Ebenso kostbar wie einzigartig

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Das prächtige Seligenstädter Evangeliar, das vermutlich auf Veranlassung Einhards vor 1200 Jahren geschrieben wurde, ist nun als Faksimile erhältlich. Das aufwändig reproduzierte Werk liegt in einer Auflage von 800 Stück vor (Preis: jeweils 149 Euro).

Seligenstadt - Das Werk gehört zu den ersten Büchern der Sakristeibibliothek des Seligenstädter Klosters. Das Original ist 1200 Jahre alt. Jetzt liegt das „Seligenstädter Evangeliar“ als Faksimile-Band vor, fast 400 Seiten stark und nahezu fünf Kilogramm schwer. Von Thomas Hanel

Sechs Jahre hat es gedauert, das Buch aufzulegen; beteiligt waren die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, die Privat-Stiftung des Offenbachers Peter Laube, die Sparkassen Kulturstiftung und die Einhard-Stiftung. „Das war ein sehr aufwändiges Projekt, aber es hat sich gelohnt“, sagt Thomas Laube, Neffe Peter Laubes und einer der Initiatoren der Neuveröffentlichung.

Das Seligenstädter Evangeliar bietet ein eindrucksvolles Beispiel für die vollendete Anwendung der karolingischen Minuskel (Bibelhandschrift) als Normschrift im 9. Jahrhundert. Anders als die reich illuminierten Handschriften der Zeit, ist das Seligenstädter Evangeliar als eine reine Textschrift gestaltet. Vermutlich ist es auf Veranlassung des Klostergründers Einhard (ca. 770-840) in Lorsch geschrieben worden. Im Kloster Lorsch befand sich im frühen 9. Jahrhundert eines der führenden Skriptorien (Schreibstube) Mitteleuropas.

Das im 16. Jahrhundert durch einen aufwändigen Einband geschmückte Buch wurde über die Jahrhunderte stets in Ehren gehalten. Aufbewahrt wurde das Original in der Seligenstädter Einhard-Basilika. Im Jahr 1811 wurde es mit weiteren Beständen der Klosterbibliothek in die Großherzogliche Bibliothek nach Darmstadt verbracht. „1000 Jahre lag es in Seligenstadt, 200 Jahre in Darmstadt. Jetzt ist es wieder da“, sagt Thomas Laube mit sichtlichem Stolz.

Einzigartig macht das Werk auch das abgefasste Seligenstädter Zinsregister, die älteste Besitzaufzeichnung des Klosters Seligenstadt. Mehr als 40 Städte und Gemeinden der Region sind dort erstmals urkundlich erwähnt, beispielsweise Hörstein und Alzenau.

„Außergewöhnlich und imposant“

Maßgeblich an der Druckauflage des Evangeliars beteiligt ist die Stiftung Laube, die im Jahr 2006 von Peter Laube als gemeinnützige Stiftung gegründet wurde. Treuhänder der Stiftung ist die Einhard-Stiftung Seligenstadt. Die Stiftung Laube unterstützt die Einhard-Stiftung bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. Das sind insbesondere die wissenschaftliche Pflege des Andenkens Einhards und die Erforschung seiner Zeit. Dem Stiftungsrat gehören Peter Laube, Thomas Laube, Seligenstadts Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams und Klaus Schöneich an, ehemaliges Mitglied ist Professor Dr. Franz-Friedrich Neubauer.

„Die Größe und Klarheit der Schrift ist außergewöhnlich und imposant“, sagt Peter Laube von der Stiftung Laube bei der Präsentation des Buches im Winterrefektorium im Seligenstädter Kloster vor mehr als 150 interessierten Gästen. Das „Seligenstädter Evangeliar“ bezeichnete er als das „vermutlich vornehmste“ der Zeit. Mit der Schaffung des Faksimiles sei nun ein langgehegter Wunsch vieler Seligenstädter in Erfüllung gegangen, das Buch selbst in den Händen zu halten.

Der wissenschaftlichen Projektleiter Dr. Hermann Schefers bringt das Werk des von ihm im Faksimile kommentierten Buch näher. „Gestaltet ist es in erlesener kalligraphischer Qualität mit einigen schlichten Initialen“, so Dr. Hermann Schefers. Das Vorwort zum „Seligenstädter Evangeliar“ stammt übrigens vom Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann.

Er schreibt dort unter anderem: „Möge uns die Begegnung mit diesem beeindruckenden frühmittelalterlichen Manuskript das Alte neu sehen und das Neue, die immerwährende Neuheit des Evangeliums, im Gewand der alten Schriftzeichen entdecken lassen.“

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