Ein echtes Multitalent

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Träger des Kreis-Kulturförderpreises: Caspar Hüter mit seinem Objekt „Rol-Laden-Air“, einem Flugzeug, geschaffen aus Resten von Plastiklamellen.

Seligenstadt ‐ Caspar Hüter ausschließlich als Bildhauer und Steinmetz zu bezeichnen, beschriebe die künstlerischen Vielfalt und Ausdrucksmöglichkeiten des jungen Seligenstädter nur unzureichend. Von Thomas Hanel

Grafik, Objekt, Performance, Naturkunst - mit all diesen Themen befasst er sich und sucht Möglichkeiten in der künstlerischen Umsetzung. Caspar Hüter erhält am morgigen Sonntag den Kulturförderpreises des Kreises Offenbach. Dieser Preis wird seit 1990 im jährlichen Wechsel mit dem Kulturpreis des Kreises verliehen und ist mit 3700 Euro dotiert.

Hüters schöpferische Ausdrucksmöglichkeiten bewegen sich im Umfeld von Kunst, Architektur und Design. Er schafft Objekte, generiert computergestützte Grafiken, arbeitet mit Holz, Ton, Steinen - immer auf der Suche nach Formen und Ästhetik. Und betont dabei: „Meine Kunst ist politisch, hat Aussagen, will provozieren, zum Nachdenken anregen.“ Beispielsweise das Objekt „Rol-Laden-Air“, ein Flugzeug, geschaffen aus Resten von Plastiklamellen. „Sich einem Flugzeug anzuvertrauen ist die eine Sache, darüber nachzudenken, was alles passieren kann, die andere“, erzählt der 31-Jährige, der die Schreibweise „Rol-Laden-Air“ sehr bewusst wählte.

Aufgewachsen ist Caspar Hüter in Seligenstadt in einer Künstlerfamilie. Sein Vater, Georg Hüter, hat ein eigenes Atelier als Bildhauer. So ist der berufliche Weg als Künstler für Caspar vorgezeichnet. „Seit vielen Generationen haben sich die Hüters mit allen Formen künstlerischen Ausdrucks beschäftigt.“ Ob als Schnitzer, Maler oder Bildhauer. Aber, geschuldet dem modernen Leben, haben seine Eltern auf eine solide Basis für ihren Sohn geachtet. Als Steinmetz wurden ihm handwerkliche Grundlagen vermittelt, es folgte ein Studium der Architektur, Abschluss als Diplom-Ingenieur. Derzeit absolviert er ein Aufbaustudium Kunst und öffentlicher Raum in Nürnberg.

In den vergangenen Monaten arbeitete Hüter vor allem „performativ“, will heißen szenisch, spontan vor und mit Publikum. So erdachten befreunde Künstler und er ein spezielles Kino während der „Blauen Nacht“, einer großen Kunstausstellung in Nürnberg: Mehrere Dutzend Menschen befinden sich in einem Raum, schauen durch ein Schaufenster nach außen auf die Vorbeigehenden. „Es hat nicht lange gedauert und es waren sehr interessante Reaktion bei Zuschauern und Angeschauten zu erleben.“ Oder aber die Amtsstube „P18“, wo sich Besucher einer Ausstellung einer peinlich genauen Befragung sowie der Erfassung ihrer Daten unterziehen mussten. „Wir haben Bürokratie geschaffen, saßen dann am längeren Hebel.“ Dokumente wurden gestempelt, kopiert und verwaltet, bevor die Ausstellungsbesucher eingelassen wurden. Augenzwinkernd fügt er hinzu: „Und kleinere Bestechungsgelder haben wir auch angenommen.“ Bewusstmachung von alltäglichen Vorgängen, Anregung zum Nachdenken über scheinbar Normales und die Konsequenzen. Neben diesen Arbeiten ist Hüter fasziniert von den Möglichkeiten, die vorkonfektioniertes Material bietet. Die Rollladen-Elemente für sein Flugzeug gehören dazu, ebenso Hohlblocksteine oder aber Baumstämme. Seine handwerkliche Grundausbildung hilft ihm dabei, in der Bearbeitung die angestrebte Aussage des Werkes zu vermitteln. Hüter will sich noch nicht festlegen lassen, welche Kunstrichtung zu seiner persönlichen Handschrift wird - auch wenn er diese bereits lebt. Hüter ist nicht nur aufgrund seiner Vielfältigkeit ein würdiger Preisträger.

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