Belasteter Boden

Übler Gestank nervt Anwohner - Ursache lag unter dem Asphalt

Wer andern eine Grube gräbt, der muss auch zusehen, wie er den Aushub fachgerecht beseitigt.
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Wer andern eine Grube gräbt, der muss auch zusehen, wie er den Aushub fachgerecht beseitigt.

In Seligenstadt müssen Anwohner seit einiger Zeit mit einem penetranten Dieselgeruch leben. Wo ein Supermarkt Parkplätze bauen will, wurde zunächst tonnenweise belastete Erde ausgehoben.

Seligenstadt – Anwohnern des Areals Aschaffenburger Straße 84 in Seligenstadt stinkt’s buchstäblich zum Himmel. Ursache ihres Unbehagens ist ein deutlich wahrnehmbarer Dieselgeruch. „Nachvollziehbar“ nennt das Nina Lipp, Sprecherin des Regierungspräsidiums Darmstadt, an das unsere Zeitung Anfragen besorgter Bürger weitergeleitet hat. „Weil Mineralölkohlenwasserstoffe schon in sehr geringer Konzentration zu riechen sind.“ Dies sei besonders bei Altlasten der Fall, deren Vorkommen sich quasi von selbst erklärt: Auf dem Grundstück, das der benachbarte Lidl-Markt für eine Erweiterung seiner Parkflächen nutzen will, stand früher ein Autohaus mit Kfz-Werkstatt und Tankstelle.

Diesel-Gestank in Seligenstadt: Ursache ist bekannt

Lipp spricht von mehreren unterirdischen Tankanlagen, die im Zuge der Umnutzung 1998 zurückgebaut wurden. Dabei fanden sich die erwähnten Mineralölkohlenwasserstoffe sowie sogenannte Polycyclisch-aromatische Kohlenwasserstoffe. „Der Boden wurde zwar entfernt, aber es blieben Restbelastungen zurück“, hat Lipp rekonstruiert. Aus statischen Gründen sei damals keine vollständige Beseitigung angeordnet worden.

2003 wurden nach Arbeiten auf dem Nachbargrundstück Grundwasserproben veranlasst, berichtet RP-Sprecherin Lipp weiter. „Beeinträchtigungen waren dabei nicht festzustellen.“ Eine von ihrer Behörde erlassene sogenannte Baulasteintragung sollte außerdem verhindern, dass Regen Substanzen ins Grundwasser spült.

Schadstoffe im Boden von Seligenstadt: Belasteter Boden ausgehoben

2018 konkretisierten sich die Pläne der Firma Lidl, das fragliche Grundstück zu erwerben, um dort Autostellflächen für ihren benachbarten Markt zu schaffen. Aus diesem Anlass gab es weitere umwelttechnische Untersuchungen des Untergrunds. Diese bestätigten laut Lipp, dass besonders auf der Fläche der ehemaligen Tankstelle der Boden nach wie vor belastet war. Nach erfolgreichen Kaufverhandlungen bekräftigte Lidl als neuer Eigentümer seine Absicht, die Treibstoff-Rückstände vollständig zu entfernen.

Im April 2019 erging dann ein Bescheid zum Aushub belasteten Erdreichs. Bei der Abbruchgenehmigung für Tankstellen- und Werkstattgebäude machte das Bodenschutzdezernat Auflagen, um sicherzustellen, dass Niederschläge keine Schadstoffe ins Grundwasser schwemmten. So folgte im Herbst 2019 der Aushub der restlichen Böden, die nach dem Abriss der alten Gebäude leichter zugänglich waren. Zuvor hatten diese ein ernsthaftes Hindernis für die Arbeiten dargestellt, wie Lipp ausführt. Bei der Sanierung sei der Boden bis hinab zur Grundwassersohle ausgekoffert worden, und zwar bis an die Grundstücksgrenzen.

Übler Diesel-Geruch in Seligenstadt: Entsorgung dauert an

„Die im Bescheid festgelegten Sanierungszielwerte wurden fast überall erreicht“, versichert Nina Lipp. Allerdings werde an zwei Stellen der Baugrube derzeit weiteres belastetes Erdreich ausgehoben. Erschwerend komme hinzu, dass dieses zunächst auf dem Gelände zwischengelagert werde, bis ausreichend Proben entnommen worden seien. „Erst dann wird es der fachgerechten Entsorgung zugeführt“, stellt Sprecherin Lipp in Aussicht. Scheint, als müssten die Nachbarn sich noch ein Weilchen die Nasen zuhalten... (Markus Terharn)

Dass ein Hauch Großstadt-Odeur durch Seligenstadt weht, passt immerhin zu der neuen Erweiterung des Autobahn-Schildes von Seligenstadt: Ein zusätzliches Schild verortet Seligenstadt jetzt in der „Metropolregion FrankfurtRheinMain“.

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