizeistation bei der Präsentation der Kriminalstatistik für 2017 gestern im Rathaus der Einhardstadt. Der Grund für die Euphorie des Polizeichefs sind die im Polizeipräsidium Südosthessen, zu dem auch der Stützpunkt in der Einhardstadt zählt, auf Rekordtief gesunkenen erfassten Straftaten. 45 131 wurden 2017 registriert (2016:47.369). Dabei stieg die Aufklärungsquote von 61,5 auf 64,2 Prozent. In Seligenstadt stieg die Zahl der erfassten Fälle von 763 auf 782, doch verzeichneten die Ordnungshüter mit „historischen“ 58,2 Prozent eine um fast acht Prozent höhere Aufklärungsquote gegenüber 2016 (50,3 Prozent).

Maßgeblich war dabei die Festnahme mehrerer Serienstraftäter behilflich. So zogen die Beamten einen 37-jährigen Offenbacher aus dem Verkehr, der für insgesamt weit über 100 Autoaufbrüche verantwortlich ist. Der schwer drogenabhängige Mann wurde laut Rösch am 16. Mai 2017 aus dem Gefängnis entlassen und knackte zwischen dem 18. und 31. Mai in Seligenstadt zwölf Autos, bevor er den Gesetzeshütern erneut ins Netz ging und nun wieder hinter Gittern sitzt. Ebenfalls drogenabhängig ist ein 24-jähriger Rumäne, den die Polizei für diverse Wohnungseinbrüche verantwortlich macht. Außerdem soll er sich auch als Autoknacker betätigt haben. Der Mann hat sich wohl in seine Heimat abgesetzt, vermutet Rösch. Auch zwei Chilenen, die die Polizei einer organisierten Verbrecherbande zuordnet, konnten die Seligenstädter Polizisten „dingfest“ machen, wie es im Beamtendeutsch heißt. Das Duo wurde im Juli geschnappt und im Dezember wegen mehrfachen Einbruchs zu zwei Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt (wir berichteten). Diese Erfolge trugen dazu bei, dass die Aufklärungsquote beim so genannten „Diebstahl unter erschwerenden Umständen“ von 8,1 Prozent - laut Rösch der „normale“ Wert - auf 43,4 Prozent kletterte. Die Zahl der Wohnungseinbrüche stieg um zwei auf 36. Da die genannten Personen für einen Teil der Taten verantwortlich waren, kletterte die Aufklärungsquote von knapp drei auf 44,4 Prozent. Zudem registrierte die Polizei eine gestiegene Zahl gescheiterter Einbruchsversuche (58 Prozent). Rösch führt das auf die zunehmend besser gesicherten Wohnhäuser zurück.

Einen „weniger hohen Stellenwert“ hat in der Einhardstadt die Drogenszene. Sie sei vorhanden, beschränke sich aber zumeist auf junge Leute, „die sich mal einen Joint gönnen. Und ab und an kommt dann die die Polizei hinzu“, sagt der Dienstellenleiter. Es gebe aber keine speziellen Plätze, an denen gehandelt werde. Harte Drogen wie Kokain oder Crystal Meth spielten kaum eine Rolle.

Gestiegen sei auch die Zahl der vorläufig festgenommenen organisierten Autoknacker, vornehmlich kämen sie aus Litauen. Sie bauen professionell Lenkräder, Navis oder Airbags aus. 100 Fälle (2016: 32) tauchen in der Statistik auf, 76 Prozent konnten geklärt werden, da die erwähnten festgenommenen Männer für zahlreiche Taten verantwortlich waren.

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Mord oder Totschlag gab es im vergangenen Jahr gar nicht, den einzigen Raub („Abrippen unter Jugendlichen“) klärte die Polizei auf. Bei den elf Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung habe es sich zumeist um Vorfälle mit Exhibitionisten gehandelt. In sieben Fällen konnten die Akten geschlossen werden.

„Die Statistik belegt, dass wir in einer sehr ruhigen Region leben“, lautete Röschs Fazit. An den „Peaks“, den Bereichen mit höheren Fallzahlen, werde die Polizei arbeiten. Bürgermeister Dr. Daniell Bastian zeigte sich ebenfalls zufrieden. „Auch wenn die gefühlte Wahrnehmung durch soziale Medien eine andere ist, muss man aber schauen, was Fakt ist.“ Und die Fakten sprächen eine deutliche Sprache.

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