Barockoper um Eginhard und Emma: Stefan Rahnfeld sucht Spielstätte

Echter Telemann für Seligenstadt

Hobbymusiker Stefan Rahnfeld unter dem historischen Erker des Einhardhauses in Seligenstadt
+
Hobbymusiker Stefan Rahnfeld unter dem historischen Erker des Einhardhauses in Seligenstadt

Seligenstadt – Quizfrage: Welche Oper eines berühmten Komponisten spielt in Seligenstadt? Streng genommen lautet die Antwort: keine. Indes gibt es ein Musikdrama, dessen Handlung sich eigentlich in unserem Städtchen ereignen könnte, sogar müsste. Entdeckt hat es der Bremer Musiker Stefan Rahnfeld. Es handelt sich um „Eginhard und Emma“ des barocken Großmeisters Georg Philipp Telemann, geboren 1681 in Magdeburg, gestorben 1767 in Hamburg.

Zumindest Teile dieser Komposition möchte Rahnfeld gern in der Einhard- und Emma-Stadt zur Aufführung bringen, sofern Corona das erlaubt. Schon einmal war er aus diesem Grund zu Besuch; immer noch sucht er einen geeigneten Ort dafür. Wer ihm helfen kann oder eine Idee hat, kann sich per E-Mail an stefan.rahnfeld@gmx.de melden Die Redaktion stellt aber auch Kontakt her.

Zu seinen Lebzeiten war Telemann bekannter als seine Zeitgenossen Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel; auch schrieb er mehr als beide zusammen. Dass er in jüngerer Zeit von einem klugen Kopf als „vergessener Alleskönner“ bezeichnet wurde, ist etwas ungerecht, bezeugt aber immerhin die Qualität seines Werks. Seine schöpferische Stärke lag freilich auf anderen Gebieten als auf dem des Musiktheaters, aber mit der Oper Hamburg leitete er eins der führenden Häuser Europas, wie Experte Rahnfeld weiß. Dort, am Gänsemarkt der Hansestadt, erlebte 1728 sein Stück „Eginhard und Emma“ nach dem hierorts bekannten, mehr oder weniger historischen Stoff aus dem 9. Jahrhundert seine Uraufführung.

Sehr viele Inszenierungen dürften bis heute eher nicht hinzugekommen sein, wie Rahnfeld bedauert. Zwar ist der 67-Jährige kein Berufsmusiker, als Gründer und Leiter eines Gesangsensembles mit dem Schwerpunkt Passionen und Oratorien des Barock aber vertraut mit historischer Aufführungspraxis. Er weiß um die Schwierigkeiten, das Opus auf eine heutige Bühne zu stemmen. „Das wäre vor allem sehr teuer...“

So denkt Rahnfeld nicht an eine originalgetreue Fassung, die zudem mehrere Stunden in Anspruch nähme. „Bei einer modernen Inszenierung kämen da rasch 100 000 Euro zusammen“, hat er sich grob ausgerechnet. Seine Idee ist eine „Schwarze-Null-Oper“ mit professionellen Gesangssolisten und einem kleinen Instrumentalensemble. Und einem Projektchor, in dem interessierte Seligenstädter mitsingen dürfen.

Um die Sache für Publikum konsumierbar zu gestalten, schwebt Rahnfeld keine Interpretation der kompletten Partitur vor. Bei der Beschäftigung mit dem Thema stieß er auf eine Bildergeschichte von Wilhelm Busch, die 1864 in den „Fliegenden Blättern“ erschien und den Kult um Bayerns Ludwig II. oder Preußens Großen Friedrich aufs Korn nimmt. Das politische Sujet verknüpfte der Dichter und Zeichner mit der Mittelalter-Mär. Das Ergebnis wiederum will Rahnfeld unterlegen mit Musik von Telemann sowie Kollegen: Händel, Reinhard Keiser, Johann Mattheson oder Henry Purcell.

Als Klamauk mit einem Augenzwinkern will der gelernte Maschinenbauer, ausgebildete Clown und genießende Rentner Rahnfeld das Ganze verstanden wissen. Ernst ist der Hintergrund, die Kultur in Finanznöten, wenn der Impresario während der Ouvertüre hereinplatzt und ruft: „Wir haben das Geld nicht!“

Von Markus Terharn

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare