Tierschützer sprechen von mafiösen Strukturen

Dubioses Geschäft mit Welpen: Spur führt nach Seligenstadt

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Seligenstadt - Entsetzen und Entrüstung unter den Tierfreunden im Ostkreis: Die Einhardstadt als Heimstatt dubioser Welpenhändler?  Von Michael Hofmann

Bereits Anfang des Monats war das Seligenstädter Amtsgericht mit der Thematik befasst, am morgigen Dienstag ist ein weiterer Termin samt Urteilsverkündung anberaumt. Tierschützer und ihre Organisationen schlugen zum Wochenende Alarm, schlossen sich kurz und kündigten ihr Kommen an. Das hr-Magazin Maintower strahlte zum Wochenende zwei Filmbeiträge aus („Kranke Welpen, betrogene Käufer“), in denen betroffene Hundekäufer schwere Vorwürfe unter anderem gegen ein Seligenstädter Paar erheben. Birgitt Thiesmann, die in München als Kampagnenleiterin für „Vier Pfoten“, eine internationale Tierschutzstiftung, arbeitet, setzte sich parallel dazu mit unserer Redaktion in Verbindung. Auch ihre Vorwürfe gegen die Seligenstädter wiegen schwer: Als skrupellose Tierhändler sollen sie schon seit vielen Jahren von der Einhardstadt aus lukrative Geschäfte betreiben. Seit über 20 Jahren sollen „Welpen aus dubiosen Quellen“ veräußert werden - in die ganze Bundesrepublik und in das benachbarte Ausland. Teilweise ohne Impfung, verhaltensgestört und oft schon unter lebensgefährlichen Erkrankungen leidend, mit denen die Welpen aus osteuropäischen Aufzuchtstationen geholt werden. Dort, so die hr-Recherche, sollen Hündinnen als „Gebärmaschinen“ missbraucht werden.

„Seit 2004 gab es 40 Zivilverfahren, mehr als 80 Anzeigen, aktuell 15 Anklagen wegen Betrugs“, sagt Birgitt Thiesmann, die seit vielen Jahren „in der Szene“ recherchiert und von einem Millionengeschäft ebenso spricht, wie von mafiösen Strukturen, in die sie sogar Tierärzte eingebunden seien. Der Sachverhalt sei immer derselbe. Zivilrechtlich sei das Paar in fast allen Fällen zur Rückabwicklung des „Kaufgegenstands“ aufgefordert worden, einschließlich der Tierarztkosten. „Man muss davon ausgehen, dass die Dunkelziffer sehr groß ist. Beinahe wöchentlich werden neue Hunde im Internet zum Verkauf angeboten.“ Am Rande des ersten Prozesstags, bei dem es um Betrug in acht Fällen ging, streitet der Seligenstädter im Gespräch mit Maintower die Vorwürfe rundweg ab. Die Tiere seien selbst gezüchtet und gesund. Dem stellt das Magazin einschlägige Fallbeispiele und Tierarzt-Aussagen gegenüber.

Leserbilder zum Welthundetag 2015 (Teil zwei)

Seltsam: Das Geschäftsgebaren der Tierhändler, die sich als Züchter ausgeben, ist einschlägig bekannt, wie die Besitzerin einer Hundeschule aus der Region der Redaktion gegenüber bestätigt. Nach ihren Angaben haben sowohl der Tierschutzverein als auch das Veterinäramt in Offenbach seit langer Zeit Kenntnis. Sogar ein Mitglied der Diensthunde-Staffel der hessischen Polizei mit Sitz in Mühlheim („Task Force“), so erinnert sich die Leiterin der Hundeschule, habe vor Jahren recherchiert. Doch immer wieder habe sich das Paar herausgewunden, dabei auch die – inzwischen nicht mehr geschäftsfähige – Mutter/Schwiegermutter – vorgeschoben.

„Die für im Schnitt 1000 Euro pro Tier verkauften Hunde sind oft schwer krank, einige sterben kurze Zeit nach dem Kauf. Käufer bleiben auf den horrenden Tierarztkosten sitzen“, sagt Birgitt Thiesmann. Diese Art von Tierquälerei und Betrug müsse endlich ein Ende haben. Unter anderem betreut „Vier Pfoten“ eine Webseite (www.stopptwelpendealer.org) mit Infos rund ums Thema und fordert eine europaweite Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für alle Hunde.

Leserbilder zum Welthundetag 2015 (Teil eins)

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