Verpasste „Happy Hour“

„Earth“-Initiative stößt bei Koalition auf Ablehnung

Seligenstadt - Aus der „Earth Hour“ wurde, sehr zum Leidwesen der Seligenstädter Grünen, in der Stadtverordnetensitzung dieser Tage keine „Happy Hour“ der Energieeinsparung. Stattdessen driftete die eigentlich ernstzunehmende Thematik - unfreiwillig - ein wenig ins Komische ab.

Dabei geht es bei der Earth Hour darum, „auf die Notwendigkeit des Klimaschutzes und des sorgsamen Umgangs mit unseren Ressourcen“ hinzuweisen, wie die Öko-Partei in ihrem Antrag und Fraktionsmitglied Petra Werk am Mikro ausdrücklich betonten. Weltweit beteiligen sich im März Millionen Haushalte an der symbolträchtigen Aktion und knipsten für eine Stunde (20.30 bis 21.30 Uhr) das Licht aus. In Deutschland hatten sich für dieses Jahr 360 Städte angemeldet, darunter Langen, Alzenau und Hanau aus der Nähe, die die Beleuchtung in/von öffentlichen Gebäuden ausschalteten. Überaus spektakulär natürlich die Verdunklungsaktionen in Millionenstädten wie Athen, Sydney, Dubai, New York oder Paris. Die Stadt Seligenstadt wird sich in dieser illustren Runde - in absehbarer Zeit - nicht finden, „obwohl das so gut wie nichts kostet“, wie Petra Werk betonte und gleichzeitig ihr Befremden über die Geringschätzung des Antrags ausdrückte. Denn die Dreier-Koalition aus SPD, FDP und FWS lehnte die Symbolaktion ab, nur die CDU war dafür zu erwärmen.

Der Ablehnungsgrund ist, bei aller Energiespar-Motivation solcher Initiativen, zumindest halbwegs nachvollziehbar: Die Stadt verfügt mit Ausnahme des Steinheimer Turms über kein passendes Objekt, das nachts auf Dauer angestrahlt wird. Demnach müsste man, so FDP-Politiker Philipp Giel knochentrocken, für diese Aktion „den Turmstrahler erst anschalten, um ihn dann wieder auszuschalten.“ Wo da die Symbolik liegen soll, sei ihm schleierhaft. Dass es eine Reihe kirchlicher Scheinwerfer gibt, wie Grünen-Politikerin Natascha Maldener-Kowolik ergänzte, ging im allgemeinen Geschmunzele fast unter, ebenso ihr Appell, es gehe doch lediglich darum, einen Impuls zu geben. Ein Weiteres: Ausgerechnet der SPD-Politiker, Energiesparer und Radel-Aktivist Michael Hollerbach lehnte den Grünen-Antrag ebenfalls ab. Dazu biete die Stadt keine sinnvolle Anwendung. Hollerbach erzählte statt dessen etwas von illuminierten Windrädern, machte aber ansonsten munter Werbung fürs Stadtradeln.

Licht aus! Vorher-Nachher-Fotos der "Earth Hour"

Dass ausgerechnet Thomas Lortz aus dem bisher nicht übermäßig für signifikante Energiesparaktionen hervorgetretenen Froschhausener CDU-Ortsverband für die symbolische „Licht aus“-Initiative der Grünen-Partei ergriff, das überraschte das Plenum - und wohl auch ihn selbst. Es erscheine „ebenso widersinnig, dass Michael Hollerbach dagegen ist, wie die Tatsache, dass ich dafür spreche.“ Ihm sei, so Lortz vor den „Freunden der Sonne“ im allgemeinen Gelächter weiter, ohnehin schleierhaft, wie die „Schaufenster-Koalition“ sich diese Chance entgehen lasse, Symbolpolitik zu betreiben. (mho)

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare