Journalist und Politiker Seligenstädter Franz Singer war Minister im Saarland

Ehrengrabstätte in Saarbrücken

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Seligenstadt – Kaum jemand wird sich an jenen Seligenstädter erinnern, der einst Bürgermeister in Saarbrücken und Minister im Saarland war: Dr. Franz Singer. Was ihn mit einer deutschen Fachzeitung in Verbindung bringt, das zeigt sein Lebenslauf auf.

Am 8. September 1898 in Seligenstadt geboren, besucht Franz Singer zwischen 1904 und 1912 die Volksschule und das Progymnasium, bevor er nach dem Abitur 1917 am Gymnasium Bensheim zum Kriegsdienst eingezogen wird.

Nach dem Kriegsende studierte Singer Handels- und Zeitungswissenschaften in Frankfurt am Main, Freiburg im Breisgau, Halle und Leipzig. 1922 promoviert er zum Dr. phil. mit der Dissertation „Eine deutsche Fachzeitung als Unternehmen“ und arbeitet von 1923 bis 1925 als Handelsjournalist in Leipzig, danach als Redakteur bei der Saarzeitung in Saarlouis und bei der Saarbrücker Landeszeitung.

Singer hatte sich während der Zeit der Weimarer Republik der Zentrumspartei angeschlossen, der er bis 1935 angehörte. Gleichzeitig leitete er den Landesverband des Windthorstbundes (Jugendorganisation der katholischen Zentrumspartei) im Saargebiet. Von 1927 bis 1935 war er Stadtverordneter in Saarbrücken. Weil er die NSDAP ablehnt, wird Singer 1935 mit einem Berufsverbot belegt und arbeitet fortan als Versicherungsvertreter - bei der Industrie-Versicherungs-GmbH sowie bei der Versicherungsgesellschaft Iduna-Germania in Saarbrücken.

Von 1940 bis 1945 nimmt er als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil. In Zusammenhang mit dem Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 wird der gebürtige Seligenstädter per Haftbefehl gesucht.

Zuletzt gerät er in US-amerikanische Gefangenschaft, aus der er im Juli 1945 entlassen wird. Nach 1945 beteiligte sich Singer an der Gründung der CVP (Christliche Volkspartei des Saarlandes). Er wurde 1946 in die Saarbrücker Stadtverordnetenversammlung gewählt und war von 1946 bis 1949 ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt. Von 1947 bis zu seinem Tod am 22. Juli 1953 war Singer Mitglied des saarländischen Landtags und dort 1951/52 Vorsitzender der CVP-Fraktion.

Vom 20. Dezember 1947 bis zum 14. April 1951 amtierte er als Minister für Wirtschaft, Verkehr, Ernährung und Landwirtschaft und vom 23. Dezember 1952 bis zu seinem Tod als Minister für Kultus, Unterricht und Volksbildung in den von Ministerpräsident Johannes Hoffmann geführten Regierungen des Saarlandes, fasst Wikipedia seine politische Vita zusammen.

Als Wirtschaftsminister sorgte Franz Singer im Jahr 1950 bundesweit für Aufsehen. Unter der Überschrift „Nichts zu sagen“ widmete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel ihm am 9. März 1950 eine Story, als es um das damals brisante Thema Autonomie ging: „Wirtschaftsminister Franz Singer musste seine autonomen Aufbaupläne für das Saargebiet bis zum Jahre 2000 zurückstellen. Als er seinen Freund Eduard Schäfer von der saarländischen Volks-Zeitung (SVZ) zu einem vorsichtigen Leitartikel über „wirtschaftliche Autonomie“ inspirierte, fiel der sofort vom Chefredakteur-Sessel. Frankreichs Ministerpräsident Georges Bidault persönlich fühlte den Dolchstoß im Rücken.“

Aber, so schreibt der Spiegel weiter, Franz Singer sei „noch einmal davongekommen. Als er mit seinem Premier Hoffmann nach Unterzeichnung des Saarvertrages in Paris den Quai d’Orsey verließ, wusste er, dass er für die nächsten fünfzig Jahre im saarländischen Bergbau nichts zu sagen hat. Die Bergwerke werden bis zum Jahre 2000 von der Gesellschaft „Regie des Mines de la Sarre“ ausgebeutet. Für jede Tonne geförderter Kohle wird die Gesellschaft 30 Francs oder 36 Pfennig an die Saarregierung abführen. Verwaltung, Verteilung und Preisbestimmung ist Sache Frankreichs.“

Bestattet ist Singer auf dem Hauptfriedhof in Saarbrücken, dort erhielt er eine Ehrengrabstätte.  beko/mho

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